Hin und her mit Mbappé

Der teuerste Provokateur der Welt

Kylian Mbappe
Kylian Mbappe
© dpa, Christophe Ena, AF nic wst

06. Oktober 2021 - 16:18 Uhr

Und ewig lockt Real

Paris St. Germain hat ein Problem. Nun ist es nicht so, als käme das überraschend, aber es nervt den Club eben doch. Und zwar massiv. Denn es wird nicht ruhig um Kylian Mbappé. Der Superstar möchte zu Real Madrid und die Königlichen reizen mit markigen Ansagen.

Mbappé ist kein fieser Kerl

Das alles ist also nur ein Missverständnis. Kylian Mbappé ist kein fieser Kerl. Er ist das Gegenteil. Um dieses Image ist er zumindest in diesen Tagen bemüht. Dass er Paris St. Germain im Sommer gerne verlassen hätte, wäre nicht aus purem Egoismus geschehen (höchstens ein bisschen), sondern eine faire Chance für seinen aktuellen Arbeitgeber. Der Luxusclub hätte für sein teuerstes Gut sehr, sehr viel Geld bekommen, überwiesen von Real Madrid, und hätte sich am Markt für sehr, sehr viel Geld einen Nachfolger suchen können. Vielleicht hätte PSG den nicht sofort bekommen, aber womöglich im Winter. Das hätte gereicht, um die großen Ziele zu finalisieren.

Denn die Sache ist ja so: Auch ohne Mbappé wäre bis zum anstehenden Jahreswechsel vermutlich nichts passiert, was zur Riesen-Blamage taugt. Klar, die Gruppe in der Champions League hätte etwas einfacher sein dürfen, aber um sich gegen Manchester City, RB Leipzig und den FC Brügge einen der beiden ersten Plätze zu verdienen, dafür dürfte die Qualität von Lionel Messi, Neymar und den anderen so teuren Spaßfußballern reichen. Über die Machtverhältnisse in der heimischen Liga brauchen wir gar nicht erst reden, auch wenn es zuletzt eine amtliche Peinlichkeit bei Stade Rennes (0:2) gab.

Aber Paris St. Germain ist hart geblieben. Sie haben Mbappé den Wechsel verweigert. Sie haben Real Madrid einfach mal gezeigt, wie sehr sich die Machtverhältnisse im europäischen Fußball verändert haben. Vielleicht noch nicht in den Ruhmeshallen, wohl aber am Verhandlungstisch. Wenn PSG nicht verkaufen möchte, dann müssen sie nicht. Auch wenn das vor dem Hintergrund des Financial Fairplay immer noch reichlich eigenartig wirkt. Aber die Clubbosse aus Katar hatten ja höflich versichert: Alles geprüft, alles super! Bei Paris St. Germain sind die Finanzen in einem harmonischen Einklang.

Noch ist die Weltidee nicht gescheitert

Womöglich hatten die Clubbosse aus Katar auch gedacht, dass sie mit ihrer Verhandlungshärte alle Probleme von der Tafel gewischt hätten. Wenn sie das gedacht hatten, dann war das reichlich naiv. Denn dass sich eine Ansammlung von Riesen-Egos plötzlich in ein Demuts-Ensemble transformiert, das in aller Harmonie für die gemeinsamen Ziele spielt, kämpft und gerne auch zaubert, das hat es noch nie gegeben. Bestes Beispiel sind die Galaktischen aus Madrid, die sich zu Beginn der 2000er-Jahre zusammenfanden mit der Idee, den Weltfußball zu dominieren, daran aber hart scheiterten.

In Paris ist die Idee nun ähnlich. Mit Lionel Messi, mit Sergio Ramos und mit Gianluigi Donnarumma haben die Bosse ihrem Luxuskader noch mal ein paar funkelnde Schmuckstücke beigefügt. Noch ist die Idee nicht gescheitert. Aber von Mbappé ist sie aus dem innersten Zirkel torpediert worden. Vom nun wohl teuersten Provokateur der Welt. Und offenbar macht der Franzose, der als potenzieller Weltfußballer gilt, gemeinsame Sache mit seinem Sehnsuchtsclub Real Madrid. Denn von den Königlichen werden Worte übermittelt, die in Paris für Blutdruckprobleme sorgen. Im Januar, so hieß es am Dienstag, würde man wohl Neuigkeiten über die Zukunft des 22-jährigen Stürmers verkünden können. Reals Präsident Florentino Perez hoffe, dass die Madrilenen bis zum 1. Januar alles geregelt - also einen Wechsel zur nächsten Spielzeit klargemacht - haben. So zitiert die Zeitung "El Debate" aus einem Gespräch mit ihm.

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Mbappé macht ein wenig Schönwetter

Wenige Stunden nach diesen so brisanten Ansagen ließ der 74-Jährige das Wiedergegebene korrigieren. "Meine Worte wurden falsch interpretiert", sagte Perez gegenüber RMC Sport: "Was ich gesagt habe, ist, dass ich bis zum nächsten Jahr warten muss, um Nachrichten zu verkünden. Dies geschieht stets mit Respekt vor PSG, mit denen wir gute Beziehungen haben." Das stellen die Franzosen indes gewaltig infrage. "Real Madrid darf sich nicht weiter so verhalten. Das ist ein Mangel an Respekt, den wir nicht tolerieren können. Das geht nun schon seit zwei Jahren so", schimpfte Sportdirektor Leonardo ebenfalls noch am Dienstag in der "L'Equipe". Die Transferperiode sei vorbei. Es gebe Spiele und Real Madrid könne sich nicht weiter so verhalten. "Das muss aufhören! Kylian ist Spieler von Paris St. Germain, und der Verein will, dass dieses Verhältnis noch lange besteht."

Nun, das ist ein frommer Wunsch. Aber wohl einer, der nicht in Erfüllung gehen wird. Mbappé kann im Januar, ein halbes Jahr vor Vertragsende, mit Vereinen verhandeln, ohne seinem aktuellen Arbeitgeber Rechenschaft darüber ablegen zu müssen. Und das (also verhandeln) wird er garantiert auch tun. Der Umworbene hatte an diesem Montag gegenüber RMC Sport erstmals bestätigt, dass er St. Germain in der vergangenen Transferperiode verlassen wollte. "Ich habe Ende Juli gesagt, dass ich gehen möchte. Ich habe im Juli gefragt, weil ich wollte, dass der Club eine Transfersumme erhält und mich ersetzen kann", sagte Mbappé, dessen Vertrag in Paris am Saisonende ausläuft. Er ist dann ablösefrei.

Und weil er kein fieser Kerl ist, will er auch unbedingt noch etwas klarstellen. "Es ist aber nicht wahr, dass ich sieben Angebote zur Vertragsverlängerung abgelehnt habe." Darüber war berichtet worden, ebenso wie über mögliche Summen. Diese waren völlig absurd, drehten sich um bis zu 50 Millionen Euro pro Jahr. Und noch etwas sagt er, weil er ja kein fieser Kerl ist. Leonardo habe er nämlich auch versichert, dass er sich mit einem Verbleib arrangieren könne. "Ich habe ihnen gesagt: Wenn ihr mich nicht gehen lassen wollt, dann werde ich das respektieren. Ich wollte, dass wir freundschaftlich auseinander gehen." Ob das wirklich noch möglich ist? (tno)