2019 M01 7 - 20:35 Uhr

Neues Start-up bietet Krankschreibungen per Handy an

Sicherlich kennen Sie das auch: Sie liegen krank im Bett, fühlen sich hundsmiserabel und sollen sich dann noch zum Arzt für eine Krankschreibung schleppen. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Seit wenigen Wochen bietet ein Hamburger Start-up bei einer Erkältung ein Attest via Handy an.

Attest übers Handy

Can Ansay von www.au-schein.de erklärt, dass es allein in Deutschland jedes Jahr über vier Millionen Krankschreibungen wegen Erkältung gebe. Ärzte würden also unnötig Zeit damit verschwenden, in ihren Praxen die Krankschreibungen auszufüllen und zu unterschreiben.

Krankschreibung per Whatsapp - so funktioniert's

Der Service kann von jedem Arbeitnehmer, egal ob gesetzlich oder privat versichert, genutzt werden, wenn er seinem Arbeitgeber eine Krankschreibung vorlegen muss. Möglich ist diese Art der Krankschreibung, weil im vergangenen Jahr das sogenannte Fernbehandlungsverbot gelockert wurde und Telemedizin in fast allen Bundesländern im Einzelfall erlaubt ist.

In der Realität läuft die Krankschreibung folgendermaßen ab: Wer sich krankschreiben lassen will, muss online mehrere Fragen beantworten – beispielsweise, ob man Husten hat oder unter Schnupfen leidet. Diese Angaben sowie persönliche Daten wie Telefonnummer und ein Foto der Versichertenkarte werden dann via Whatsapp an einen Arzt übermittelt, der für das Start-up arbeitet. Der Arzt bekommt die Angaben, überprüft sie und stellt dann eine Diagnose aus.

Die Kosten für eine Krankschreibung betragen neun Euro. Allerdings: Dieser Online-Service darf nur zweimal pro Kalenderjahr in Anspruch genommen werden. Und wenn der Arzt den Patienten aufgrund der angegebenen Symptome einer Risikogruppe zuordnet, wird keine Krankschreibung ausgestellt. In diesem Fall muss der Patient doch in eine Praxis.

Kritik von der Ärztekammer und von Arbeitgebern

Bei Ärztevertretern stößt der neue Online-Service auf Kritik. Einige Ärztekammern raten von der Nutzung des Online-Angebots ab; unter anderem aus datenschutzrechtlichen Gründen. Außerdem müssen noch die rechtliche Grundlage des Angebots geklärt werden. So könnte es unter anderem sein, dass Arbeitgeber die Krankschreibung gar nicht anerkennen. Hinzu kommt die Befürchtung vieler Arbeitgeber, dass durch das neue Online-Angebot die Zahl der Blaumacher noch mehr zunimmt.