Kosten einer Menstruation: So teuer sind Tampons, Binden und Co wirklich für uns

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26. Januar 2017 - 14:20 Uhr

In der Drogerieabteilung müssen vor allem Frauen finanziell bluten

Frauen bluten regelmäßig. Einmal im Monat, weil das die natürlichste Sache der Welt ist. Und häufig beim Einkauf im Drogeriemarkt, weil die Ungerechtigkeit der Welt sich dort in den Preisen zeigt. Wir reden von Tampons, Binden, Slipeinlagen. Teuren Produkten, für die jede Frau im Schnitt 38 Tages-Löhne investieren muss. Und nun kommt der Punkt, über den Frauenrechtlerinnen sich ärgern: Jede Frau braucht diese Produkte - und trotzdem gelten sie nicht als Artikel des täglichen Gebrauchs. Für sie zahlen wir also 19 Prozent Steuern. Für Alltägliches wie Toilettenpapier, Kaviar und Teerosen aber nur 7 Prozent.

Von Ursula Willimsky

Das Thema Monatshygiene und Gerechtigkeit hat viele Facetten. Frauenverbände fordern schon seit Jahren, dass Frauen einen höheren Hartz IV-Satz bekommen sollen. Ein Beispiel: Im Regelsatz von 409 Euro sind aktuell 17,59 Euro für Gesundheitspflege enthalten (Kopfwehtabletten, Rasierer, Cremes). Dass Frauen deutlich mehr Artikel aus der Drogerie-Abteilung brauchen(!) als Männer, berücksichtigt das Regelwerk nicht.

Dabei ist die Periode teuer: Fast 17.000 Tampons wirft jede Frau während ihrer fruchtbaren Jahre in das Mülleimerchen im Bad. Das entspricht 266 großen Packungen und die kosten rund 1.200 Euro. Die "Huffington Post" kommt auf höhere Zahlen. 38 Jahre hat eine durchschnittliche Frau ihre Mensis, das entspreche 456 Perioden. Kostet laut "Huffington" einen Mittelklassewagen: fast 16.000 Euro. Wobei hier auch Schmerzmittel und erhöhter Schokoladen-Bedarf eingerechnet wurden.

Viele Frauen können sich keine Tampons leisten

Aber selbst wenn es aufs Leben verteilt nur 2.000 Euro sind: Viele Frauen können sich das nicht leisten. Obdachlose oder Bürgerinnen armer Länder zum Beispiel. Kiran Gandhi dagegen verzichtete freiwillig auf den Tampon. Beim London Marathon lief sie "mit Blut zwischen den Beinen für die Schwestern, die keinen Zugang zu Tampons haben. Und für die Schwestern, die ihre Schmerzen und Krämpfe verstecken." Das fanden viele igitt. Aber es hat auch dafür gesorgt, dass über dieses Thema überhaupt mal gesprochen wurde.

Regelmäßig bis immer verzichten die Mitglieder der "Free Bleeding"-Bewegung auf Tampons und Binden. Sie wollen die sichtbaren Folgen ihrer Periode nicht verstecken – schließlich ist die Periode ja auch nichts, wofür eine Frau sich schämen müsste. Ganz schön radikal. Nicht jede Frau schätzt es, einmal im Monat mit nassen Flecken im Slip herumzulaufen.

Aber genauso wenig schätzen Frauen es vermutlich, wenn sie für Produkte, die in unserer Kultur nun mal zum Hygiene-Standard gehören, den vollen Steuersatz zahlen müssen. Was ja bis zum Ende gedacht bedeutet, dass wir eigentlich Steuern dafür zahlen, dass unsere Körper tipptopp funktionieren.

So sehen es zumindest Aktivistinnen im Ausland. Und: Manche Parlamente folgen ihren Argumenten sogar! So haben fünf US-Bundesstaaten die Umsatzsteuer für Tampons abgeschafft. In Kanada gibt es keine Tampon-Steuer mehr. Frauen aus Irland und Kenia zahlen keinen Steueraufschlag. Frankreich senkte die Steuer von 20 auf 5 Prozent. Und David Cameron boxte gegen die EU durch, (damals, als die EU für Briten noch ein Thema war, also letztes Jahr), dass sein Land die Steuern für Tampons auf null setzen darf. Was nicht leicht war, denn generell gilt in der EU bei Hygieneartikel ein Steuermindest-Satz von fünf Prozent.

Tja. Und Deutschland? Hier zahlen Frauen immer noch Blutgeld in Höhe von 19 Prozent des Kaufpreises. Finanziell ungerecht ist die Sache mit den Körperpflege-Produkten ja ohnehin. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat mal verglichen: Shampoos, Rasierschaum, Toilettenbeutel - alles kostet mehr, wenn es für Frauen produziert wurde. Selbst wenn die Inhaltsstoffe oder die Bauweise nahezu identisch sind. Pink Tax nennt man diese Phänomen.

Dagegen können Frauen etwas tun. Indem sie den pinken Einwegrasierer im Regal liegen lassen und stattdessen den preiswerten blauen aus der Männerabteilung kaufen. Aber auch gegen die steuerliche Einstufung der Tampons als verzichtbares Luxusgut wehren sich Frauen. Derzeit sammelt zum Beispiel die Organisation bloodties.org Unterschriften für eine Petition, die fordert, dass auch in Deutschland Hygieneartikel nur noch mit vermindertem Steuersatz abgerechnet werden sollen.

Über die Idee, unverzichtbare Artikel wie Tampons gleich völlig kostenfrei abzugeben, reden wir dann in zehn Jahren.

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