Herzloser Betrug über eBay

Kleines Hündchen nach wenigen Tagen tot: RTL-Zuschauerin warnt vor der Welpenmafia

Die kleine Skylar und Simone Herrmanns konnten nur wenige Tage miteinander verbringen, dann starb die Hündin, die illegal von Bulgarien nach Deutschland gebracht wurde.
© Christian Herrmanns

10. August 2020 - 16:01 Uhr

Der Traum vom eigenen Pomeranian wird zum Albtraum

Der Traum vom eigenen Zwergspitz sollte für Simone Herrmanns aus der Nähe von Köln endlich wahr werden. Über eBay kauft sie die kleine Hündin Skylar, doch die wird schon nach zwei Tagen im neuen Zuhause schwer krank. Simones Bruder Christian Herrmanns findet heraus, dass sie von der organisierten Welpenmafia betrogen wurden – und wendet sich an RTL.

Hündin Skylar findet über eBay ein neues Zuhause

Simone Herrmanns träumte schon lange von einem eigenen Hund, am liebsten einem Zwergspitz. Im Netz sind die Welpen zwischen 1.600 und 3.500 Euro zu haben. Nach längerer Suche fand sie eine Anzeige für einen Pomeranian-Welpen bei eBay. Für 1.400 Euro könnte sie den Welpen aus Rüsselsheim abholen, teilte ihr die Züchterin Oksana W. (Name geändert) auf Englisch mit. Die eBay-Anzeige, die RTL vorliegt, wies einige Grammatik-Fehler auf, enthielt aber alle wichtigen Informationen zum Hund.

Die beiden einigten sich auf einen Abholtermin in Frankfurt. Herrmanns machte sich aus Rommerskirchen in der Nähe von Köln auf den Weg, um die kleine Hündin abzuholen. Hinter der Adresse verbarg sich eine Wohngemeinschaft. Dort lebte angeblich eine Freundin der Züchterin, mit der Simone Herrmanns nur auf Englisch sprechen konnte.

Die Züchterin versicherte ihr, die Hündin sei in Deutschland geboren. Mit dem Impfpass wollte sie beweisen, dass der kleine Welpe geimpft und gechipt sei – für Simone Herrmanns ein gutes Zeichen. Sie hatte sich mit der Züchterin im Vorhinein auf 1.100 Euro geeinigt, zahlte diese Summe und nahm die kleine Skylar mit.

Zwergspitz Skylar sitzt auf einer Decke auf dem Schoss ihrer Besitzerin Simone Herrmanns.
Die kleine Skylar auf dem Weg nach Hause in ein vermeintlich glückliches Leben, doch schon nach wenigen Tagen wird sie schwer krank.
© Christian Herrmanns

Schon nach 2 Tagen ging es Skylar plötzlich schlechter

Eigentlich sollte jetzt das gemeinsame Leben der beiden beginnen, doch es kam anders. Bereits nach zwei Tagen ging es Syklar deutlich schlechter. Herrmanns nahm sie voller Sorge mit zum Tierarzt, doch die Veterinärin konnte keine Ursache für den schlechten Gesundheitszustand der Hündin finden. Die Symptome passten nicht zu den durch den Impfpass ausgeschlossenen Krankheiten.

Skylars Schicksal ist kein Einzelfall – hier erklären wir, wie Sie die Methoden der Welpenmafia erkennen.

Der Tierarzt überwies die Familie an die Düsseldorfer Tierklinik und die findet Unstimmigkeiten in dem Impfpass der Hündin. Als Ausstellungsort war Bulgarien angegeben, das war Herrmanns schon bei der Übergabe aufgefallen, doch die Züchterin hatte das mit der Herkunft der Eltern-Tiere erklärt.  "Dann haben wir die Vorbesitzerin angerufen und die hat gebeichtet, dass der Hund in Bulgarien geboren sei", erinnert sich Christian Herrmanns.

Bei den Untersuchungen stellte sich dann heraus, dass Skylar weder gegen Tollwut, noch gegen das gefährlich Parvovirus geimpft war. Ihr Zustand verschlechterte sich immer weiter und die Tierärzte entschieden, sie in der Klinik zu behalten. Die Rechnung für die Kosten wuchs derweil stetig an. Mittlerweile meldete sich das Veterinäramt bei Simone Herrmanns und teilte ihr mit, da die Hündin illegal in Deutschland sei, müsse sie nach ihrer Genesung in Quarantäne.

Behandlungskosten steigen immer schneller

"Die Quarantäne im Tierheim zieht sich zwischen vier und sechs Wochen hin und kostet pro Tag 15 bis 25 Euro", erklärt ihr Bruder Christian Herrmanns. "Meine Schwester ist machtlos. Wir wissen nicht, was wir tun sollen."

Die Familie hat eine Anzeige gegen die vermeintliche Züchterin gestellt. Auf mehrmalige Anrufe hin hat die mittlerweile 200 Euro des Kaufpreises zurücküberwiesen, "weil sie angeblich ein schlechtes Gewissen hatte", erklärt Christian Herrmanns.

Doch noch am vergangenen Wochenende meldete sich die Tierklinik bei Simone Herrmanns. Skyler leide am Parvovirus. Ihr Zustand sei so schlecht, dass sie sie nur noch erlösen könnten. Am Samstagabend wurde sie schließlich eingeschläfert, nur rund zehn Tage nachdem ihr neues Leben in Deutschland begonnen hatte. Die Familie kämpft jetzt dafür, dass sie zumindest die Asche der kleinen Hündin nach der Einäscherung behalten darf.

Was Tiere fühlen, wenn Sie eingeschläfert werden, erklärt eine Tierärztin hier. 

Familie will andere vor der Welpenmafia warnen

Um die steigenden Kosten zu decken, hat Christian Herrmanns schon während der Behandlung einen Spendenaufruf auf Betterplace.me gestartet. "Den lasse ich jetzt weiterlaufen. Mit dem Geld wollen wir eine Tierschutzorganisation unterstützen", erklärt er.

Immer wieder werden gutherzige Tierbesitzer von Betrügern mit kranken Welpen aus dem Ausland betrogen. Das trifft nicht nur die Familien, die viel Herzblut und Geld in die kleinen Familienmitglieder stecken, sondern vor allem die oftmals unheilbar kranken Welpen. "Und ich will gar nicht wissen, wie die Eltern-Tiere aussehen", sagt Christian Herrmanns.

Die kleine Syklar konnten sie nicht retten, aber Familie Herrmanns will mit ihrer Geschichte andere Hundeliebhaber warnen. Man müsse genau hinsehen und trotz großem Hundewunsch alle Warnsignale genau erkennen – damit weder die Welpen, noch die zukünftigen Besitzer leiden müssen.