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Kinderspielzeug: Darum spielen Mädchen lieber mit Puppen und Jungs mit Autos

Mädchen mit Puppe
Mädchen spielen lieber mit Puppen, wenn sie sich das Spielzeug frei aussuchen können. © iStockphoto, iStock, Ellen Moran

Studie: Eltern können Spielverhalten der Kinder kaum beeinflussen

Kleine Mädchen wünschen sich zu Weihnachten Barbies, Schminkkoffer oder Puppenhäuser. Jungs wollen dagegen Autos, Bagger, Lego- oder Playmobil-Zeug haben. Ein Klischee, das mit der Realität in unserer aufgeklärten Gesellschaft nichts mehr zu tun hat? Eher nicht. Eine Gruppe von Psychologen der 'City University London' hat Studien-Material aus verschiedenen westlichen Ländern gesammelt und herausgefunden: Eltern können tun, was sie wollen - Kinder bevorzugen meistens Spielzeug, dass ihrem jeweiligen Rollenklischee entspricht.

Sozialer Druck ist bei Drei- bis Fünfjährigen besonders hoch

Von Christiane Mitatselis

In den Tests durften sich Kinder im Alter von bis zu acht Jahren ihr Spielzeug aussuchen, zum Beispiel Puppen (mädchentypisch), Autos (jungentypisch) oder Puzzle (neutral). Das Ergebnis: Unabhängig vom Land oder der sozialen Herkunft wählten die lieben Kleinen in großer Mehrheit das jeweils geschlechtstypische Spielzeug. Da die Tendenz in allen Tests so stark ausgeprägt war gehen die Forscher davon aus, dass das Verhalten nicht nur gesellschaftlich bedingt, sondern auch angeboren sein muss.

Allerdings gibt es laut der Studie kleine, feine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Bei den Mädchen ist in den letzten Jahren die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass sie nicht nur mit Puppen, sondern auch einmal mit Lego spielen wollen. Bei den Jungs ist es anders: Je älter sie werden, desto deutlicher tendieren sie sogar zu typischen Jungen-Spielsachen. Bekommen sie Mädchen-Kram in die Hand, so nutzen sie ihn für aggressives Spielen. Zum Beispiel werden aus Barbies Gewehre, mit denen man sich imaginär beschießt. Mädchen kann man also leichter aus ihrer Rollen-Ecke locken als Jungs, gut zu wissen!

Eine weitere Erkenntnis: Prinzipiell müssen Eltern kein schlechtes Gewissen haben, wenn ihre Kinder rollentypisches Spielzeug bevorzugen. Es scheint ihnen mehrheitlich in die Wiege gelegt, der Einfluss auf das Spielverhalten begrenzt zu sein.

Allerdings sollte man bedenken: Wenn alle das Gleiche tun, leiden meistens diejenigen, die anders sind als die anderen. Das ist auch schon im Kindergarten-Alter so. Die Londoner Psychologen stellten heraus, dass bereits unter Drei- bis Fünfjährigen ein hoher Konformitätsdruck herrscht. Das heißt: Ein Junge, der mit einer Barbie wie ein Mädchen spielt, ihr also Kleider anzieht oder die Haare kämmt anstatt sie durch die Gegend zu feuern, kann von Gleichaltrigen gemobbt werden. Genauso wie ein kleines Mädchen, dass lieber mit der Carrera-Bahn spielen will als mit rosa Förmchen Kuchen zu backen. Um diese Kinder muss man sich besonders kümmern und ihnen vermitteln, dass sie alles richtigmachen – egal, was die anderen sagen und tun.

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