RTL-Verbraucherexperte Ron Perduss klärt auf

Was Azubis jetzt wissen müssen

Der Einstieg ins Berufsleben wirft viele Fragen auf - wir geben Antworten.
Der Einstieg ins Berufsleben wirft viele Fragen auf - wir geben Antworten.
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03. August 2021 - 8:22 Uhr

Der Start ins Berufsleben wirft viele Fragen auf

Anfang August starten in vielen Branchen die Berufsausbildungen. Damit beginnt eine spannende Zeit, die aber auch viele Fragen aufwirft! Welche Versicherungen brauche ich? Sollte ich mich jetzt schon um meine Rente kümmern? RTL-Verbraucherexperte Ron Perduss beantwortet die wichtigsten Fragen zum Berufsstart.

Bekommen Auszubildende weiter Kindergeld?

Ja! Dabei gibt es aber zu beachten, dass grundsätzlich die Eltern das Kindergeld beziehen. Das bekommen sie für jedes Kind unter 25 Jahren, solange es sich in einer Berufsausbildung befindet. Die Eltern müssen das Geld dabei nicht an ihre Kinder auszahlen, sie können es zum Beispiel auch für die Lebenshaltungskosten einbehalten. In Härtefällen, zum Beispiel wenn das Kind schon ausgezogen ist und die Eltern das Geld trotzdem einbehalten, kann es auch direkt an das Kind ausgezahlt werden.

Lese-Tipp: Neue Mindestvergütung für Ausbildung in 2021: Wie leben Azubis mit dem Gehalt?

Welche Versicherungen brauche ich als Berufsanfänger?

Existenziell ist zunächst einmal die Krankenversicherung. Auszubildende sind automatisch gesetzlich krankenversichert. Sie müssen sich nur für einen Anbieter entscheiden. Hier lohnt sich ein Vergleich der Leistungen: Einige Anbieter locken mit günstigen Beiträgen, andere punkten mit mehr Leistungen. Die Basisleistungen sind aber bei allen Kassen gleich. Eine gute Übersicht gibt es beispielsweise bei Finanztest von Stiftung Warentest.

Eine weitere Versicherung, die wirklich jeder braucht: die Haftpflichtversicherung. Sie springt zum Beispiel ein, wenn man eine Sache beschädigt oder bei einem Unfall jemanden verletzt. Sie übernimmt also immer alle Kosten, wenn Dritte geschädigt werden. Oft ist man als Auszubildender noch über die Eltern abgesichert. Das gilt immer dann, wenn es die erste Berufsausbildung ist. Dabei ist es auch egal, ob man noch zuhause wohnt oder schon eine eigene Wohnung hat oder beispielsweise in einem Studentenwohnheim lebt. Falls das nicht der Fall ist, kostet eine Police meist nur etwa 30 Euro im Jahr.

Sinnvoll ist auch die Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie zahlt, wenn man vorübergehend oder auch dauerhaft seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Gerade als Berufseinsteiger profitiert man durch den Einstieg in jungen Jahren durch besonders niedrige Beitragszahlungen. Und die Versicherung ist wichtig, denn statistisch gesehen wird jeder Vierte im Laufe des Lebens einmal berufsunfähig. Der monatliche Aufwand beträgt – je nach Versicherungssumme – zwischen 25 und 35 Euro.

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Wie läuft das mit dem Gehalt und der Steuer?

Zur Anmeldung bei den Behörden, benötigt der Arbeitgeber die individuelle Steuer-ID des Auszubildenden. Wer diese noch nicht erhalten hat, kann sie beim Bundeszentralamt für Steuern beantragen.

Als Azubi braucht man sich dann zunächst nicht mehr mit der Steuer beschäftigen. In den meisten Fällen liegt die Ausbildungsvergütung nämlich unter dem Steuerfreibetrag von 9.168 Euro pro Jahr. Liegt die Vergütung darüber, führt der Arbeitgeber die Lohnsteuer automatisch an das Finanzamt ab. Wer parallel zur Ausbildung keinen Nebenjob hat, braucht auch keine Steuererklärung zu machen. Diese würde sich aber auch ohne Nebenjob nicht lohnen: Denn wer keine Steuern bezahlt, bekommt auch keine zurück.

Lese-Tipp: In welcher Branche gibt`s am meisten Weihnachtsgeld?

Welche Unterstützung vom Staat gibt es?

Lehrjahre sind keine Herrenjahre - dementsprechend mau fallen meist die ersten Lohnabrechnungen aus. Auszubildende, die in einer eigenen Wohnung leben, können in einigen Fällen eine Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) erhalten. Dieser Zuschuss kann bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden.

Sollte ich jetzt schon für später vorsorgen?

Kaum jemand denkt beim Berufseinstieg schon wieder an den Ausstieg - doch spätestens bei der Rente macht sich das buchstäblich bezahlt. Neben der gesetzlichen Rente können Azubis schon mit kleinen Beträgen für später vorsorgen. Und das macht auch Sinn, denn die gesetzliche Rente wird auf keinen Fall ausreichen, um den Lebensstandard später halten zu können.

Je nach den persönlichen finanziellen Voraussetzungen stehen hier Riester-Rente, betriebliche oder private Altersvorsorge zur Verfügung. Berufseinsteiger profitieren aufgrund ihrer niedrigen Einkünfte am Anfang ihrer Karriere oft von staatlichen Zuschüssen. So zum Beispiel auch bei Vermögenswirksamen Leistungen, welche viele Arbeitgeber zusätzlich zum Gehalt zahlen. Diese Zahlungen werden dann auf einem extra Konto angelegt und teilweise vom Staat bezuschusst. Hier lohnt es sich, beim Arbeitgeber nachzufragen.