Nach Fehlurteil in den USA

Unschuldiger (62) kommt nach 43 Jahren aus dem Knast

Kevin Strickland kommt als Senior aus dem Knast - und erhält vom Bundesstaat Missouri keine Entschädigung für seine Fehlverurteilung.
Kevin Strickland kommt als Senior aus dem Knast - und erhält vom Bundesstaat Missouri keine Entschädigung für seine Fehlverurteilung.
© CNN

25. November 2021 - 11:26 Uhr

Kevin Strickland wurde 1979 wegen Mordes verurteilt - jetzt kommt er frei

Kevin Strickland war gerade einmal 19 Jahre alt, als er wegen eines Dreifachmordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. 43 lange Jahre saß er deshalb in einem Gefängnis im US-Bundesstaat Missouri – und das unschuldig, wie sich jetzt herausstellte.

Aussage einer Augenzeugin wurde ihm zum Verhängnis

Strickland wurde 1979 allein auf der Grundlage der Aussage einer Überlebenden der Tat verurteilt, berichtet der Sender "CNN". Und das, obwohl die Frau ihre Aussage später widerrufen hatte. Der damalige Schuldspruch sei deswegen unhaltbar, urteilte Richter James Welsh am Dienstagmorgen in Missouri. Er hob den Schuldspruch auf und ordnete nach 43 Jahren hinter Gitter die sofortige Freilassung des 62-Jährigen an.

Laut dem Sender ist es die längste unrechtmäßige Inhaftierung des Bundesstaates Missouri und eine der längsten der USA.

Kevin Strickland wurde mit 19 Jahren wegen Mordes schuldig gesprochen.
Kevin Strickland wurde mit 19 Jahren wegen Mordes schuldig gesprochen.
© CNN

Augenzeugin zog Aussage gegen Strickland zurück

Der damals 19-Jährige wurde wegen eines Dreifachmordes in der Stadt Kansas City zu einer lebenslangen Haft verurteilt, nachdem ihn eine Jury für schuldig gesprochen hatte. Vier Menschen sind damals im April 1978 gefesselt und angeschossen worden. Nur eine Frau überlebte die Tat, die 2015 verstorbene Cynthia Douglas.

Laut "CNN" habe sie Strickland als einen der vier Täter identifiziert. Sie sollen sich gekannt haben. Doch später zog sie die Aussage zurück. Sie habe in den vergangenen 30 Jahren immer wieder betont, dass sie damals falsch gelegen habe. Laut "CNN" soll sie auch dabei geholfen haben, Strickland aus dem Gefängnis zu holen.

Auch zwei andere wegen des Mordes verurteilte Männer sagten damals vor Gericht aus, dass Strickland nicht beteiligt gewesen war und nannten die Namen der zwei anderen Mittäter.

Strickland wurde dennoch – ohne Beweise gegen ihn – verurteilt und inhaftiert.

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Kevin Strickland sitzt mittlerweile krankheitsbedingt in einem Rollstuhl.
Kevin Strickland sitzt mittlerweile krankheitsbedingt in einem Rollstuhl.
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„Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Tag kommen würde“ 

Nach seiner Freilassung sagte er aus einem Rollstuhl zu Reportern, dass er nicht wütend sei. "Ich bin meinen Anwälten und allen anderen dankbar, die mir im Laufe der Jahre zugehört haben", so Strickland laut "CNN". Er könne es noch immer nicht fassen. "Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Tag je kommen würde."

Auch Staatsanwältin Jean Peters Baker äußerte sich: "Zu sagen, dass wir äußerst erfreut und dankbar sind, wäre eine Untertreibung." Einem Mann, der so viel gelitten hat, sei nach so vielen Jahren endlich Gerechtigkeit zuteil gekommen.

Jetzt will Strickland mit seinen Anwälten zusammen gegen Ungerechtigkeit im Justizsystem helfen. Er denkt, dass sein Fall Einfluss auf andere nehmen könnte.

Wie "CNN" berichtet, werde er keine Entschädigung vom Staat Missouri erhalten. Deshalb sei ein GoFundMe-Konto für ihn eingerichtet worden.

129 Entlassungen allein im Jahr 2020

In den USA habe es allein 2020 129 Entlastungen unschuldig inhaftierter Menschen gegeben. Insgesamt hätten sie 1.737 Jahre hinter Gittern verloren, also durchschnittlich 13,4 Jahre pro Entlastung. Die meisten Anklagen seien auf Falschaussagen zurückzuführen. (mor)