Social Media kein sicheres Umfeld für Kundinnen und Kunden

Kosmetikkette Lush verabschiedet sich von Facebook, Instagram, Snapchat und Tiktok

Die Kosmetikkette Lush verabschiedet sich von Facebook, Instagram, Snapchat und Tiktok.
Die Kosmetikkette Lush verabschiedet sich von Facebook, Instagram, Snapchat und Tiktok.
© picture alliance, Bildagentur-online/Joko

26. November 2021 - 12:01 Uhr

Clevere PR-Aktion oder Beginn einer Protestwelle?

"Lush hat endgültig genug" – unter Protest verlässt der Kosmetikhersteller die Social-Media-Plattformen Instagram, Facebook, Snapchat und Tiktok. Wer zum Beispiel seit heute die Lush-Instagramseite besucht, bekommt die Mitteilung "sei woanders" zu sehen. Ist das der Beginn einer großen Protestwelle gegen Facebook & Co. von Unternehmen oder eine clevere PR-Aktion von Lush zum Weihnachtsgeschäft?

"Machen ja auch keine Geschäfte in dunklen Straßenecken"

Eins muss man Lush, das unter anderem für seine "Badebomben" bekannt ist, lassen: Der Social-Media-Rückzug kommt zum richtigen Zeitpunkt und auch die Botschaft ist eindeutig. "Leider entwickeln sich mehrere Social Media Plattformen immer mehr zu Plätzen, zu deren Besuch wir unser Kund*innen niemals ermutigen würden. Es muss sich etwas ändern!", erklärt das Unternehmen in seiner Mitteilung. Und schiebt noch hinterher: "Da wir mit unseren Kund*innen immer in einem sicheren Umfeld in Kontakt treten möchten, machen wir ja auch keine Geschäfte in dunklen Straßenecken."

Das Unternehmen mit Hauptsitz im britischen Poole betreibt rund 930 Filialen in 48 Ländern und hat 9.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In Deutschland kann man in 38 Filialen "handgemachte" Seifen- und Duschgelprodukte kaufen.

Den Social-Media-Plattformen Facebook, Instagram, Snapchat und Tiktok will man so lange fernbleiben, "bis diese Plattformen ein sicheres Umfeld für ihre Nutzer*innen bieten". Dabei nimmt das Unternehmen auch finanzielle Einbußen in Kauf. Kurzfristig werde der Rückzug Lush ungefähr zehn Millionen Pfund Umsatz kosten, erklärt Jack Constantine, der Chief Digital Officer von Lush, gegenüber dem "Spiegel".

Lush bezieht sich auf "die Facebook-Akten"

Ein Vorreiter ist Lush allerdings nicht. Bereits im Sommer 2020 kam es zu einer Protestaktion bekannter Konzerne, die sich vor allem gegen Facebook richtetete. Mit der Aktion #StopHateforProfit zogen Großkonzerne wie Adidas, Audi und Starbucks öffentlichkeitswirksam ihre Werbeanzeigen zurück. Der Vorwurf: Facebook lässt sich seit Jahren von Hasspredigern und Rassisten missbrauchen. Gegenmaßnahmen werden nicht ergriffen – trotz eines Jahresumsatzes von mehr als 70 Milliarden Dollar. Laut Lush reiche es aber nicht mehr aus, "dass die Unternehmen einfach keine bezahlte Werbung mehr auf diesen Plattformen schalten."

Denn ein Jahr später scheint sich die Situation vor allem bei Facebook kaum gebessert zu haben. Die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen lieferte Schlüsselinformationen für eine Artikel-Serie im "Wall Street Journal". Darin ging es unter anderem um die Auswirkungen des Foto-Dienstes Instagram auf junge Nutzer. Haugen sagte, sie sei frustriert gewesen, weil Facebook nicht ausreichend offen damit umgehe, dass das Online-Netzwerk Schaden anrichten könne. Auch sei ihr Eindruck gewesen, dass Facebook weiter auf Wachstum gesetzt habe, obwohl dem Unternehmen negative Auswirkungen der Plattform auf die Nutzer bekannt gewesen seien.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Lush bezieht sich direkt auf "die Facebook-Akten" und erklärt: "Wir bei Lush wollen nicht auf bessere globale Regulierungen oder auf die Einführung von sicheren Richtlinien durch die Plattformen warten, während eine Generation junger Menschen heranwächst, die schwere und dauerhafte Schäden erleidet." Wenn der Kosmetikhersteller es ernst meint, könnte es ein Abschied für immer werden. Denn das Unternehmen betont: "Wir wollen nicht, dass unsere Inhalte von versteckten Algorithmen verwendet werden, die darauf abzielen, die Menschen auf einem Kanal gefangenzuhalten." An den Algorithmen werden Facebook, Instagram, Snapchat und Tiktok allerdings so schnell nichts ändern. Denn die bringen den Unternehmen Milliardenumsätze – und Lush ist für die Social-Media-Konzerne nur eine kleine Nummer. Doch es könnte auch der Beginn sein für etwas ganz Großes. (aze)