Starke politische Botschaft einer Rocklegende

Jon Bon Jovi: Corona-Todeszahlen in den USA sind "kriminell"

Jon Bon Jovis Seitenhieb gegen US-Präsident Trump Rockstar nennt 200.000 Tote "kriminell"
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Rockstar nennt 200.000 Tote "kriminell"
Jon Bon Jovis Seitenhieb gegen US-Präsident Trump

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Bon Jovi: Neues Album ganz im Zeichen der Pandemie

Freitag erscheint Bon Jovis neues Album mit dem schlichten Titel „2020“. In den Songs geht es ganz abstrakt um Schmerz, Verlust und Angst, aber auch ganz konkret um das Coronavirus, Polizeigewalt und Schießereien. Themen die besonders die USA, aber auch die ganze Welt aufwühlen.

Rockstar in der Corona-Zeit: Politische Botschaft in der Musik

"Wenn du nicht tun kannst, was du tust, dann tust du, was du kannst", singt Bon Jovi. Den Song "Do What You Can" hat der 58-Jährige während der Corona-Pandemie zu seinem persönlichen Motto gemacht.

Das Album ist sehr politisch. Im Interview mit der Nachrichtenagentur AP kritisiert Rocklegende Jon Bon Jovi US-Präsident Trump und dessen Umgang mit der Corona-Pandemie – zwar indirekt, aber sehr scharf: „In Amerika haben wir 200.000 [Menschen, Anm. d. Redaktion] verloren. Das ist kriminell, aber es muss uns daran erinnern, wie ernst es ist.“

Jon Bon Jovi: Ein "Zeuge der Geschichte"

Neben der schlimmen Corona-Situation in den USA geht es in dem Song „American Reckoning“ auch um den Tod des Afroamerikaners George Floyd, der bei einem brutalen Polizeieinsatz getötet wurde. „Ich möchte mich auf keine Seite stellen“, sagt Bon Jovi, „ich fühle mich wie ein Reporter.“

„2020“ sollte eigentlich schon im Mai erscheinen, wurde aber coronabedingt verschoben, ist dafür aber inhaltlich nun umso aktueller, fast ein Stück Zeitgeschichte.

Auf dem Cover zeigt sich der ergraute Beau nachdenklich, in Bon Jovis Sonnenbrille spiegelt sich die Flagge der USA. Der Titel ist natürlich auch eine Anspielung auf das US-Wahljahr.

"Wieder weint eine Mutter, die Geschichte wiederholt sich. Ich kann nicht atmen", singt Bon Jovi über den getöteten George Floyd. "Verdammt, diese acht langen Minuten lag er in Handschellen mit dem Gesicht auf dem Boden." Von einer Rockband, die für ihren Dauerbrenner "Living On A Prayer" und für Lieder wie "You Give Love A Bad Name" oder "Born To Be My Baby" bekannt ist, könnte das anbiedernd wirken. Doch es klingt authentisch.

Jon Bon Jovi meint es ernst. Seit Jahren engagiert er sich gemeinnützig und politisch. Mit seiner Ehefrau Dorothea gründete Bon Jovi in seiner Nachbarschaft eine Tafel, um Menschen in Not zu helfen. Schürze statt Lederjacke - bei Instagram war zu sehen, wie der Sänger in den Hamptons Kisten schleppt und in der Küche mit anpackt. Und mit „2020“ ist auch die Musik ernsthafter geworden.

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Musik soll die ganze Gesellschaft bewegen

Die Partyrock-Zeiten mit Bon-Jovi-typischen Phrasen wie "It's my life, it's now or never" sind vorerst vorbei. Stattdessen lenkt "Unbroken" den Blick auf Soldaten, die unter posttraumatischen Belastungsstörungen leiden. Und "Blood In The Water" beschreibt die Lage illegaler Einwanderer in den USA.

Der Sänger - auf diesem Album fast alleiniger Songwriter - vermeidet in den Liedern aber eine klare politische Position. "Was, wenn es einer deiner Lieben wäre, der auf dem Boden liegt?", fragt er in "Lower The Flag". Und singt später: "Lass uns drüber reden!"

Bon Jovi hat in den USA Fans in beiden politischen Lagern. Eine Chance, die er offenbar nutzen will, die Menschen in einem tief gespaltenen Land dazu zu bringen, wieder mehr miteinander zu sprechen.