NBA-Legende trägt keine Maske und schockt mit Corona-Thesen

US-Uni lässt Basketball-Legende Stockton nicht mehr in die Halle

John Stockton in seiner Blütezeit - als Spielmacher Utah Jazz in der NBA.
John Stockton in seiner Blütezeit - als Spielmacher Utah Jazz in der NBA.
© deutsche presse agentur

27. Januar 2022 - 14:47 Uhr

Auf dem Basketball-Parkett war John Stockton trotz seiner – für NBA-Verhältnisse winzigen – 1,85 Meter ein ganz Großer. Unvergessen wie der dem Riesen Karl Malone die Bälle zupasste, damit der "Mailman" diese in den Korb stopfen konnte. Beim Thema Corona allerdings hat der heute 59-Jährige den Schuss offenbar nicht gehört und verstört mit unglaublichen Aussagen. Seine Uni lässt Stockton jetzt nicht einmal mehr in die Halle, in der er einst begeisterte.

Nummer 12 nur noch unterm Dach

In der Alma Mater Gonzaga University hängt das Trikot mit der Nummer 12 von John Stockton zu dessen Ehren unterm Hallendach. Er ist der wohl berühmteste Absolvent der Hochschule, hat für die Basketball-Spiele der Uni-Mannschaft eine Dauerkarte. Beziehungsweise hatte. Weil Stockton partout keine Maske trägt, um sich und andere vor dem Coronavirus zu schützen und weil er Impfungen ablehnt, lässt ihn die Uni jetzt nicht mehr in die Halle. Vor allem schockt Stockton immer wieder mit absurden Aussagen.

"Es sind schon über 100 Profisportler tot", sagte Stockton etwa im Vorjahr im Interview mit der Tageszeitung "The Spokesman-Review". "In der Blüte ihres Lebens" seien Geimpfte einfach "auf dem Spielfeld umgefallen". Insgesamt seien Zehntausende Menschen, wenn nicht sogar Millionen, an den Folgen einer Corona-Impfung gestorben.

Es sind Sätze wie diese, mit denen Stockton, die Legende, der Hall-of-Famer, in Teilen der USA – jenen, die die die Wissenschaft akzeptieren jedenfalls – Kopfschütteln auslöst. Wer sind denn bitte die 100 toten Profisportler, wo ist der Beleg für Zehntausenden Impf-Tote? Stockton ist es offenbar egal, im Trump-Zeitalter sind Fakten ohnehin "alternativ".

FILE - Former Gonzaga player John Stockton talks about his career during a National Collegiate Basketball Hall of Fame induction event, Sunday, Nov. 19, 2017, in Kansas City, Mo. Gonzaga has suspended Stockton’s basketball season tickets after the
John Stockton heute - noch immer NBA-Legende, aber auch Impf-Verschwörungstheoretiker
© AP, Colin E. Braley, CB

Stockton: "Wir werden es überstehen"

Die Gonzaga University hat jetzt genug von den Ausfällen ihres einstigen Baskteball-Lieblings. "Wir nehmen die Durchsetzung der COVID-19-Gesundheits- und Sicherheitsprotokolle ernst", teilte Gonzaga mit, "die jüngste Entscheidung ist ein Beispiel dafür." Es dürfte der Uni nicht leichtgefallen sein, John Houston Stockton die Türe zuzuschlagen. Er gehört zu den prominentesten Absolventen und ist in der NBA die ewige Nummer eins bei Assists (15.806) und Steals (3265). Dazu Mitglied des "Dream Teams" von Barcelona 1992.

"Ich bin Teil dieses Campus, seit ich fünf oder sechs Jahre alt war", sagte Stockton, "ich wurde nur ein paar Blocks entfernt geboren." Das Verhältnis zur Uni sei nach der Maßnahme "angespannt, aber nicht kaputt", so Stockton, "ich bin sicher, wir werden es überstehen."

Stockton, in Spokane/Washington geboren, macht sich Sorgen um sein Image. "Ich verstehe, dass ich eine Person des öffentlichen Lebens bin, und sie zeigen mich bei jedem Spiel. Ich nehme diese Verantwortung sehr ernst", sagte der Hall-of-Famer, dessen Söhne Michael (32) und David (30) vor einiger Zeit in der Bundesliga spielten. Umdenken will er nicht.

Also wartet der berühmte Gonzaga-Fan einfach ab. "Wenn sich die Regeln ändern, gibt es die Tickets zurück", so Stockton. Bis dahin bleiben die Plätze in Reihe fünf hinter dem Anschreibetisch wohl leer. (mar/sid)