Nach Abschied von der Parteispitze

Jörg Meuthen will weiterhin Einfluss in der AfD haben

Joerg Meuthen und Alexander Gauland
Joerg Meuthen und Alexander Gauland
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12. Oktober 2021 - 18:13 Uhr

"Das ist kein Rückzug"

Auch wenn der langjährige AfD-Chef angekündigt hat, im Dezember nicht mehr für die Parteispitze kandidieren zu wollen – seinen Gegnern will er weiterhin Paroli bieten.

"Ich weiß natürlich, dass viele derjenigen, die sich heute nicht bei mir gemeldet haben, sich insgeheim freuen", sagte er in einem Interview mit t-online. "Doch deren Freude wird nicht von Dauer sein. Denn wenn sie glauben, jetzt seien sie mich los, irren sie. Die werden sehr schnell merken, dass ich nicht weg bin. Das ist kein Rückzug."

Meuthen will weiter Einfluss nehmen

Meuthen sagte, er könne seine politische Arbeit auch fortsetzen, wenn er sich etwas zurücknehme. "Ich brauche kein Bundessprecheramt, um auf den Kurs der Partei Einfluss zu nehmen. Es ist wie beim Schachspiel: Wer nur angreift, verliert." Seine Stimme werde hörbar bleiben. "Ist doch klar, dass ich mich nach so vielen Jahren weiterhin dafür stark mache, welche Richtung wir einschlagen."

Meuthen sagte weiter, er gehe davon aus, dass er auf dem Parteitag im Dezember auch wieder eine Mehrheit bekommen hätte. "Wer auch immer gegen mich angetreten wäre, den oder die hätte ich besiegt."

Meuthen kritisiert Alice Weidel scharf

Meuthen beklagte erneut das aus seiner Sicht schlechte Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl und warf Fraktionschefin Alice Weidel vor, das Ergebnis "in Altparteienmanier" schönzureden. Die Partei hatte bei der Bundestagswahl 2,3 Prozentpunkte verloren und bekam nur noch 10,3 Prozent.

Weidel wies Meuthens Kritik am Dienstag scharf zurück. "Ich bleibe dabei, dass unser Wahlergebnis ein sehr solides ist", sagte sie t-online. Die Partei habe in den Ost-Bundesländern 16 Direktmandate geholt. "Wir werden hart daran arbeiten, dass das kein Ostphänomen bleibt", sagte Weidel. "Aus dem Brüsseler Schmollwinkel heraus alles schlecht zu reden, bringt uns dabei nicht weiter." Meuthen sitzt seit Ende 2017 für die AfD im Brüsseler EU-Parlament.

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Richtungsstreit in der AfD

Dass sich Meuthen und Weidel gegenseitig angreifen, ist kein Zufall. Schon länger gilt das Verhältnis zwischen ihnen als zerrüttet. Grund dafür ist vor allem ein Richtungsstreit innerhalb der Partei. Meuthen kritisierte immer wieder rechtsnationale Tendenzen, zum Beispiel den "Flügel" um Rechtsaußen Björn Höcke, und gilt als Teil der gemäßigten Strömung in der AfD. Mit dieser Haltung hatte er sich besonders bei seinen Kollegen Alexander Gauland, Alice Weidel und Tino Chrupalla keine Freunde gemacht.

Meuthen hatte am Montag seinen Rückzug von der Parteispitze verkündet. Er wolle bei der turnusmäßig anstehenden Neuwahl des Parteivorstandes im Dezember nicht mehr als Vorsitzender kandidieren, schrieb der 60-Jährige in einem Rundschreiben an die AfD-Mitglieder. (rcl/dpa)