Neue Studie gibt Aufschluss

Job, Kinder, Haushalt? Was Mütter wirklich stresst

Kinder, Küche und Karriere. Frauen haben nach wie vor mehr Doppelbelastungen als Männer.
© picture-alliance/ dpa, Lehtikuva Elina Simonen

11. August 2020 - 12:38 Uhr

Anteil der Teilzeitmütter steigt

Die familiäre Arbeit übernehmen in Deutschland vor allem die Mütter. Dabei ist es nicht die parallele Berufstätigkeit, die die Frauen belastet, zeigt eine Studie des Deutschen Jugendinstituts. Welche Faktoren Mütter wirklich belasten.

Mütter nach wie vor meist Zuverdienerin

In Deutschland hat die Erwerbstätigenquote von Müttern mit Kindern ab 6 Jahren in Paarfamilien im vergangenen Jahrzehnt zwar stark zugenommen, von 69 Prozent im Jahr 2008 auf 78 Prozent im Jahr 2018, 55 Prozent der Mütter arbeiten allerdings lediglich in Teilzeit. Das Modell des männlichen Hauptverdieners und einer weiblichen Zuverdienerin hat sich also weiter gefestigt. Nach dem zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung leisten Frauen 52 Prozent mehr unbezahlte Care-Tätigkeiten als Männer, was etwa 2,5 Stunden täglich entspricht. Sie sind und bleiben damit die zentralen Figuren in Familien. Doch wie geht es Müttern mit dieser Rolle und welche Faktoren stressen sie am meisten?

Je niedriger das Einkommen, desto mehr Stress

Bislang unveröffentlichte Studienergebnisse des Deutschen Jugendinstituts zeigen: Mütter in Familien mit einem geringen Haushaltsnettoeinkommen (unter 3.000 Euro monatlich) empfinden eine signifikant höhere Stressbelastung als jene in Familien mit mittlerem Einkommen. Umgekehrt haben Mütter mit höherem Haushaltsnettoeinkommen (mehr als 4.250 Euro monatlich) eine signifikant geringere Stressbelastung als Mütter mit mittlerem Haushaltsnettoeinkommen. Diese Befunde weisen damit darauf hin, dass finanzielle Engpässe der Familie den Müttern große Sorgen bereiten. Der Umfang der Erwerbsstunden einer Mutter wirkt sich nach den Ergebnissen dagegen kaum auf ihre Stressbelastung aus. 

Eine pflegebedürftige Person in der Familie, wenig aktive Zeit mit den Kindern oder für gemeinsame Mahlzeiten erhöhen ihr Stresslevel jedoch signifikant. Dort, wo Zeitoasen gefunden werden, für tägliche Familienrituale wie das gemeinsame Essen, für gemeinsame Stunden mit dem Partner, aber auch für Auszeiten jenseits der Familie, sinkt das Stressempfinden. Mit steigendem Alter der Kinder, aber auch mit der Anzahl der Kinder reduziert sich das Stresslevel der Mütter statistisch bedeutsam.

Bloß nicht zu viel machen, liebe Männer!

Wie sieht es aber nun aus, wenn auch die Väter einen Großteil des Haushalts und der Kinderbetreuung übernehmen? Erwartungsgemäß entlastet das die Mütter, aber nur bis zu einem gewissen Grad, so die Studie. Geht es über eine egalitäre Arbeitsteilung hinaus, fühlen sich die Frauen wieder mehr gestresst. Ebenso ergeht es ihnen bei der Kinderbetreuung. Aber warum ist das so? Paartherapeutin Sylvia Fauck: "Wir spornen die Männer an, uns zu helfen und wenn die plötzlich zu viel machen, dann fühlen wir uns nicht mehr als die gute Frau, die gute Mutter und die gute Hausfrau. Das ist dann auch wieder nicht richtig." Sie empfiehlt Paaren, sich in Ruhe eine Art Stundenplan zu erarbeiten. "Machen Sie einen Plan, das man sich die Arbeit teilt, aber eben so, das keiner zu kurz kommt oder überfordert ist."