Biontech gegen Kochsalz ausgetauscht

Ist die ehemalige DRK-Mitarbeiterin eine Corona-Leugnerin? Das sagt ihr Anwalt

Impfskandal Friesland: DRK-Mitarbeiterin tauscht Biontech gegen Kochsalzlösung
Impfskandal Friesland: DRK-Mitarbeiterin tauscht Biontech gegen Kochsalzlösung
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12. August 2021 - 22:24 Uhr

Examinierte Krankenschwester soll erheblich mehr Impfdosen manipuliert haben

Erst sollten es nur sechs Spritzen gefüllt mit Kochsalzlösung anstatt Biontech gewesen sein. Inzwischen gehen Polizei und Staatsanwaltschaft aber davon aus, dass eine Mitarbeiterin im Impfzentrum Schortens im Landkreis Friesland erheblich mehr Impfdosen manipuliert hat. 8557 Personen werden ab sofort kontaktiert, weil sie anstelle des Impfstoffes eine Kochsalzlösung erhalten haben könnten.

Polizei spricht von konkreten Hinweisen

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Impfskandal Friesland: Polizei vermutet politisch motivierte Tat
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Ausgelöst wurde Aufruf des Landkreises Friesland an die 8557 Personen aufgrund von aktuellen Ermittlungsergebnissen der Polizei. Die zuständige Polizeiinspektion Friesland gehe von einer Gefahrenlage aus, die sich aus sehr konkreten Zeugenaussagen ergeben habe.

"Ganz konkret bezog es sich auf einen Facebook-Kommentar, der so im Dezember vergangenen Jahres von ihr veröffentlicht wurde und zudem wissen wir von drei oder vier WhatsApp Nachrichten, die relativ zeitnah vor dem 21.04. dieses Jahres von ihr an einen sehr begrenzten Personenkreis gegeben worden sind", sagte Peter Beer von der Polizei Jever.

Anwalt weist Vorwürfe zurück

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Impfskandal Friesland: 8557 Personen müssen neu geimpft werden
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Die ehemalige DRK-Mitarbeiterin schweige und mache von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, so die Polizei weiter. Vorwürfe, die David Osterloh, Anwalt der beschuldigten Frau entschieden zurückweist. "Unsere Mandantin handelte weder aus einer politischen Motivation heraus, noch hat sie Impfwilligen lediglich Kochsalzlösung verabreicht. Vielmehr hat sie eine falsche Entscheidung getroffen, als sie den Verlust des Impfstoffs zu verheimlichen versuchte", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Seine Mandantin habe zudem vollumfänglich mit der Polizei kooperiert.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen die examinierte Krankenschwester wegen "gefährlicher Körperverletzung in mittelbarer Täterschaft". Mittelbar, weil die 40-Jährige die Spritzen zwar aufgezogen, aber nicht gespritzt hat.

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Landkreis Friesland lässt 8557 Menschen neu impfen

Unabhängig vom Ausgang der Ermittlungen musste der Landkreis Friesland reagieren. Zu groß ist die Verunsicherung in der Bevölkerung. Den Verantwortlichen in Friesland bleibt nichts anderes übrig als mögliche fehlende Impfungen so schnell wie möglich nachzuholen.

"Das sind 8,7 % des Gesamtlandkreises Frieslands, die betroffen sein könnten, das ist schon eine Dimension, die ich mir nicht vorstellen konnte. Nach intensiver Beratung mit dem Gesundheitsministerium und dem Landesgesundheitsamt, dem RKI und der ständigen Impfkommission haben wir uns entschlossen entsprechend eine dritte oder auch eine dritte und vierte Impfung anzubieten und auch zu empfehlen, weil das Landesgesundheitsamt gesagt hat, dass das medizinisch unbedenklich ist." sagt Landrat Sven Ambrosy im RTL Nord-Interview. Deshalb gehen jetzt an 8557 Menschen Briefe raus mit der Aufforderung, sich erneut impfen zu lassen. (rra)