"Halt die Fresse, halts Maul"

Irre Begründung: Clan-Chef Remmo vom Vorwurf der Polizistenbeleidigung freigesprochen

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21. August 2020 - 10:37 Uhr

Arabisches Familienoberhaupt will seinen Sohn beleidigt haben

"Halt die Fresse, halt´s Maul" waren die Worte, die Clan-Chef Issa Remmo bei einer Verkehrskontrolle am 10. April 2019 einem Polizisten an den Kopf geworfen haben soll. Das Oberhaupt einer polizeibekannten arabischstämmigen Großfamilie wurde jetzt aber vor dem Amtsgericht Tiergarten in Berlin freigesprochen. Die irre Verteidigung des Familienvaters: Er habe mit den wüsten Beschimpfungen lediglich einen seiner drei im Auto sitzenden Söhne gemeint.

Staatsanwaltschaft hatte 50 Tagessätze zu je 100 Euro beantragt

Für das Gericht kam bei der Verhandlung am Dienstag nur ein Freispruch in Frage: Die Richterin erklärte in ihrer Urteilsbegründung, dass man nicht davon überzeugt sei, dass Remmo den Polizisten beleidigt hat. Der Clan-Chef bestritt den Vorwurf bereits seit seiner Zeugenvernehmung. Jetzt erklärte er vor Gericht, dass er damit einen der drei sich im Auto befindenden Söhne gemeint habe, der sich "respektlos gegenüber den Beamten" gezeigt haben soll.

Einer jener Söhne, Vorzeigesohn Yassin (studiert Bauingenieurswesen), begleitete Remmo mit ans Gericht. Für die Staatsanwaltschaft war das Urteil ein Rückschlag: Sie hatte 50 Tagessätze zu je 100 Euro beantragt, weil es ihrer Ansicht nach zwar ein Bagatelldelikt ist, der Clan-Chef aber massiv vorbestraft sei und Auskünfte über sein Einkommen verweigert habe. Remmos Verteidiger pochte hingegen auf Freispruch: Der Beweis, dass er "Halt die Fresse, halts Maul" tatsächlich in Richtung des Polizeibeamten und nicht zu Sohnemann Mussa gesagt habe, sei nicht erbracht worden.

"Zwölf Kinder zu erziehen ist nicht einfach"

Remmo gab in der Verhandlung an, über kein festes Einkommen zu verfügen und kein Geld vom Jobcenter zu beziehen. Auf vielfache Nachfragen erklärte er schließlich, bis zu zwanzig Stunden für eine Firma zu arbeiten, "die mit Autos zu tun hat". Er lebe in einem Haus, das einem seiner Söhne gehöre.

Vor Gericht gab sich der Familienvater betont bürgerlich und respektvoll: Der Clan-Chef betonte, der Polizei niemals drohen zu wollen. Der Beamte hätte bei der Kontrolle mit einer Waffe auf den Kopf von Remmo gezielt. Weil sich sein Sohn Mussa daraufhin respektlos verhalten habe, hätte er ihn ausbremsen wollen. Das Familienoberhaupt bat die Richterin um Verständnis: "Mussa ist ein Dickerchen. Zwölf Kinder zu erziehen ist nicht einfach." Aber: "Ich bin ein guter Vater."

Remmo fühlt sich falsch verstanden

Doch bei der Kontrolle soll es nicht nur zu handfesten Beleidigungen, sondern auch zu anderen folgereichen Aussagen gekommen sein: "Du legst dich mit dem Teufel an", soll Remmo gesagt haben. Jetzt gab er vor Gericht an, "Sie haben den Teufel in der Hand" gesagt zu haben, weil er die auf ihn gerichtete Waffe für den Teufel hielt. Im Libanon habe er selbst eine getragen, in Deutschland nicht.

Bei einem ersten Prozess war der Angeklagte nicht erschieen, woraufhin gegen den gelernten Automechaniker ein Strafbefehl von 50 Tagessätzen zu je 15 Euro erlassen worden war. Dagegen hatte Remmo Einspruch eingelegt, es kam zum Prozess. Der 53-Jährige begründete seine Abwesenheit beim ersten Termin damit, dass so viel Presse auf ihn gewartet habe.