Achtung, Fettnäpfchen-Alarm!

Internationale Körpersprache-Unterschiede: Andere Länder, andere Gesten!

12. April 2019 - 9:37 Uhr

Interkulturelle Missverständnisse vermeiden

Menschen senden in einer Kommunikationssituation nur sieben Prozent der Informationen über die Sprache, dafür 38 Prozent über Stimme und Tonfall und sogar 55 Prozent über die Körpersprache. Gefährlich: Was uns Europäern als ganz normal erscheint, kann in anderen Kulturkreisen etwas völlig anderes bedeuten. Wir erklären, welche Gesten Sie auf Reisen in andere Länder besser nicht im Gepäck haben sollten.

Im Video: Diese kulturellen Unterschiede in der Körpersprache sollten Sie kennen

In den USA tippt man sich an die Stirn, wenn man sich wirklich clever fühlt. In Deutschland hingegen bedeutet diese Geste, dass man denkt, sein Gegenüber "ticke wohl nicht richtig" – also zeigt man ihm den "Vogel".

Amerikanische Männer sitzen gerne sehr lässig da, indem sie den Knöchel eines Beines quer über das Knie des anderen Beines legen. Dies sieht für uns fast schon arrogant und tendenziell machomäßig aus. Die Amerikaner finden dagegen die übereinandergeschlagenen Beine europäischer Männer mit geschlossenen Oberschenkeln sehr "unmännlich".

Körpersprache international: Südamerika, Asien und Co.

Körpersprache international: Interkulturelle Missverständnisse vermeiden
Körpersprache international: Interkulturelle Missverständnisse vermeiden

In Südamerika gelten andere Regeln als in Europa, was den körperlichen Abstand zwischen zwei Menschen betrifft. So musste in einem brasilianischen Reitclub das Geländer der Veranda erhöht werden. Der Grund: Beim Gespräch wichen die europäischen Besucher vor ihren nahe heranrückenden südamerikanischen Gastgebern immer weiter nach hinten zurück, sodass viele rückwärts über das niedrige Geländer stürzten!

Im vorderen Orient wird ein Kopfnicken nach unten als Zustimmung gedeutet, während das Nicken nach oben als Ablehnung verstanden wird. In Asien wackelt man mit dem Kopf nach rechts und links für eine Zustimmung. In Tibet streckt man sich zur Begrüßung die Zunge raus und auf den Philippinen bedeutet das Hochziehen der Augenbraue "Hallo".

Eine geballte Faust mit einem ausgestreckten Daumen nach oben bedeutet bei uns so etwas wie "Super". In Australien und dem Iran sollten Sie diese Geste besser nicht nutzen, denn sie gilt das als Beleidigung. In China und in Indonesien steht der Daumen nach oben für eine Zahl.

Wenn etwas "Okay" ist, bilden wir mit dem Daumen und dem Zeigefinger ein O, welches das O für Okay repräsentiert. In Nordamerika können Sie diese Geste getrost nutzen. In Frankreich werden Sie damit signalisieren, dass etwas wertlos ist. Als unangebrachte Geste mit eindeutig sexuellem Bezug versteht man dieses Zeichen in Lateinamerika, Russland und Osteuropa.

Verständigungsprobleme dürften auch zwischen kühlen Briten und Puerto-Ricanern herrschen: Diese berühren ihren Gesprächspartner innerhalb einer Stunde laut Beobachtungen bis zu 180 mal. Für die zurückhaltenden Briten ist das viel zu oft: Sie würden den Puerto-Ricanern bei soviel Körperkontakt homosexuelle Absichten unterstellen!

Mimik in anderen Kulturen

Mimik in anderen Kulturen richtig einsetzen.
Mimik in anderen Kulturen richtig einsetzen.
© Scott Griessel - Fotolia, Scott Griessel

Forscher sind sich einig, dass es eine Reihe von Gesichtsausdrücken gibt, die die sechs grundlegendsten Emotionen ausdrücken und weltweit unabhängig des eigenen kulturellen Hintergrundes verstanden werden. Dazu zählen Wut, Trauer, Freude, Überraschung, Ekel und Angst. Schwierigkeiten in der interkulturellen Kommunikation können dennoch entstehen.

Asiaten beispielsweise achten sehr auf die Augenpartie, um das Gefühl und den Ausdruck des Gegenübers zu lesen. Das erkennt man sehr gut an Mangas und Anime-Filmen: Der Fokus liegt dort immer auf den großen Augen der Comicfiguren. Westeuropäer hingegen achten mehr auf den Mund.

In manchen Kulturkreisen, wie in Japan oder Finnland, wird ständiger Blickkontakt als unangenehm wahrgenommen. In karibischen Gemeinschaften werden Kinder und Jugendliche dazu erzogen, den Erwachsenen nicht in die Augen zu schauen, wenn sie zurechtgewiesen werden.

In der westlichen Kultur wird Blickkontakt im Gespräch mit jemandem hingegen als positiver Aspekt der Körpersprache gewertet. Intensiver Blickkontakt ist in Spanien und dem arabischen Kulturkreis (zwischen Leuten des gleichen Geschlechts zumindest) verbreitet. Den Blickkontakt nicht zu erwidern, gilt als unhöflich und zeugt von einer gewissen Unsicherheit, von Desinteresse oder lässt auf Enttäuschung schließen.