Influencer senden Werbung aus dem Kinderzimmer: Kinderschützer warnen vor Kinderarbeit

30. September 2018 - 15:32 Uhr

Experten warnen vor dem Einfluss der jungen Werbebotschafter

Das Kinderhilfswerk blickt mit wachsender Sorge auf eine Entwicklung im Netz: Immer mehr Kinder und Jugendliche betätigen sich als "Influencer". Mit scheinbar harmlosen Schminktipps und dem Zurschaustellen von Markenklamotten werden sie - bewusst oder unbewusst - zu begehrten Werbebotschaftern. So auch die 15-jährige Aylin Meyer, die in der Schule ein ganz normales Mädchen und im Internet bereits ein Star ist.

30.000 Influencer in Deutschland

Jeder dritte Teenie bezeichnet inzwischen einen Youtuber als sein Vorbild. Es ist eine immer stärker wachsende Gruppe aus Selbstdarstellern, die teilweise sogar von ihren Videos leben können. Geschätzt gibt es 30.000 Influencer in Deutschland, die mit ihren Fotos und Videos zusammengerechnet mehr als eine halbe Milliarde Euro eingenommen haben. Das erklärt Thomas Krüger, der Präsident des Kinderhilfwerks, im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Und die Social-Media-Stars werden immer jünger. Einer von ihnen ist Deutschlands jüngste Modebloggerin Odesa.

Minderjährige als Marketing-Instrumente

Doch wenn selbst beim Kindergeburtstag, auf dem Campingplatz oder beim Kuchenbacken die Handykameras immer mit dabei sind und Eltern ganz unverblümt zeigen, wie ihre Kinder aufwachsen, dann schrillen beim Kinderhilfswerk die Alarmglocken. "Da geht es um Persönlichkeitsrechte, Privatsphäre und die Instrumentalisierung von Kindern", sagt Luise Meergans, Bereichsleiterin für Kinderrechte und Bildung.

Sie wünscht sich mehr Kontrollinstanzen - und mehr Verantwortung bei Eltern. Denn immer öfter werden Plattformen wie YouTube und Instagram zu den reinsten Vertriebskanälen. Auf Mama- und Papa-Blogs werden private Momente für Werbung und Product-Placement gegen Geld eingetauscht. Doch wenn Eltern ihre kleinen Kinder Bauklötze oder Knetgummi in die Kamera halten und für die Marken schwärmen lassen, wird Luise Meergans hellhörig.

Schutzgedanke der Kinder könnte auf der Strecke bleiben

"Viele Eltern meinen das schon gut", sagt Meergans. "Oder sie denken, ihr Kind wird berühmt. Und das wünscht sich eine Achtjährige ja vielleicht auch." Dennoch könne der Schutzgedanke manchmal auf der Strecke bleiben. Da gehe es nicht allein um Filmaufnahmen im Badeanzug oder beim Aufwachen. "Die Länge und Häufigkeit mancher Auftritte ist schon eine Form von Kinderarbeit", urteilt sie. Nur, dass für Kinderschauspieler bei Filmen sehr genaue Regeln gelten - bis hin zur Zustimmung des Jugendamts.

Bei Mutter und Vater hinter der Kamera gebe es dagegen keine Auflagen. Ein Zustand, der sich ändern sollte, wie Meergans findet. Denn sie vermutet, dass Kinder in den meisten Fällen gar nicht danach gefragt werden, ob ein Film mit ihnen im Netz landen soll oder nicht. "Ich habe als Kind aber einen Anspruch darauf, dass meine Eltern mich fragen, ob ich das überhaupt will", betont Meergans.