15. Mai 2019 - 17:26 Uhr

Brauchen wir das Festnetz noch?

Unsere Kommunikation läuft heute über zahlreiche Kanäle ab. Es wird gechattet, gesnapped, geskyped, whatsapped - und natürlich auch telefoniert. Beim klassischen Telefongespräch wurde in Deutschland erstmals mehr vom Handy als vom Festnetztelefon angerufen. Brauchen wir das Festnetz noch?

Telefonate über das Festnetz nehmen ab

Rund 119 Milliarden abgehende Gesprächsminuten zählte die Bundesnetzagentur für 2018 im Mobilfunk. Im Festnetz gab es nur noch 107 Milliarden Gesprächsminuten. Zum Vergleich: Vier Jahre zuvor hatten die Menschen in Deutschland noch mehr als 150 Milliarden Minuten von festen Anschlüssen telefoniert.

Aber ist ein Festnetzanschluss überhaupt noch zeitgemäß? Laut Statista gab es 2017 noch 38,5 Millionen Festnetzanschlüsse, im Jahr 2000 39,7 Millionen. Die Entwicklung ist leicht rückläufig. Die meisten Kunden halten an ihrem Festnetzanschluss fest, weil sie nur über ihn schnelles und stabiles Internet bekommen. Außerdem ist eine DSL-Flat viel günstiger als eine LTE-Flat. Da die reinen DSL-Anschlüsse ohne Telefon kaum günstiger sind als ein Komplettpaket, greifen die meisten Kunden zum Festnetzanschluss. Telefoniert wird aber inzwischen mehr über das Smartphone.

Trotz SMS-Flat: Es werden kaum noch Kurznachrichten versendet

Auch Nachrichten per SMS werden in Zeiten von WhatsApp und anderen Messengerdiensten deutlich weniger verschickt. Im Durchschnitt sind es pro SIM-Karte nur noch fünf Kurzmitteilungen im Monat. Insgesamt tippten die Handybesitzer im vergangenen Jahr 8,9 Milliarden Mitteilungen, fast 14 Prozent weniger als 2017. Auf dem Höhepunkt der SMS-Ära im Jahr 2012 waren es noch fast 60 Milliarden.

Weiter zugenommen hat der Bestand an SIM-Karten, über die ein Mobiltelefon ins Netz kommt. Ende 2018 gab es in Deutschland 137 Millionen dieser Chipkarten, zwei Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Statistisch entfallen damit auf jeden Einwohner 1,7 Karten. Viele dieser Karten werden allerdings nicht regelmäßig genutzt, sondern stecken in Zweit- oder Drittgeräten.

Die Zahlen der Netzagentur zeigen auch, dass in Fabriken und Werkstätten das Internet immer wichtiger wird. Ende 2018 wurden demnach 23,1 Millionen SIM-Karten für die Datenkommunikation zwischen Maschinen eingesetzt. Das waren 5,5 Millionen Karten mehr als ein Jahr zuvor.

Quelle: DPA/RTL.de