IKEA-Lampe hat Kurzschluss: 2-Jährige mit Verbrennungen auf Intensivstation

29. November 2016 - 13:47 Uhr

Vom Anfassen fast gestorben

"Wir haben es durch die ganze Wohnung knallen hören! Mein Mann und ich sind dann ins Kinderzimmer gerannt und haben Maya-Sophie verkrampft vor ihrem Bett stehen sehen. Sie hat ganz doll geweint" - so beschreibt Serena Hildebrand einen der schlimmsten Momente ihres Lebens. Ihre zweijährige Tochter hatte kurz zuvor ihre rosa Blumen-Lampe berührt. Danach stand ihr Körper unter Strom! Bei der Lampe handelt es sich um die Wandleuchte 'Smila Blomma' aus dem Ikea-Sortiment. Diese ist sogar vom TÜV geprüft und hängt in vielen deutschen Kinderzimmern.

Kind unter Strom-Schock

Nach dem Vorfall fuhren Serena Hildebrand und ihr Mann sofort mit Maja-Sophie ins Krankenhaus. Dort kam das Mädchen auf die Intensivstation und über 24 Stunden an ein Langzeit-EKG.

An ihrem Daumen waren die Spuren des Stromschlags noch sichtbar: Sie hatte Wunden vom Ein- und Austritt des Stroms, ihr Finger war dunkel angelaufen. Ihre Mutter erinnert sich: "Die Ärzte haben zu uns gesagt, wir haben wahnsinniges Glück gehabt, weil der Stromschlag nur oberhalb durch den Körper gegangen ist. Und außerdem hatte Maja-Sophie eine Silberkette an. Das hätte nochmal zu erheblichen Verbrennungen führen können."

Mittlerweile geht es dem Kind wieder besser. Aber sie leidet immer noch an starken Angstzuständen, traut sich nicht mehr in die Nähe von Lichtquellen.

Streiterei statt Schlichtung - dabei ist Maja-Sophie kein Einzelfall

Der Vorfall ereignete sich bereits am 16. Juni. In der Zwischenzeit haben Maja-Sophies Eltern Ikea kontaktiert. Auf Bitte des Konzerns schickten die verärgerten Eltern die Lampe ein, mit wenig Erfolg. Maja-Sophies Vater ärgert sich heute noch: "Wir haben bislang nicht mal die rund 10 Euro Versandkosten erstattet bekommen."

Alles, was Ikea der jungen Familie nach zahlreichen Emails zukommen lässt, ist ein Plüsch-Panda. Am 5. Oktober erhalten die Hildebrands zudem den aktuellen Kaufpreis der Lampe in Höhe von 7,99 Euro. Vater Hildebrand ist empört: "Wir haben auch nichts mehr gehört, was nun mit der Lampe war und warum unsere Tochter in Lebensgefahr kommen konnte. Das ist doch kein Umgang mit so einem ernsten Thema."

Die Hildebrands sind so sauer, dass sie sogar eine Anwaltskanzlei eingeschaltet haben. Ihr Rechtsanwalt Burkhard Benecken zu dem Fall: "Ich denke, dass hier gerade ein Weltkonzern wie Ikea mal ganz deutlich sagen sollte, das hier ein Fehler gemacht wurde bei der Herstellung des Produktes. Das Produkt war nicht sicher. Und deshalb muss die kleine Maja-Sophie Schmerzensgeld bekommen. Und bei einem solchen Konzern, wird das auch ein deutlicher Betrag sein!". Der Jurist zieht sogar eine Anklage in den USA in Erwägung, da dort das Schmerzensgeld noch höher ausfallen könnte. Da die Hildebrands Maja-Sophies Blumen-Lampe in einem niederländischen Ikea-Haus gekauft haben, könnte das die Rechtslage für ihren Fall zusätzlich verändern.

Ein deutschter Ikea-Sprecher äußerte sich gegenüber der Bild-Zeitung: "Der konkrete Vorgang ist mir nicht bekannt. Das muss geprüft werden. Bei der beschriebenen Lampe gab es allerdings bereits eine Rückrufaktion." Die erfolgte bereits 2013. Der Grund: Schon damals haben sich Kinder an der Smila-Lampe verletzt. In den USA hat sich ein 16-Monate altes Kind im Kabel der Leuchte verheddert und stranguliert. Ein etwa gleichaltriges Kind hat sich ebenfalls verfangen, konnte aber rechtzeitig befreit werden.

Warnsignale ernst nehmen!

​Auch Maja-Sophies Stromschlag ist zum Glück nochmal gut ausgegangen. Doch statt den Vorfall als Warnung anzusehen und die gefährliche Lampe aus dem Sortiment zu nehmen, ist sie auf der deutschen Ikea-Homepage im Moment sogar im Sonderangebot.

Ikea hat RTL mitgeteilt, dass es eigentlich bereits eine Einigung mit Familie Hildebrand gegeben habe. Desweiteren gehe man davon aus, dass die Lampe falsch montiert wurde und es nur deshalb zu dem Unfall habe kommen können.