Foto von Zweijährigem ging um die Welt

Wegen Hexerei in Nigeria verstoßen und vor dem Tod gerettet: So geht es Hope heute

Anja Ringgren Lovén fand Hope auf den Straßen Nigerias
Anja Ringgren Lovén fand Hope auf den Straßen Nigerias

21. Dezember 2020 - 9:11 Uhr

Es war ungewiss, ob Hope überleben würde

Er irrte völlig abgemagert und verwahrlost durch die Straßen eines Dorfes in Nigeria. Hope war gerade einmal zwei Jahre alt, als die dänische Entwicklungshelferin Anja Ringgren Lovén ihn fand. Das Foto des nackten Jungen, dem Lovén eine Flasche Wasser reicht, ging um die Welt. Seine Eltern glaubten, er wäre ein sogenanntes Hexenkind, von Dämonen besessen. Sie warfen ihn weg wie Müll. Lovén brachte ihn in ein Krankenhaus und taufte ihn Hope. Ob er überleben würde, war ungewiss. Doch Hope schaffte es – und ist heute nicht mehr wiederzuerkennen.

"Ein Kind hatte eine Axt im Schädel"

Hope liebt es, kreativ zu sein.
Heute ist Hope nicht mehr wiederzuerkennen.
© Jam Press

Acht Monate musste Hope Schätzungen zufolge völlig auf sich allein gestellt auf den Straßen seines Dorfes leben. Als Lovén ihn fand, konnte er kaum noch wanken. Hope war in einem furchtbaren Zustand – er war extrem unterernährt, hatte Krankheiten. Im Krankenhaus bekam er Medikamente gegen Würmer und täglich eine Bluttransfusion. Doch dank der engagierten Dänin kämpfte sich der Junge mit kleinen Schritten zurück ins Leben. Heute lebt er gesund und fröhlich in einem Waisenheim für misshandelte Kinder, das Anja Ringgren Lovén mit ihrer Organisation "DINNødhjælp" vor drei Jahren eröffnete. Seine Leidenschaft ist das Malen. "Hope ist gesund und liebt es, zur Schule zu gehen. Er ist sehr intelligent und seine Leidenschaften sind Kunst und kreativ sein", so die Dänin. "Er ist sehr talentiert und viele seiner Bilder sind schon verkauft worden. Wir nennen ihn unseren kleinen Picasso."

Neben Hope leben 35 ehemalige Hexenkinder in dem Heim. Und das ist erst der Anfang. "Wir möchten ein Schulzentrum bauen, denn Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg. Bildung ist unsere stärkste Waffe gegen diesen Aberglauben", so Lovén im RTL-Interview. "Wir haben ein Kind gerettet, das hatte eine Axt im Schädel. Andere waren aufgeknüpft und hingen im Bäumen. Manche Kinder waren gefesselt und saßen so tagelang ohne Essen und Trinken da." Wer versucht, den Kindern zu helfen, werde angegriffen. Deshalb fährt Lovén auch nur mit Polizeischutz dorthin.

Das traurige Schicksal der Hexenkinder in Nigeria

Anja Ringgren Lovén mit Hope (links neben ihr) und anderen geretteten Hexenkindern.
Anja Ringgren Lovén mit Hope (im Bild links neben ihr) und anderen geretteten Hexenkindern.
© Jam Press

In Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas (177 Millionen Einwohner), kümmert sich Anja Ringgren Lovén in der Region Akwa Ibom seit Beginn um die sogenannten Hexenkinder: in vielen Gemeinden Nigerias werden ausgewählte Kinder stigmatisiert und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, misshandelt oder sogar getötet. Als Art des Exorzismus werden einige Kinder mit kochendem Wasser übergossen. Wenn sie dabei nicht sterben und die Gemeinden immer noch der Meinung sind, das Ritual habe nicht geholfen, werden sie weiter gequält.

Laut der letzten UNICEF-Schätzungen wurden in afrikanischen Staaten wie Nigeria oder Gambia innerhalb von einem Jahrzehnt zehntausende Kinder als Hexen verstoßen. Die zweifache Mutter Anja Ringgren Lovén gründete vor drei Jahren ein Waisenheim in Uyo und betreut dort misshandelte Kinder liebevoll. Dort werden nicht nur die körperlichen Blessuren der Kinder medizinisch behandelt, es wird auch großer Wert auf eine fundierte Schul- und Ausbildung gelegt. Mit Spenden soll ein Zentrum gebaut werden, in dem die Kinder musisch und kreativ geschult werden und auch auf den Einstig in das Berufsleben vorbereitet werden. Auch die Stiftung "RTL Wir helfen Kindern" konnte mit den Spenden der Zuschauer helfen – 2017 wurde ein Bildungszentrum in Lovéns Waisenhaus finanziert.