Endlich in Freiheit

Helena Fürst: So wirkte die „Anwältin der Armen“ bei ihrer Psychiatrie-Entlassung

14. Juli 2021 - 12:23 Uhr

von Bella Christophel

Als wir Helena Fürst am Morgen vor der Psychiatrie in Frankfurt treffen, schwappt zunächst ihre Freude über. Sie ist sichtlich erleichtert, meinen Kameramann und mich auf dem Parkplatz zu sehen. "Endlich frei" singt sie und tanzt vor der Linse. Ihre erste Amtshandlung in Freiheit: Erst einmal 'ne Kippe anzünden! Doch sie wirkt auch erschöpft und vor allem wütend. Denn nach der Freude erzählt sie mir sofort von vermeintlich schlimmen Vorfällen, die sie nach eigener Aussage in der Klinik erlebt habe. Ich merke, wie sehr Helena Fürst das aufwühlt. Ihre Stimme zittert immer wieder, während sie von "Entführung", "Körperverletzung" ja sogar "versuchtem Totschlag" spricht. Dann wird sie sauer.

Überraschend fokussiert

Die "Anwältin der Armen" ist am Morgen in einer besseren Verfassung, als erwartet. Schließlich hat sie seit ihrer Zwangseinweisung zwei Wochen in der geschlossenen Psychiatrie in den Knochen. Dafür wirkt sie zunächst sehr aufgeräumt und fokussiert; schildert mir sehr genau, was sich hinter den Türen der Psychiatrie angeblich abgespielt haben soll. Es klingt wie im Film, doch sie schildert mit Nachdruck: Fäkalien in den Zimmern, eine Zwangsfixierung, Medikamente, durch die sie ruhig gestellt werden sollte, kein Weg raus. Wenige Minuten nach ihrer Entlassung – noch vor der Klinik – wirkt sie immer aufgelöster.

Nach unserem Interview will sie das Grundstück nur noch verlassen, so weit weg wie möglich. Zu groß die Angst, so sagt sie, sie müsse noch einmal einen Fuß dort reinsetzen. Im Gepäck hat sie lediglich ihre kleine Tasche mit Kleidung und eine Mappe mit Akten, die sie mir zeigen will.

„Oh mein Gott, stell dir vor - ich hätte tot sein können!“

An ihrer Wohnung, wo alles angefangen hat, angekommen, packt Helena die Wut. Sie schreit zu ihren Nachbarn hoch und ist richtig sauer. Wegen ihnen sei sie schließlich in die Klinik gekommen, und an all den Anschuldigungen gegen sie sei nichts, absolut nichts, dran.

Als wir Helenas Wohnung betreten, schließt sie hinter uns die Tür ab. "Nur damit niemand reinkommt", erklärt sie. Ihre Tochter und ihre Mutter hat sie zuvor ohne uns und die Kamera begrüßt, beide will sie aus unserem Dreh heraushalten. In ihrem Wohnzimmer gehen wir gemeinsam die Akten durch. Als Helena noch einmal genau überprüft, welche Medikamente sie bekommen hat, ist sie schockiert und reißt die Augen auf: Diazepam und Benperidol. "Oh mein Gott, stell dir vor, ich hätte tot sein können!" sind ihre nächsten Worte.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Von der Angst in den Angriffsmodus

Doch ihre Stimme ist in der Wohnung nicht mehr zittrig, sie wird lauter und fest entschlossen. Von Entspannung oder Durchatmen keine Spur. Die "Anwältin der Armen" ist sicher, dass sie nicht die Einzige sei, die angeblich so behandelt wurde. Helenas Plan: Heute noch will sie Frankfurt verlassen. Und dann? Für sich und die anderen kämpfen, beziehungsweise "Fuck the System", wie sie es nennt. Ob an den Vorwürfen, die Helena äußert, etwas dran ist, wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Doch sie ist jedenfalls fest davon überzeugt, dass in der geschlossenen Abteilung etwas nicht stimme – und das wolle sie aufklären.