Heiko Waßer feiert Dienstjubiläum

Heiko Waßer//
Heiko Waßer feiert in Barcelona sein 20-jähriges Dienstjubiläum

Spätestens wenn die Startampeln ausgehen und die Motoren aufheulen, hat er für die nächsten gut 90 Minuten die ungeteilte Aufmerksamkeit von Millionen von TV-Zuschauern.

Bis zum Schwenken der schwarz-weißen Zielflagge hängen sie ihm an den Lippen, während er das Geschehen auf dem Bildschirm einordnet, Hintergrundinfos liefert und gemeinsam mit seinem Co. Christian Danner Rennstrategien, Überholmanöver und Boxenstopps analysiert. Heiko Waßer ist als RTL-Kommentator die Stimme der Formel 1 – und das seit mittlerweile genau 20 Jahren. Am 9. Mai 1993 hatte der damals 35-Jährige in Barcelona seine Premiere in der Kommentatorenkabine. 20 Jahre später feiert der gebürtige Gladbecker am 12. Mai an gleicher Stätte am Wochenende sein Dienstjubiläum.

Können Sie sich noch an Ihr erstes Rennen erinnern?

Waßer: "Ja, da kam am Montagabend ein Anruf vom damaligen RTL-Sportchef Burkhard Weber, dass ich am nächsten Sonntag mit kommentieren sollte. Viel mehr Zeit, mit mir zu reden, hatte er nicht, somit hat er mich mit diesem Anruf erst einmal alleine gelassen. Da war ich natürlich aufgeregt und habe mich dementsprechend akribisch vorbereitet, habe versucht, tausend Sachen zu lesen. Ich habe mir damals auch die ersten zwei, drei Sätze zurechtgelegt, weil ich mich nicht sofort am Anfang verheddern wollte."

Wissen Sie noch, wer damals gewonnen hat?

Waßer: "Ja, Alain Prost vor Ayrton Senna. Michael Schumacher wurde Dritter.“

Zu wem haben Sie über all die Jahre ein besonderes Verhältnis entwickelt?

Waßer: "Ich habe Michael Schuhmacher fast von Anfang an begleiten dürfen: Er hat 1991 angefangen und ich kam 1992 dazu, und als ich dann ab 1993 kommentiert habe, habe ich alle seine Weltmeisterschaften miterleben dürften. Klar hatten wir einen engen Draht. Wir waren durch die Einladungen bei Ferrari jahrelang – bestimmt zehn, zwölf Mal – immer zusammen in Italien zum Skilaufen, wir haben zusammen Charity-Fußballspiele bestritten, die ich ja auch für ihn organisiert habe, wir haben zusammen gefeiert, einmal hat er mich auch zur Saisoneröffnung im Hotel mit einem Schubs in den Pool begrüßt."

Wie gut verstehen Sie sich außerhalb der Kommentatorenkabine mit Christian Danner?

Waßer: "Ich bezeichne Christian oft als meine 'bessere Hälfte', weil ich mit ihm extrem viel Zeit verbringe, weil wir in der Kabine nebeneinander sitzen und uns auch jobtechnisch sehr gut ergänzen. Witzigerweise verstehen wir uns auch hervorragend, obwohl wir komplett unterschiedlich sind: Er hasst Klimaanlagen, will immer nur draußen sitzen, er ist Vegetarier, er geht ins Bett, sobald es dunkel wird. Ich bin sicherlich kein Partylöwe vor dem Herrn, aber ich bin schon jemand, der abends gerne noch mal weggeht; ich habe absolut nichts gegen Klimaanlagen, weil ich ungerne verschwitzt durch die Welt renne und ich esse auch gerne mal ein Stück Fleisch – soll heißen: Christian und ich sind eigentlich völlig konträre Typen, verstehen uns aber trotzdem sehr gut."

Wie sehr hat sich in den letzten 20 Jahren die Formel 1 verändert?

Waßer: "Der Sport und damit auch das Kommentieren sind viel komplizierter geworden, allein schon durch die immer neuen Regeln und Reifenmischungen. Und auch die Ansprüche der Zuschauer sind sehr gestiegen. Als wir angefangen haben, war Formel 1 ja noch nicht diese unglaublich beliebte Sportart. Mittlerweile sind wir bei einem Status angekommen wie beim Fußball, wo auch jeder Deutsche meint, er ist der Bundestrainer und weiß besser Bescheid als wir Kommentatoren und es wahrscheinlich auch besser sieht, weil er einen größeren Fernseher zu Hause hat. Außerdem sind es mittlerweile viel mehr Rennen und viel weitere Flüge."

Auf wie viele Flugmeilen kommen Sie denn so insgesamt?

Waßer: "Ich habe noch nie nachgerechnet. Ich weiß noch nicht einmal die genaue Zahl der Rennen, die ich mittlerweile kommentiert habe. Ich schätze, so etwa 330 bis 340. Die eine oder andere Erdumrundung wird bestimmt schon dabei gewesen sein. Wenn ich die Zeit zusammenrechne, die ich in Lounges und in Flugzeugen verbracht habe, sind das um die zwei Jahre."

Macht einen das nicht auch ein bisschen müde? Oder sind Sie auch nach 20 Jahren noch mit der gleichen Begeisterung dabei?

Waßer: "Man muss sich schon manchmal zwingen, das noch gut zu finden. Beim ersten Rennen in dieser Saison hat es mich gleich richtig erwischt: Schneechaos in Frankfurt, stundenlanges Warten, dadurch Verpassen der Anschlussmaschine in Singapur und am Ende war ich 42 Stunden unterwegs von meinem Haus bis zum Hotel in Melbourne. Das ist nicht unbedingt eine Traumreise, aber wenn man dann zum ersten Mal wieder ins Fahrerlager kommt und die Autos sieht, dann freut man sich eben doch. Und wenn man sich mal aufregt über schlechte Verbindungen oder schlechte Hotels, ist das natürlich Klagen auf hohem Niveau. Alles in allem ist das mein absoluter Traumjob."

Haben Sie schon einmal ein Rennen verpasst?

Waßer: "Eines, weil ich krank war. Da musste ich kurzfristig ins Krankenhaus und wurde operiert. Deshalb habe ich die Weltmeisterschaft von Mika Häkkinen in Japan Anfang der 90er verpasst."

Wo sehen Sie sich in zwanzig Jahren?

Waßer: "Hoffentlich noch gesund und munter und hoffentlich mit dem Gewicht, das ich mir in den letzten Jahren mit viel Sport erkämpft habe – zwischendurch hatte die Formel 1 mir 20 Kilo draufgepackt – aber ob ich in 20 Jahren noch bei der Formel 1 bin, weiß ich nicht. Als Kommentator kann man auf jeden Fall älter werden als als Boxenreporter. Ein Kollege in England hat’s vorgemacht: Der war mit über 80 noch in der Sprecherkabine. Allerdings weiß ich nicht, ob ich das will und vor allen Dingen weiß ich nicht, ob die Zuschauer das wollen."

Ihre größte Panne?

Waßer: "… war ein großes Missverständnis: Ich habe irgendwann in Barcelona, als wir aus der Werbung zurückkamen, gesagt: Wir kommen zurück, es ist kalt geworden in Barcelona – weil ich auf den Temperaturmonitor geschaut habe – und Christian Danner ist prustend neben mir zusammengebrochen, weil der Kameramann gerade ein Grid Girl sehr nah gefilmt hat und man an ihrer Oberweite deutlich sehen konnte, dass es kalt geworden war."

Das tragischste Ereignis?

Waßer: "Natürlich die tödlichen Unfälle in Imola: am Samstag Ratzenberger und am Sonntag Senna. Ich habe beides kommentiert und ich werde nie vergessen, wie wir in der Kabine gesessen haben und eigentlich gar nicht weiterkommentieren wollten und nur darauf gewartet haben, irgendetwas zu erfahren. Am liebsten wäre ich nach Hause gegangen."