Ab 2020 nur mit Abitur

Hebammen-Reform: Das soll besser werden

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8. Januar 2019 - 11:42 Uhr

Endlich bessere Arbeitsbedingungen für Hebammen?

Für Hebammen brennt es an allen Enden. Um zumindest Ansehen und Gehalt zu verbessern, sollen bis 2020 deutschlandweit genügend Studiengänge für alle Anwärter entstehen - das verlangt eine EU-Richtlinie. Längst überfällig sagen die einen – Angst vor ungleicher Behandlung haben die anderen. Schafft das Studium endlich bessere Bedingungen für Hebammen?

Von Lauren Ramoser

"Das ist eine Verschwendung von klugen Frauen!"

Ab 2020 brauchen Hebammen ein Voll-oder Fachabitur für die Ausbildung. "Das ist einer der Beschleuniger für die ganze Akademisierung", sagt Professor Dr. Annette Bernloehr von der Hochschule für Gesundheit in Bochum. "Denn die EU-Vorschriften geben ab 2020 eine zwölfjährige Schulbildung für Hebammen vor."

Eine Einschränkung sei das nur für wenige Bewerber, denn schon jetzt haben über 80 Prozent der Hebammenschülerinnen Abitur. "Die meisten unserer Bewerberinnen sind schulisch hochqualifiziert und können bisher nicht studieren", sagt Prof. Bernloehr. "Dadurch haben sie kaum Karrieremöglichkeiten. Das ist eine Verschwendung von Ressourcen - und von klugen Frauen!"

Gesetze erschweren die neuen Studiengänge

Im Oktober ist an der Universität Tübingen der neue Studiengang Hebammenwissenschaften gestartet. Bisher gibt es wenige Hochschulen, die Hebammen und Entbindungspfleger ganz ohne begleitende Ausbildung unterrichten - und am Ende einen Bachelor-Abschluss vergeben.

"Das Interesse ist groß", sagt Studiengangs-Koordinator Joachim Graf. Daher gab es eine Zugangsvoraussetzung: Der Abiturschnitt musste 1,8 oder besser sein, um im ersten Anlauf einen der begehrten Plätze zu ergattern. Damit verschließen sich nicht nur Türen für Schüler ohne Abitur, sondern auch für Abiturienten mit einem zu schlechten Abschluss.

"Die Akademisierung wird behindert, weil der Gesetzgeber noch keine Änderung des Hebammengesetzes herbeigeführt hat", klagt Graf an. Noch immer sei das Gesetz auf eine klassische Hebammenausbildung ausgelegt – das erschwert es vielen Universitäten Studiengänge einzurichten, die den Anforderungen genügen.

Mehr Geld und Karrieremöglichkeiten in der Zukunft

Trotz Anlaufschwierigkeiten soll es Hebammen durch den Bachelor-Abschluss künfitg besser gehen. "Wir müssen den Beruf Hebamme weiter attraktiv machen. Bezahlung ist ein Aspekt, in der Akademisierung sehen wir auch eine große Möglichkeit", sagt die Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes Ulrike Geppert-Orthofer.

Deutschland ist im EU-Vergleich spät dran, daher ist der Zeitplan bis 2020 ehrgeizig. Das weiß auch Geppert-Orthofer vom Deutschen Hebammenverband: "Wir kämpfen für genügend Ausbildungsplätze an den Hochschulen. Aber das ist Sache der Länder, die Finanzierung zu klären. Und dann muss es Interesse an den Hochschulen geben, um Studiengänge einführen."

Für Hebammen, die schon im Beruf arbeiten, ändert sich zunächst nichts. Da Hebammen nach Tarif bezahlt werden, würden auch die von einem höheren Gehalt profitieren, die nicht studiert haben.