Unterstützung bei der täglichen Arbeit erhalten

Haushaltshilfe im Krankheitsfall: Was passiert, wenn Mama plötzlich ausfällt?

12. November 2019 - 16:23 Uhr

Wenn der Alltag zum unüberbrückbaren Hindernis wird

Stefanie* freute sich auf ihr zweites Kind, als plötzlich in der 20. Woche Komplikationen auftraten. Der Arzt verordnete zunächst ein Beschäftigungsverbot, und dann hieß es zwei Wochen später sogar: liegen, bis zum Ende der Schwangerschaft. Ein Schock! Neben der Sorge ums ungeborene Kind wurde der gut organisierte Alltag mit der 5-jährigen Tochter Jule* plötzlich ein riesiger unüberwindbarer Berg – Stefanie hatte die Kleine bisher immer zur Kita gebracht, sie abgeholt und neben ihrer 60-Prozent-Stelle einen großen Batzen der täglichen To-Dos erledigt. Wie sollte es nun weitergehen? Selbst die leichtesten Tätigkeiten – zum Beispiel Jule morgens für den Kindergarten fertig zu machen – hatte der Arzt verboten. Und Ehemann Thomas* muss wegen eines langen Pendelwegs zur Arbeit morgens bereits um 6 Uhr aus dem Haus – zu früh, um Jule in den Kindergarten bringen zu können.

*Namen von der Redaktion auf Wunsch geändert

Gesetzlich Versicherte haben einen Anspruch auf Pflege oder Haushaltshilfen im Krankheitsfall

Eine schwere Krankheit belastet die Familien, die Krankenkassen bieten Hilfen, damit der Alltag zuhause geregelt wird.
Eine schwere Krankheit belastet die Familien, die Krankenkassen bieten Hilfen, damit der Alltag zu Hause geregelt wird.

Eine Situation wie diese ist kein Einzelfall. Wenn plötzlich ein Elternteil ausfällt, stehen viele Familien vor unüberbrückbaren Hindernissen. Oft wohnen die Großeltern weit weg und Freunde oder andere Verwandte haben eben auch ihren Alltag mit Beruf und Familie und können nicht über eine längere Zeit  dauerhaft einspringen. Für diese Not-Situationen gibt es Hilfen. Seit dem 1. Januar 2016 haben gesetzlich Versicherte einen Anspruch auf pflegerische Grundversorgung und Hilfe im Haushalt, wenn der aktuelle Gesundheitszustand dies erfordert, so die Verbraucherzentrale.

Das heißt: Familien können über die Krankenversicherungen Haushaltshilfen beantragen. Diese kümmern sich dann um den täglichen Haushalt: Putzen, Bügeln, Einkaufen, Kochen, Bringedienste für die Kinder etc. Auch bei Stefanie und ihrer Familie genehmigte die Krankenkasse schnell und unbürokratisch eine Hilfe. "Ein wahrer Segen, mein Mann und ich sind ausgesprochen dankbar für die Hilfe, die wir hier erfahren dürfen", sagt die 37-Jährige. Und dennoch ist die Situation nicht immer leicht: "Obwohl unsere Tochter sehr kontaktfreudig ist – plötzlich kommt eine wildfremde Person ins Haus, zieht sie an, macht ihr Frühstück und fährt sie zur Kita. Keine leichte Situation für eine Fünfjährige."

Wer hat Anspruch auf eine Haushaltshilfe?

  • Gesetzlich Versicherte mit Kindern unter 12 Jahren, teilweise bieten Krankenkassen diese Hilfe auch bei älteren Kindern an
  • Privat Versicherte haben keinen Anspruch, können aber ggf. über eine Zusatzversicherung gegen Aufpreis eine Hilfe beantragen
  • Beamte können einen Teil der Kosten über die Beihilfe erstattet bekommen, wenn die Voraussetzungen erfüllt werden. Der Versicherte muss also in jedem Fall zuzahlen

Wann gibt es Haushaltshilfe von der Kasse?

  • Wenn ein Kind unter zwölf Jahren oder ein behindertes hilfs­bedürftiges Kind im Haushalt lebt und der Versicherte stationäre Behand­lung im Kranken­haus oder medizi­nische Vorsorgeleistung oder medizi­nische Rehabilitation oder Häusliche Kranken­pflege erhält.
  • Bei gesundheitlichen Beein­trächtigungen wegen schwerer Krankheit oder Verschlimmerung einer Krankheit − insbesondere nach stationärer oder ambulanter Kranken­hausbe­hand­lung oder ambulanter Operation. Der Versicherte darf nicht pflegebedürftig mit Grad 2 bis 5 sein.
  • Bei typischen Beschwerden in der Schwangerschaft oder nach der Geburt. Kommt eine Krankheit dazu, gibt es eventuell zusätzliche Haus­halts­hilfe.

Wie lange habe ich Anspruch auf eine Haushaltshilfe?

  • Die Hilfe wird maximal für 26 Wochen gewährt
  • Wenn ein Elternteil im Krankenhaus ist, kann die Hilfe auch darüber hinaus gewährt werden, wenn die Kinder nicht anderweitig versorgt werden können
  • Die Krankenkassen können auch über diesen Anspruch hinaus freiwillig mehr Leistung erbringen

Sollten häusliche Pflege und Haushaltshilfe nicht ausreichen, bezahlen die Krankenkassen auch für maximal vier Wochen auch die Unterbringung in der Kurzzeitpflege.

Was muss ich tun, um eine Haushaltshilfe zu erhalten?

  • Antrag bei der Krankenkasse stellen: Das Formular erhält man bei der Krankenkasse und füllt es gemeinsam mit dem Arzt aus. In dem Antrag muss der Arzt begründen, warum eine Unterstützung benötigt wird und wie viele Stunden am Tag der Patient die Hilfe braucht. Die vom Arzt unterschriebene Bescheinigung muss anschließend an die Kasse geschickt werden.
  • Krankenkasse übernommt die Organisation der Haushaltshilfe. Hat die Krankenkasse den Antrag genehmigt, übernimmt sie auch die Organisation der Haushaltshilfe. Sollen Verwandte bis zum zweiten Grad helfen, erstattet die Kasse Fahrtkosten und Verdienstausfall bis zu einer "angemessenen Höhe".
  • Abrechnung erfolgt direkt mit der Krankenkasse. Der Versicherte leistet nur die gesetzliche Zuzahlung in Höhe von 10 Prozent der Kosten pro Einsatz - mindestens aber 5 Euro und höchstens 10 Euro pro Tag. Der Eigenanteil muss direkt an die Kasse gezahlt werden.

(Quelle: Verbraucherzentrale/Finanztest)​

Eine Haushaltshilfe im Krankheitsfall ist aber nicht Mädchen für alles: Die Mitarbeiter sollen alle für den täglichen Bedarf wichtigen Aufgaben erledigen. Aufschiebbare Aufgaben wie zum Beispiel Fenster putzen oder Ähnliches gehören nicht dazu.

Wenn Sie in einer familiären Notlage sind:

  • Erkundigen Sie sich bei Ihrem Arzt, Ihrer Krankenkasse und auch ggf. beim Jugendamt Ihrer Stadt nach Hilfen.
  • Scheuen Sie sich auch nicht und fragen Sie zusätzlich im Umfeld bei Freunden, Nachbarn, im Kindergarten oder der Schule, ob es Möglichkeiten der Unterstützung gibt. Viele möchten gerne helfen, wissen aber oft nicht, was gerade gebraucht wird.

Diese Erfahrung haben auch Stefanie, Thomas und Jule gemacht:  "Auch über die Haushaltshilfe hinaus sind wir auf Unterstützung angewiesen: Familie, Freunde, Nachbarn unterstützen tatkräftig und mit viel Herz. Auch sie betreuen gelegentlich unsere Tochter, kochen für uns mit, helfen beim Einrichten des Kinderzimmers usw. Die professionelle Unterstützung der Haushaltshilfe sowie die privaten Helfer mussten ineinandergreifen, um ein stabiles, funktionierendes System aufzubauen." 

Und trotzdem gerät das System manchmal ins Wanken, nämlich wenn dann auch noch das Kind krank wird. "Wir werden seit inzwischen 11 Wochen professionell unterstützt, und unsere Tochter hatte sieben Infekte in dieser Zeit", berichtet Stefanie.