Geht das so einfach?

Hater melden lesbisches Pärchen als selbstmordgefährdet – Instagram-Account plötzlich gelöscht

Der Instagram-Account eines lesbischen Paares war plötzlich deaktiviert.
© AP, Jenny Kane

22. Februar 2021 - 19:18 Uhr

Account von Chloé und Lea aus Bern war plötzlich gesperrt

Chloé (30) und Lea (30) waren völlig überrascht, als ihr Pärchen-Account bei Instagram plötzlich deaktiviert wurde. Unbekannte hatten das lesbische Paar aus Bern offenbar bei dem sozialen Netzwerk gemeldet und behauptet, die beiden seien suizidgefährdet. Über Nacht war ihr Instagram Profil offline, obwohl die beiden dort nur völlig harmlose und alltägliche Paarfotos posten, erzählen sie dem Schweizer Nachrichtenportal "20min.ch". Sie vermuten, dass gezieltes Mobbing homophober Accounts dahinterstecken könnte, denn offenbar sind die beiden nicht die einzigen Betroffenen. Wie leicht ist es für Hater, bei Instagram fremde Konten ohne wirklichen Grund löschen zu lassen?

Instagram löscht Accounts, die gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen

"Konten, die gegen unsere Gemeinschaftsrichtlinien oder Nutzungsbedingungen verstoßen, können ohne Vorwarnung deaktiviert werden", teilt Instagram im Online-Hilfebereich mit. Wenn ein Konto deaktiviert worden sei, erhalte man beim Versuch sich anzumelden eine entsprechende Nachricht. "Wenn du der Ansicht bist, dass dein Konto fälschlicherweise deaktiviert wurde, kannst du Einspruch erheben", heißt es bei Instagram. Dafür müsse man die App öffnen, den Benutzernamen eingeben und en Anweisungen auf dem Bildschirm folgen.

Auch Chloé und Lea versuchten, gegen die Sperrung ihres Accounts Einspruch zu erheben. Sie konnten nicht verstehen, wie ihr harmloser Account einfach so gesperrt werden konnte. Währenddessen würden andere Accounts ihren Hass auf die LGBTQ-Community nicht verheimlichen und sogar dazu aufrufen, Homosexuelle zu töten.

Werden LGBTQ-Accounts systematisch gemeldet und gelöscht?

Auch die Studentenzeitung "akduell" spricht von regelrechten Wellen von gesperrter LGBTQ-Accounts, für die eine Gruppe gut organisierter homophober Nutzer verantwortlich sei. "Die rühmen sich in ihren Storys damit, wenn sie es wieder geschafft haben, einen Account zu kicken", erzählt eine Betroffene der Zeitung. Die Aktivistin Tash Thomas sagt im "akduell"-Interview, dass diese Gruppen die Accounts gezielt wegen angeblichem Selbstmord oder Selbstverletzung melden würden, weil der Algorithmus von Instagram darauf offenbar besonders sensibel reagieren würde. Die Hater würden auch Bots einsetzen, die die Accounts, auf die sie es abgesehen haben, dann hundertfach melden.

Auch das US-amerikanische LGBT-Magazin "Blade" berichtet im Dezember 2020 von ähnlichen Vorfällen. Wenn ein Instagram Account einmal gelöscht sei, könne es schwierig werden, ihn zu reaktivieren, so das Magazin und berichtet über den Account eines schwulen Ehepaares, der auch plötzlich gelöscht wurde – angeblich weil die beiden vorgaben, jemand anderes zu sein. Die beiden sollten innerhalb von 24 Stunden eine E-Mail von Instagram erhalten, mit der sie dann ihre Identität bestätigen sollten. Doch die E-Mail sei nie angekommen.

Chloé und Lea schaffen es, ihren Account wieder zu aktivieren

Auf "20min.ch"-Anfrage widersprach Instagram den Anschuldigungen. Die Annahme, dass Inhalte entfernt würden, weil sie massenhaft gemeldet würden, sei nicht korrekt. Mitarbeiter würden gemeldete oder von der Technologie entdeckte Inhalte überprüfen. Wegen der Corona-Pandemie könnten vorübergehend keine Einsprüche erhoben werden.

Chloé und Lea aus Bern konnten ihren Account inzwischen wieder aktivieren. Allerdings nicht auf dem von Instagram vorgegebenen Weg. Über private Kontakte seien sie an die E-Mail-Adresse eines Facebook-Mitarbeiters gelangt, beichtet "20min.ch". Er habe ihren Account in seiner Freizeit dann wieder freigeschaltet.

Hilfe bei Suizidgedanken

Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222. Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter http://www.telefonseelsorge.de.