Hochzeit in Hamburger Hospiz

So kann der todkranke Brautvater bei der Vermählung dabei sein

Im Raum der Stille geben sich Sabrina und Marco das Ja-Wort im DRK-Hospiz für Hamburgs Süden. 2
Im Raum der Stille geben sich Sabrina und Marco das Ja-Wort im DRK-Hospiz für Hamburgs Süden. 2
© Privat

31. Oktober 2021 - 9:18 Uhr

Es ist die Trauung seines einzigen Kindes

Am 11. Oktober geht für Sabrina und Marco ihr großer Wunsch in Erfüllung, sie heiraten in einem Hospiz. Denn der Brautvater ist todkrank und kann das Hospiz nicht verlassen. Trotzdem soll er bei der Hochzeit seines einzigen Kindes unbedingt dabei sein.

Der Tag startet verregnet, doch kurz vor der Trauung beginnt die Sonne zu scheinen und im Raum der Stille, einem Rückzugsort im DRK-Hospiz, wird Sabrina Marcos Frau.

Alle sind ergriffen

So kann der todkranke Brautvater bei der Vermählung dabei sein
Ein regnerischer Tag. Die Brautmutter hilft ihrer Tochter, damit das Kleid keinen Schaden nimmt.
© Privat

"Es war sehr emotional", beschreibt Marco Fricke am Telefon den Moment der Vermählung gegenüber RTL Nord. Alle seien innerlich ergriffen gewesen. Seine Frau habe mit den Tränen gekämpft – wie auch ihre Mutter. "Aber gleichzeitig ging mein Blick auch zu dem Vater und ich habe gesehen, dass er auch richtig glücklich war in diesem Moment."

Das Unmögliche möglich gemacht

Es ist nur ein kleiner Kreis, der wegen der Corona-Schutz-Bedingungen dabei sein kann. Das Brautpaar und die Brauteltern, dazu noch die Einrichtungsleiterin und die DRK-Sozialarbeiterin. "Die Familie war eine Einheit und super glücklich, dass das alles so geklappt hat", sagt Simone Bärbig, die gelernte Krankenschwester arbeitet seit einem Jahr für das Hospiz in Hamburg-Wilstorf und hat das Unmögliche möglich gemacht.

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Überwältigt und dankbar

"Die Frau Bärbig ist wirklich ein Engel", erzählt der frisch vermählte Ehemann. "Wir waren total überwältigt und super dankbar. Wir können das gar nicht in Worte fassen, was die für uns getan haben." Denn auf Grund des schlechten Gesundheitszustandes des Vaters entscheidet sich das Paar die Hochzeit doch schon in diesem Jahr zu feiern und beide kamen auf die Idee im Hospiz zu heiraten. "Der eine hat's ausgesprochen und der andere hat es gedacht", erinnert sich Marco Fricke zurück.

Standesämter sagen ab

Am nächsten Tag hat das Paar versucht alle Ämter zu kontaktieren und hatte keine Chance sich überhaupt anzumelden. Aber dann lässt Simone Bärbig alle Kontakte spielen, auch zu einer Pastorin, die wiederum eine Standesbeamtin in Hamburg-Harburg kennt. Diese hat die Trauung dann in ihrer Freizeit mit Genehmigung der Behörde durchgeführt. "Da haben wir dann in eineinhalb Wochen hinbekommen, dass die Hochzeit doch noch klappt", erzählt die Sozialarbeiterin glücklich.

Im nächsten Jahr wird kirchlich geheiratet

Bärbig sagt auch, dass es zum Hospiz-Gedanken passe, bis zuletzt Leben zu gestalten. Und dazu gehöre auch mal eine Hochzeit. "Wir haben alles richtig gemacht", so der Bräutigam. Seine Frau sei super stolz auf ihren Papa, er habe die Hochzeit gut miterleben und genießen können. "Das wird immer in Erinnerung bleiben", ergänzt Marco Fricke.

Im nächsten Jahr will das Paar dann auch kirchlich Hochzeit feiern, diesmal dann im größeren Kreis, aber der Brautvater wird dann wohl nicht mehr dabei sein können. (nid)