Badbetreiber lässt Gäste im Dunkeln

Heimlich beim Saunagang gefilmt und auf Pornoseite gezeigt – und niemand wird informiert

Ab in die Sauna
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05. August 2020 - 10:50 Uhr

Von RTL-Reporter Holger Schrapel

Nackt auf einer Pornoseite zu sehen – ohne irgendwas davon zu wissen: Für Dutzende Besucher des Hallenser Freizeitbades Maya Mare wurde dieser Albtraum Realität. Sie wurden vor einiger Zeit beim Saunabesuch heimlich gefilmt. Das Material landete auf einer Pornowebseite. Für die Badbetreiber kein Grund, die Kunden zu informieren.

Sieben Minuten arglose Menschen nackt

Der Reihe nach: Vor einiger Zeit entdeckte ein besonders eifriger Nutzer von Pornoseiten die Aufnahmen. Darauf zu sehen: Dutzende nackte Menschen, zumeist Frauen, die sich offensichtlich unbeobachtet fühlen beim normalen Saunagang in Halle. Gepostet wurde das Video mit einer Gesamtlänge von etwa sieben Minuten einer der bekanntesten deutschen Plattformen für einschlägige Videos, gesehen wurde es von unzähligen Nutzern.

Die Pressesprecherin der Stadtwerke Halle, die für das Maya Mare zuständig sind, räumt den Vorfall ein. Man habe Strafanzeige erstattet und das Video sei gelöscht, so Iris Rudolph. Das Fotografieren und Filmen sei im Saunabereich grundsätzlich verboten, die Besucher würden auch darauf hingewiesen.

Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches

Die Staatsanwaltschaft Halle bestätigt auf RTL-Anfrage den Eingang der Anzeige. Ermittelt werde nun wegen der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches der abgebildeten Personen, so Pressesprecher Klaus Wiechmann. Es drohen bis zu zwei Jahre Haft. Er schätzt ein, dass es sich um ein vergleichsweise aktuelles Video handele. Die Behörde habe das Material gesichert. Weitere Auskünfte, auch auf die Frage nach dem möglichen Täter, gab es unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht. Wiechmann bestätigt auch, dass das Video auf der besagten Plattform gelöscht sei.

Keine Information an die Kunden

Trotz einer Veröffentlichung des Vorfalles in der lokalen Presse in der vergangenen Woche scheint der Vorfall in Halle nach RTL-Recherchen durchaus nicht überall bekannt zu sein. Und dabei wird es erst einmal bleiben, wenn es nach dem Willen der Stadtwerke-Verantwortlichen geht. Man habe keine Möglichkeit, die betroffenen Kunden zu kontaktieren und zu informieren – diese seien ja nicht bekannt, sagt Rudolph.

Auch zu der Frage, ob allgemein die Kunden des Maya Mare über den Vorfall informiert werden, positioniert sich das hundertprozentige Tochterunternehmen der Stadt Halle eindeutig: Dazu bestehe keine Pflicht. Auch auf den Einwand, dass solche Videos oft auf ähnlichen Plattformen weiter kursieren können, bleibt das Unternehmen bei diesem Standpunkt.

Eingriffe in die intimsten Lebensbereiche

Eine Ansicht, die von Juristen nicht geteilt wird. Gerhard Rahn, Fachanwalt für Strafrecht meint dazu: "Natürlich müssen die Stadtwerke die Kunden informieren." Ein Kauf einer Eintrittskarte sei ein zivilrechtlicher Vertrag, aus dem sich auch solche Verpflichtungen ergeben. Es handele sich hier um einen Eingriff in die intimsten Bereiche des menschlichen Lebens, aus dem Rechtsgrundsatz von 'Treu und Glauben' ergebe sich, dass potentiell Betroffene bei einer solch krassen Rechtsverletzung durch Dritte gewarnt werden.

Dies sei zum Beispiel möglich über Aushänge im Maya Mare. Jenseits der rechtlichen Frage: Will man informiert werden, wenn man selbst oder Angehörige der eigenen Familie möglicherweise nackt im Netz verbreitet werden? Nach Ansicht der Stadtwerke Halle nicht.