Hunderte Babys könnten betroffen sein

Klinikmitarbeiterin soll Blutproben von Neugeborenen manipuliert haben

Eine Mitarbeiterin der Geburtsstation des St. Elisabeth und St. Barbara Krankenhauses soll Blutproben von Neugeborenen mit Blutproben von Erwachsenen vorsätzlich vertauscht haben (Symbolbild)
Eine Mitarbeiterin der Geburtsstation des St. Elisabeth und St. Barbara Krankenhauses soll Blutproben von Neugeborenen mit Blutproben von Erwachsenen vorsätzlich vertauscht haben (Symbolbild)
© Getty Images/iStockphoto, kieferpix

27. Oktober 2021 - 16:27 Uhr

Mitarbeiterin soll Erwachsenenblut anstatt Säuglingsblut ins Labor geschickt haben

Eine Mitarbeiterin auf der Geburtenstation des St. Elisabeth und St. Barbara-Krankenhauses in Halle (Saale) soll bewusst Blutproben von Neugeborenen manipuliert haben. Sie soll nicht das Blut der Säuglinge, sondern Erwachsenenblut ins Labor geschickt haben. Laut Angaben der Klinik sollen bisher elf Fälle bekannt sein. Das Krankenhaus untersucht nun alle Fälle seit 2013, die von einer Manipulation betroffen sein könnten. Die Motive der Mitarbeiterin sind noch unklar. Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt.

Neugeborenen-Screening kann lebenswichtig sein

Bereits Anfang Oktober wurde das Krankenhaus auf die Unstimmigkeiten durch das Stoffwechsellabor der Universität Magdeburg aufmerksam gemacht. Dort werden seit vielen Jahren die Blutproben auf Krankheiten, wie Mukoviszidose, Muskelschwund oder Gendefekte untersucht. Durch das sogenannte Neugeborenen-Screening können Ärzte Krankheiten gleich nach der Geburt erkennen und frühzeitig eine geeignete Therapie oder Diät verordnen. So kann dem Kind eine normale Entwicklung ermöglicht werden.

Doch einigen Neugeborenen blieb das Screening verwehrt. Die Klinikleitung geht "davon aus, dass die Blutproben durch diese Einzelperson bewusst verfälscht bzw. manipuliert worden sind." Warum die Mitarbeiterin so gehandelt haben soll, ist noch unklar. Das Krankenhaus nimmt die Manipulation sehr ernst. Im schlimmsten Fall kann es bei nicht rechtzeitig erkannten Krankheitsanzeichen zu schwerwiegenden Erkrankungen kommen, die sogar tödlich verlaufen können. Aus diesem Grund wurde Strafanzeige gegen die besagte Mitarbeiterin gestellt. Sie ist seit Mitte Oktober nicht mehr im Dienst. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sie wegen gefährlicher Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen.

Die Wahrscheinlichkeit für gesundheitlichen Schadensfall ist gering

Wie lange die Mitarbeiterin Blutproben manipuliert haben soll, ist unklar. Im schlimmsten Fall muss davon ausgegangen werden, dass die Frau während ihrer gesamten Anstellungszeit, also seit 2013, Proben verfälscht hat. Die höchste Priorität des Krankenhauses ist nun die Kontaktaufnahme zu allen möglicherweise betroffenen Familien sowie die Nachuntersuchung aller Proben, die manipuliert sein könnten. Das soll einige Wochen in Anspruch nehmen. Bisher seien glücklicherweise keine Proben bekannt, bei denen gesundheitliche Schädigungen bei Patienten aufgetreten sind.

Laut dem Ärztlichen Direktor der Klinik, Dr. Hendrik Liedtke ist die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Fall gering. Auf etwa 1.000 Neugeborene kommt ein positiver Befund. Die verdächtige Mitarbeiterin war in ihrer Zeit am St. Elisabeth und St. Barbara Krankenhaus für rund 800 Neugeborene verantwortlich.

Das Krankenhaus kümmert sich nun auch um eine Aufarbeitung des Falls. In einem Brief an die Mitarbeiter schreibt die Geschäftsführung, dass man jegliche Maßnahmen prüfen und umsetzen werde, "die erforderlich sind, um zukünftig eine Manipulation der Proben bestmöglich auszuschließen." Auch wenn der Fall die Krankenhausführung "persönlich tief bewegt" hat, möchte man nicht zulassen, dass die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen durch die Verfehlung einer Einzelperson in Frage gestellt wird.(aru)