Nach Tod von Sechsjähriger (6) in Torgelow

Hätte sich das Drama verhindern lassen? Vater der kleinen Leonie vermutete schon vorher Kindesmisshandlung

17. Januar 2019 - 7:36 Uhr

Torgelow: Kleine Leonie starb mit sechs Jahren

Seine Ex-Freundin verweigerte ihm trotz geteiltem Sorge- und Umgangsrecht den Kontakt zu seinen Kindern, dann erhielt Oliver E. die Schreckensnachricht: Seine erst sechsjährige Tochter Leonie starb in der Obhut ihrer Mutter und ihres Stiefvaters - angeblich fiel sie die Treppe herunter und verletzte sich tödlich am Kopf. Für den leiblichen Vater stand schnell fest: So kann es nicht gewesen sein. Denn schon vorher hatte er vermutet, dass seine Kinder misshandelt werden. Von seinem erschreckenden Verdacht erzählt E. im Video.

Wurden die Kinder von Oliver E. misshandelt?

"Ich bin am Boden zerstört", sagt der Vater der kleinen Leonie im RTL-Interview. Zur Trauer über den Tod der geliebten Tochter kommt noch die Wut über die Mutter und den Stiefvater hinzu, in deren Wohnung das Mädchen starb. Und noch etwas ist für Oliver E. nur schwer zu ertragen: Schon in der Vergangenheit hatte er den Verdacht, dass seine Kinder misshandelt werden und erstattete sogar Anzeige - doch das Jugendamt hielt die Anschuldigungen für haltlos.

Für E. ist klar, dass seinen Kindern Gewalt angetan wurde. Sein Sohn Noah-Joel musste schon vorher wegen einer Gesichtsverletzung im Krankenhaus behandelt werden. Als er ihn nach dem Tod seiner Tochter in seine Obhut nahm, ließ er ihn in einer Klink untersuchen: "Er hatte mehrere Hämatome an Rücken, Oberarmen und Oberschenkel", außerdem habe der Junge ein Loch im Kopf und eine aufgerissene Lippe gehabt.

"Ich wusste gleich, dass es so nicht gewesen sein kann"

Dass seine Tochter durch einen Sturz von der Treppe fiel, glaubt der Vater nicht. "Ich wusste gleich, dass es so nicht gewesen sein kann", sagt er. Auch die Polizei zweifelt an der Schilderung des Stiefvaters: Nach einer rechtsmedizinischen Untersuchung des Kindes gebe es konkrete Hinweise auf eine Gewalteinwirkung gegen das Kind, gab die Behörde in einer Stellungnahme bekannt.

Aus Sicht des zuständigen Jugendamtes gibt es aktuell jedoch keine Hinweise darauf, dass das Unglück hätte verhindert werden können. Wie Jugendamtssprecher Achim Froitzheim gegenüber RTL sagte, sei der Vorfall nicht voraussehbar gewesen. Nur einmal habe das Amt Kontakt mit der Familie gehabt, es habe sich um "keine auffälligen Leute" gehandelt.

Tatverdächtiger flüchtete aus Polizeirevier

Während Oliver E. spricht, ist der Stiefvater auf der Flucht vor der Justiz: Nach seiner Vernehmung im Polizeirevier in Pasewalk flüchete der Mann, nachdem ihm seine vorläufige Festnahme verkündet worden war. Der 27-Jährige gilt als tatverdächtig. Nach ihm wird aktuell umfangreich gesucht. Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg beantragte den Erlass eines Haftbefehls.

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