Santorin: Griechenland verbietet übergewichtigen Touristen das Eselreiten

12. Oktober 2018 - 14:41 Uhr

Die Esel auf Santorin leiden

Jeden Tag müssen hunderte Esel auf Santorin in der prallen Sonne und ohne ausreichend Wasser darauf warten, Touristen über die berühmte Eselstreppe ins 300 Meter höher gelegene Städtchen Fira zu schleppen. Tierschützer forderten bessere Bedingungen für die Tiere auf der griechischen Insel – und beschwerten sich unter anderem über die immer dicker werdenden Menschen, die auf den geschwächten Tieren reiten. Die griechische Regierung hat reagiert und schreibt nun eine Gewichtsbegrenzung vor.

Von Katharina Meyer

Ab 100 Kilo ist das Eselreiten ab jetzt tabu

Menschen, die über 100 Kilogramm oder ein Fünftel des Körpergewichts des Esels wiegen, dürfen nicht mehr auf den Tieren reiten. Dies hat das Landwirtschaftsministerium von Griechenland nun beschlossen. Für die Tierschutzorganisation "Help the Santorini Donkeys" (HTSD) ein voller Erfolg – oder?

"Die Gewichtsbeschränkung ist immer noch sehr hoch, wenn es zum Beispiel um einen kleinen Esel geht, sind 100 Kilo viel zu schwer", verrät uns June Newby von HTSD. "Die Vorgabe mit dem Fünftel vom Gewicht des Esels ist da schon akzeptabler." Sie habe bereits ans zuständige Ministerium geschrieben und darum gebeten, die Vorschrift klarer zu formulieren.

"Es gibt ein großes ABER"

Doch das neue Gesetz alleine reiche der Tierschützerin zufolge noch lange nicht. "Wir haben seitens der Regierung schon gute Gesetze, wahrscheinlich die gleichen wie überall in der EU", so Newby. "Aber – und das ist ein großes ABER – sie werden nicht durchgesetzt! Vor allem auf den Inseln werden Gesetze einfach unter den Teppich gekehrt und die Menschen dort ignorieren die Vorschriften und machen, was sie wollen." Es bleibt also zu bezweifeln, dass die Touristenführer nun mit einer Waage neben ihren Eseln stehen oder auf das Geld verzichten, das auch ein übergewichtiger Besucher der Insel bereit wäre zu zahlen.

Ein komplettes Reitverbot für die Santorin-Esel ist für Newby jedoch auch nicht die optimalste Lösung. "Manche würden sich wünschen, dass die Esel komplett von den Treppen verbannt werden, aber wenn das der Fall wäre, würden viele Esel und Maultiere geschlachtet werden und Männer würden ihre Jobs verlieren", verrät sie uns. "Wir müssen bedenken, dass die Menschen in Griechenland irgendwo von leben müssen. Mit der Zeit sollte diese veraltete Tradition jedoch aussterben."

Weitere Hilfemaßnahmen für die Esel sind geplant

Viele Esel auf Santorin-Treppen
An die 400 Esel warten in der prallen Sonne auf die Touristen.
© Facebook, Help the Santorini Donkeys

In den letzten Wochen fanden Treffen zwischen dem Bürgermeister von Santorin, Nikos Zorzos, und mehreren Tierschutzorganisationen, die sich für das Wohl der Esel einsetzen, statt. Dabei wurden einige Verbesserungen beschlossen, die nun – neben dem Maximalgewicht – darauf warten, umgesetzt zu werden. Darunter Erneuerungen und Erweiterungen des Stalls am Gipfel der hügeligen Insel, frisches fließendes Wasser für die arbeitenden Esel und Schulungen für die Führer der Tiere, die vom "Donkey Sanctuary" durchgeführt werden. Der Bürgermeister verpflichtete sich, dass diese Verbesserungen für das Wohl der Esel bis zur nächsten Touristensaison durchgesetzt werden.

Ist ein Verbot für Übergewichtige diskriminierend?

Eine Diskriminierung übergewichtiger Menschen sieht June Newby in einem Verbot ab einem bestimmten Körpergewicht übrigens nicht. "Jeder einzelne Mensch hat die Verantwortung dafür, festzustellen, ob er zu schwer ist, um seinen fetten Hintern auf diese Tiere plumpsen zu lassen", meint sie leicht überspitzt und fügt hinzu: "Bevor man egal welche Art von Reittier besteigt, sollte man sich das Tier angucken und entscheiden, ob es glücklich und fit ist, keine Infektionen und Wunden hat, genug Wasser und Schatten vorhanden und Sattel und Zaumzeug gut befestigt sind."

Bleibt zu wünschen, dass das Verbot mehr Menschen bewusst macht, dass hinter ihrem kleinen Touri-Spaß Tiere stecken, die unter zum Teil schlimmen Bedingungen schuften müssen.