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Grausamer Trend: Immer mehr ausgesetzte und verletzte Corona-Kaninchen

Hamburger Tierschutzverein ist besorgt

Grausamer Trend: Immer mehr ausgesetzte und verletzte Corona-Kaninchen

Notrettung: Bei einem Kaninchen musste ein Bein amputiert werden.
Bei einem der gefundenen Kaninchen musste ein Bein amputiert werden.
Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V.

Sie sind klein, flauschig und anscheinend perfekte Kuschel- und Spielpartner für Kinder – doch Kaninchen sind kein Kinderspielzeug, teilt der Hamburger Tierschutzverein besorgt mit. Doch es kommt noch schlimmer, denn immer mehr Kaninchen werden einfach ausgesetzt und kommen dann zum Teil schwerst verletzt in die Fundtierverwahrstelle in Hamburg. Allein im Monat Mai sind vier Kaninchen mit qualvollen Verletzungen gefunden worden und die Tendenz ist steigend.

Notrettung: Einem Kaninchen muss ein Bein amputiert werden

Am 3. Mai wird ein schwarz-weißes Löwenkopf-Kaninchen in Hamburg gefunden und zur Polizei gebracht. Dort holt ein Tierrettungsfahrer den kleinen Racker ab und bringt ihn zum Hamburger Tierschutzverein (HTV). Auch wenn das Fundkaninchen auf dem ersten Blick gesund aussieht, stellt sich heraus, dass sein linkes Hinterbein gebrochen ist. Die Verletzung ist schwerwiegend: „Es blieb uns nichts anderes übrig, als das Bein zu amputieren. Wir wollen natürlich, dass das Kaninchen noch ein langes, schönes Leben hat – und das ist mit drei Beinen immer noch möglich“, so Dr. Urte Inkmann, die leitende Tierärztin des HTV.

Kaninchen-Aussetzungswelle zu beobachten

Leider ist dieses Kaninchen kein Einzelfall. Der Hamburger Tierschutzverein beobachtet einen grausamen Trend: In diesem Jahr bemerken die Tierschützer eine auffällig hohe Anzahl an ausgesetzten Kaninchen. Viele von ihnen sind auch noch verletzt. „Der Verdacht liegt nahe, dass es sich hierbei um in Corona-Zeiten angeschaffte Tiere handelt, die die Leute nun wieder loswerden wollen“, erklärt die Tierschutzberaterin des HTV, Nicole Hartmann.

Die Anzahl der Fundkaninchen hat sich bisher im Vergleich zu 2021 mehr als verdoppelt: Waren es im letzten Jahr noch 20 ausgesetzte Kaninchen bis Mitte Mai, so sind es dieses Jahr schon 45, teilt der Tierschutzverein mit.

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Der Hamburger Tierschutzverein behandelt ein gefundenes Kaninchen mit einem Abszess.
Der Hamburger Tierschutzverein behandelt ein gefundenes Kaninchen mit einem Abszess.
Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V.

Am 10. Mai, nur eine Woche nach dem anderen Kaninchenfund, werden zwei stark verletzte Kaninchen entdeckt: Sie hoppelten frei in den Harbuger Bergen im Hamburger Süden herum – vom Besitzer ist weit und breit keine Spur. Eines des Kaninchen hat einen Abszess mit einem Durchmesser von drei Zentimetern am Kopf und wird vom Praxis-Team des Vereins behandelt. „Ob das Kaninchen überlebt, ist zu diesem Zeitpunkt noch unsicher. Wir geben unser Bestes, versorgen täglich die Wunde auf der Stirn und dreimal täglich die Hornhautverletzung des linken Auges. Noch einen Tag später hätte das Kaninchen nicht gefunden werden dürfen, dann hätte es kaum eine Überlebenschance gehabt“, so Rose Ackermann.

"Aussetzen ist keine Lösung"

Der Hamburger Tierschutzverein fürchtet, dass noch mehr Kaninchen gefunden und abgegeben werden könnten: „Wir sind besorgt, dass uns in den kommenden Monaten eine Aussetzungswelle an Kleintieren überrollen wird. Es liegt nahe, dass die Tiere zum Kuscheln für die Kinder in Lockdown-Zeiten angeschafft wurden und jetzt, wo die Normalität wieder einkehrt, keine Zeit oder Lust mehr übrig ist, sich um die doch recht aufwendigen Kleintiere zu kümmern“, erzählt Nicole Hartmann aus der Tierschutzberatung.

Kaninchen würden nämlich in ihrer Haltung unterschätzt werden: Viele Menschen bedenken nicht, dass auch Kleintiere regelmäßig zum Tierarzt müssen. „Die Bereitschaft, für die medizinische Versorgung von Kleintieren Geld in die Hand zu nehmen, bringen viele nicht auf. Doch Kaninchen melden sich nicht, so wie Hunde oder Katzen, wenn sie Schmerzen haben, sondern leiden im Verborgenen“, so Dr. Urte Inkmann. Der Hamburger Tierschutz warnt vor unüberlegten Käufen und betont, dass Kaninchen eben kein Kinderspielzeug seien. Aussetzen sei keine Lösung. (anr)