13. Mai 2019 - 15:29 Uhr

Wer bekommt Urlaubsgeld und wie viel?

Wer träumt nicht davon, seine Urlaubskasse mit einer Finanzspritze des Arbeitgebers aufzupimpen? Aber leider wird längst nicht jedem dieses Privileg zuteil. Die Hans-Böckler-Stiftung hat 6.600 Beschäftigte befragt, wie es um ihr Urlaubsgeld steht. Und die Zahlen sind durchwachsen: So bekommen nur 42,6 Prozent der Arbeitnehmer diese Urlaubsextra – das ist nicht mal jeder Zweite. 

Aber woher weiß ich, ob ich Anspruch auf Urlaubsgeld habe und wie viel Geld mir zusteht? Wir klären die wichtigsten Fragen rund um das Urlaubsgeld.

Was genau ist Urlaubsgeld?

  • Beim Urlaubsgeld handelt es sich um eine einmalige Sonderzahlung zusätzlich zum Gehalt, die meist im Mai oder Juni ausgezahlt wird. Einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubsgeld gibt es nicht. Das bedeutet: Ein Anspruch des Mitarbeiters auf Urlaubsgeld besteht nur dann, wenn er besonders vereinbart wurde.
  • ​Ein Anspruch auf Urlaubsgeld, der den Arbeitgeber zur Zahlung verpflichtet, kann sich aus folgenden Gründen ergeben: 
    - Tarifvertrag
    - Betriebsvereinbarung
    - Arbeitsvertrag

  • In Ausnahmefällen kann sich der Anspruch auch aus einer sogenannten "betrieblichen Übung" ergeben.

Betriebliche Übung – was heißt das?

Wenn der Arbeitgeber mindestens dreimal hintereinander Urlaubsgeld gezahlt und keinen Vorbehalt ausgesprochen hat – etwa, dass er das Urlaubsgeld nur ausnahmsweise dieses Jahr zahlen will – können Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen davon ausgehen, dass er dies auch in Zukunft machen wird.

Haben alle Mitarbeiter Anspruch auf Urlaubsgeld ?

Wenn in einem Unternehmen Anspruch auf diesen Bonus besteht, muss der Arbeitgeber diesen an alle auszahlen, egal ob es sich um Vollzeitbeschäftigte, Teilzeitkräfte, Minijobber oder geringfügig Beschäftigte handelt.

Wichtig: Willkürliche Maßnahmen wie die Streichung des Weihnachts- oder Urlaubsgeldes sind arbeitsrechtlich verboten. Verboten ist es außerdem, das Urlaubsgeld und andere Sonderzahlungen wie etwa Weihnachtsgeld auf den gesetzlichen Mindestlohn anzurechnen.

Wie viel Geld bekommt man in der Regel?

Da es keinen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubsgeld gibt, ist die Höhe des Urlaubsgeldes nicht festgelegt. Die Höhe und Rahmenbedingungen für die Sonderzahlung werden in entsprechenden Verträgen oder Vereinbarungen festgeschrieben. Die Unterschiede sind dementsprechend riesig: Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung lag die Spanne des gezahlten Urlaubsgeldes im Jahr 2013 zwischen 155 und 2.204 Euro.

Kann das Urlaubsgeld gekürzt werden oder wegfallen?

Frau mit Geld im Glas
Wie hoch Ihr Urlaubsgeld ist, hängt von Ihrem Vertrag ab.
© iStockphoto

Grundsätzlich gilt: Ist das Urlaubsgeld im Arbeitsvertrag zugesichert, muss der Arbeitgeber es auch in schlechten Jahren zahlen – es sei denn, die Regelung zum Urlaubsgeld enthält einen Widerrufsvorbehalt.  

Was passiert mit dem Urlaubsgeld, wenn ich krank werde?

Auch wenn Sie längere Zeit krank waren und deshalb gar keinen Urlaub nehmen können, darf der Arbeitgeber Ihnen die Sonderzahlung nicht streichen. Dies gilt nur dann nicht, wenn schriftlich vereinbart wurde, dass das Urlaubsgeld nur dann gezahlt wird, wenn der Urlaub tatsächlich angetreten wird.  

Bekomme ich trotz Kündigung Urlaubsgeld?

Entscheidend dafür ist Ihr Arbeitsvertrag:

Handelt es sich beim Urlaubsgeld laut Vertrag um eine freiwillige Sonderzahlung?
In diesem Fall muss das Urlaubsgeld zurückgezahlt werden.

Ist das Urlaubsgeld laut Vertrag garantiert?
In diesem Fall muss das Urlaubsgeld auch bei Kündigung nicht zurückgezahlt werden.

Im Video: Was darf ich als Mitarbeiter und was nicht?

Whatsapp-Nachrichten senden, eben mal kurz Facebook checken oder noch schnell einen Arzttermin vereinbaren - Was ist bei der Arbeit eigentlich erlaubt? Und was ein Kündigungsgrund? Wir klären auf.

Was unterscheidet Urlaubsgeld vom Urlaubsentgelt?

Die Begriffe ähneln sich zwar, Urlaubsgeld und Urlaubsentgelt sind aber nicht das Gleiche. Das Urlaubsgeld ist eine Sonderzahlung, die der Arbeitgeber aufgrund eines Tarifvertrags oder einer Betriebsvereinbarung an seine Mitarbeiter auszahlt. Man erhält es zusätzlich zu dem normalen Gehalt. 

Bei dem sogenannten Urlaubsentgelt geht es darum, dass der Arbeitgeber das vereinbarte Gehalt während des Urlaubs weiterzahlt. Zu dieser Zahlung ist der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet.

Muss ich das Urlaubsgeld versteuern?

Ja. Das Urlaubsgeld gilt als Einkommen und muss somit versteuert werden und ist auch sozialversicherungspflichtig. Wie andere sogenannte Einmalzahlungen - wie das Weihnachtsgeld - wird es nach der Jahreslohnsteuertabelle versteuert.

Tipp: Beim Buchen Ihres Urlaubs sollten Sie darauf achten, ein kleines Polster für die Steuerabzüge übrig zu lassen!