"In der gleichen Position, in der wir verbunden waren"

Getrennt und irgendwie auch nicht: Siamesische Zwillinge schlafen bis heute vereint

Die Zwillinge Eman und Sanchia wurden getrennt, als sie drei Monate alt waren.
Die Zwillinge Eman und Sanchia wurden getrennt, als sie drei Monate alt waren.
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22. September 2021 - 17:44 Uhr

Sie überlebten vor über 20 Jahren die riskante Trennungs-OP

Die siamesischen Zwillinge Eman und Sanchia Mowatt kamen 2001 zur Welt – zusammengewachsen am Rücken. Nur drei Monate später wurden die beiden in einer riskanten Operation getrennt und überlebten. Und obwohl sie froh sind, das ihre Eltern sich für diesen Schritt entschieden haben, schlafen sie manchmal noch in ihrer "alten" Position nebeneinander, weil es ihnen nach eigenen Angaben einfach gut tut. Das berichtet die "Sun".

Risiko zu Überleben lag bei 5 bis 25 Prozent

Die 20-jährige Eman und Sanchia Mowatt wurden am 13. September 2001 vier Monate zu früh geboren. Zusammen wogen sie gerade einmal 4,5 Kilo als sie drei Monate später operiert und getrennt wurden. Damals eine Sensation, denn weltweit wurde eine solche OP erst zweimal versucht. Die Überlebenschance lag bei 5 bis 25 Prozent. "Die Operation der Zwillinge war zu dieser Zeit ziemlich einzigartig und schwieriger als andere von siamesischen Zwillingen, da ihr Rückenmark miteinander verschmolzen war", so der behandelnde Arzt Dr. Satish Rao.

Aber die beiden hatten Glück und wollten leben. "Unsere Eltern erkannten von Anfang an, dass wir unabhängig sein wollen. Wenn ich damals die Wahl gehabt hätte, hätte ich mich auch trennen wollen", so Eman gegenüber der britischen Zeitung "The Sun". "Obwohl wir getrennt sind, sind wir uns immer noch sehr nahe. Wir schlafen manchmal in der gleichen Position wie früher zusammen. Wir sind ziemlich verschmust."

Eman und Sanchia als Babys
Eman und Sanchia waren am Rücken zusammengewachsen.
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Siamesische Zwillingsgeburten sind sehr selten

Heute leben die Zwillinge im Haus ihrer Familie und leiden immer noch unter gesundheitlichen Einschränkungen. Nach der Operation war eine Zeit lang nicht sicher, ob die beiden Mädchen überhaupt laufen können. Doch sie können! Beide haben aber eine Spina bifida (angeborene Fehlbildung der Wirbelsäule) und eine schwächere Körperseite, was bei beiden zu Gehproblemen führt. Manchmal braucht Eman sogar einen Rollstuhl. "Wir haben jeweils ein kürzeres Bein und eine schwächere Seite, wo wir zusammengewachsen waren. Ich bekomme viele Beinkrämpfe. Wir sind aber daran gewöhnt", so Eman weiter.

Eingriffe, Operationen und Krankenhaustermine sind nach wie vor Routine für die Zwillinge, doch sie staunen noch heute jedes Mal über ihre Fortschritte.

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Eman und Sanchia wollen anderen Teenagern Mut machen

Heute sprechen Eman und Sanchia offen über ihre Geschichte. Als sie mit 12 Jahren umzogen und auf eine neue Schule kamen, fanden sie nicht, dass sie jedem erzählen müssen, dass sie siamesische Zwillinge sind. Im Alter von vier bis sechs Jahren war das Medieninteresse sehr groß. Filmteams und Journalisten kamen, um über die beiden Mädchen zu berichten. Damals waren sie fasziniert davon und Freunde wollten neugierig wissen, warum Eman und Sanchia gefilmt wurden. Irgendwann erzählten sie ihre Geschichte einfach nicht mehr – bis jetzt. "In den sozialen Medien sehen wir, wie andere junge Leute über ihre Geschichten sprechen. Wir zeigen, dass wir gute und schlechte Tage haben, aber wir zeigenauch, dass Menschen mit Behinderungen ein gutes Leben und eine Karriere haben können, und wir hoffen, dass dies für andere inspirierend ist." (jar)