Störung in der Verarbeitung von Sinneseindrücken im Zentralnervensystem

Gesundheitslexikon: Wahrnehmungsstörung

11. Dezember 2019 - 11:10 Uhr

Wahrnehmungsstörung - wenn Sinneseindrücke nicht richtig verarbeitet werden

Unsere Realität besteht aus der Summe unserer sinnlichen Wahrnehmungen. Der Wahrnehmungsprozess beginnt mit Einflussfaktoren wie Schallwellen oder Licht, die auf die Sinnesorgane einwirken und über Nervenfasern permanent das zentrale Nervensystem (ZNS) erreichen. Aus den Reizen einzelner Sinnesorgane entsteht erst nach Filtervorgängen und Interpretationen im Gehirn die eigentliche Wahrnehmung. Wenn ein Mensch Probleme hat, beim Fernsehen die Geräusche, die er hört, mit den Bildern, die er sieht, in Verbindung zu bringen, leidet er womöglich an einer Wahrnehmungsstörung. Doch es gibt noch viele weitere Ausprägungen, abhängig von den betroffenen Sinnen.

Was sind Wahrnehmungsstörungen?

Wahrnehmungsstörungen treten auf, wenn die Sinnesreizverarbeitung im ZNS fehlerhaft ist. Bei einer modalitätsspezifischen, visuell ausgeprägten Wahrnehmungsstörung erreichen Bilder zwar das Gehirn, werden dort aber nicht richtig identifiziert oder interpretiert. Eine Sonderform ist die Gesichtsblindheit. Bei intermodalen Wahrnehmungsstörungen ist das Zusammenspiel bei der Interpretation verschiedener Reize gestört. Wer an einer intermodalen Wahrnehmungsstörung zwischen Sehsystem und Körperempfindungssystem leidet, streckt beispielsweise die Hand in die falsche Richtung aus, obwohl er in die richtige Richtung blickt. Seriale Wahrnehmungsstörungen äußern sich durch vertauschte Schritte bei der Reizreaktion. Sie liegt etwa dann vor, wenn Menschen fälschlicherweise ihre Hosen vor der Unterwäsche anziehen.

Ursachen einer Wahrnehmungsstörung

Wahrnehmungsstörungen sind häufig angeborene Defekte, die etwa aufgrund von schädigendem Verhalten der Mutter durch Alkohol- oder Nikotinkonsum während der Schwangerschaft verursacht werden können. Darüber hinaus rufen erworbene Mängel Wahrnehmungsstörungen hervor. Dies ist häufig nach dem Erleiden eines Schlaganfalls der Fall. Für einige Patienten entwickeln sich unbehandelte Seh- oder Hörschwächen zu Wahrnehmungsstörungen, weil ihre Eindrücke von der Realität verfälscht sind. Neben mangelnder Stimulation und daraus resultierenden Erfahrungsrückstanden, schlimmstenfalls schon vom Kindesalter an, begünstigen zudem anderweitige Entwicklungsstörungen sowie negative Umwelteinflüsse die Herausbildung von Wahrnehmungsstörungen.

So kann eine Wahrnehmungsstörung diagnostiziert werden

Um den Verdacht einer Wahrnehmungsstörung und deren Ausprägung abzuklären, finden körperliche, psychologische und pädagogische Untersuchungen statt. Gerade bei Kindern kann eine vermutete Wahrnehmungsstörung auch nur eine vorübergehende Schwäche sein. Hirnorganische Defekte sind durch einen Neurologen auszuschließen. Die Diagnose von Wahrnehmungsstörungen geht neben der Ursachenforschung mit einer genaueren Einordnung der Störung einher. Wahrnehmungsstörungen werden seit den 1970er Jahren wie folgt unterteilt:

  • modalitätsspezifische Wahrnehmungsstörungen (Störungen der Reizerfassung im auditiven, visuellen, taktilen, kinästhetischen oder olfaktorischen Sinnessystem)
  • intermodale Wahrnehmungsstörungen (gestörte Verbindung zwischen den einzelnen Sinnessystemen)
  • seriale Wahrnehmungsstörungen (gestörte Verarbeitungsfähigkeit von Reizen in räumlich oder zeitlich richtiger Abfolge)

Wahrnehmungsstörung: Behandlung und Vorbeugung

Für die verschiedenen Arten von Wahrnehmungsstörungen stehen den Patienten unterschiedliche Behandlungsansätze in Begleitung von Fachkräften wie Logopäden, Psychologen, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten zur Verfügung. Liegen den Störungen organische Ursachen zugrunde, erfolgen organspezifische Behandlungen. Außerdem existieren Trainings zur Wahrnehmungsförderung sämtlicher Sinne.

Um Wahrnehmungsstörungen zu vermeiden, stellen Eltern ihren Kindern ein möglichst vielseitiges Reizangebot zur Verfügung. Oft basieren angeborene Wahrnehmungsstörungen auf schwangerschaftlichen Schadeinflüssen. Deshalb gilt auch die Minimierung von Schadfaktoren wie Nikotin oder Alkohol als präventive Maßnahme. Auch bei Kindern mit entsprechender Neigung kann man bei rechtzeitiger Frühförderung eine normale Entwicklung erwarten, solange ihre Störungen nicht auf Gehirndefekten basieren.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.