Offenes, zumeist nässendes Geschwür am Unterschenkel

Gesundheitslexikon: Ulcus cruris (Unterschenkelgeschwür, offenes Bein)

Eine tiefe und meist schlecht heilende Wunde am Unterschenkel
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18. Dezember 2019 - 9:14 Uhr

Ulcus cruris: So kommt es zum offenen Bein

Unter einem Ulcus cruris versteht man ein Geschwür, welches am Unterschenkel, Fuß oder an den Zehen lokalisiert ist. Da die Wunde von innen nach außen entsteht und das geschädigte Gewebe oftmals Monate zum Abheilen benötigt, zählt der Ulcus cruris zu den chronischen Krankheiten. Prinzipiell wird zwischen einem Ulcus cruris venosum und einem Ulcus cruris arteriosum unterschieden.

Ursachen und Symptome eines Unterschenkelgeschwürs

Faktisch ist der Ursprung eines Ulcus cruris eine Dysfunktion der venösen oder arteriellen Gefäße im Unterschenkel. Diese Insuffizienz der Venen oder Arterien entsteht nicht innerhalb weniger Wochen, sondern ist ein Abbild des Lebenswandels der betroffenen Person. Beim Ulcus cruris venosum sorgen Übergewicht, Bewegungsmangel oder Rauchen dafür, dass das sauerstoffarme und schlackstoffreiche Blut aus dem Unterschenkel durch mangelnde Venenpumpenarbeit nicht mehr in vollem Maße zum Herzen zurücktransportiert wird. Diese sogenannten Metabolite verbleiben im Gewebe und haben im Anfangsstadium Knöchelödeme, Wadenschmerzen, schlappe Beine oder Krampfadern zur Folge. Im weiteren Verlauf wird das Gewebe von innen nach außen so stark geschädigt, dass die Wunde die äußerste Hautschicht lädiert und dann als Unterschenkelgeschwür sichtbar wird.

Das Ulcus cruris arteriosum entsteht durch übermäßigen Alkohol- oder Nikotingebrauch, Diabetes oder Übergewicht. Durch die Ablagerung von Fetten, Zucker oder anderen Stoffen an den Gefäßwänden kann das sauerstoff- und nährstoffreiche Blut nicht mehr bis in die kleinsten Gefäße des Fußes vordringen. Folge ist eine Mangelversorgung einzelner Abschnitte, was zu einem Absterben der Zellen, einer sogenannten Nekrotisierung, führt. Auch hier kann man die Vorboten des Ulcus cruris arteriosum bereits früh in Form von kalten, blassen Zehen oder Bewegungsschmerz ausmachen. Im Laufe der Zeit nekrotisiert das Gewebe von der Arterie zur äußeren Hautschicht und zeigt sich als Ulcus cruris arteriosum.

Diagnose eines Unterschenkelgeschwürs

Bei Beschwerden stellt der Arzt durch ein ausführliches Anamnesegespräch Risikofaktoren und Ursachen fest. Außerdem kann er beispielsweise durch das Abtasten, Abhören und Abmessen von einem Ulcus betroffene Stellen ausmachen. Neben dem klinischen Bild werden jedoch auch noch invasive Verfahren angewandt. Hier stehen den Medizinern Ultraschall, Doppler-Ultraschall und MRT-Angiographie zur Verfügung. Ein Ulcus cruris ist eine belastende Krankheit, die zwar nicht vorgebeugt werden, aber im Frühstadium bereits erkannt werden kann. Daher sollten alle Menschen, die bereits erste Symptome zeigen, einen Arzt aufsuchen, um ihre Lebensqualität und Mobilität für die nächsten Jahre zu erhalten.

Behandlung und Therapie

Das wichtigste bei der Therapie eines Ulcus ist Geduld. Denn das chronische Unterschenkelgeschwür benötigt je nach Ausmaß und Tiefe bis zu einem Jahr zur vollständigen Heilung. In dieser Zeit müssen zum einem die Ursachen behoben und zum anderen unterstützende Maßnahmen eingeleitet werden. Hierzu zählen beispielsweise eine individuelle Wundbehandlung sowie die Förderung einer gesunden Lebensweise durch Rauchentwöhnung und Gewichtsreduktion. Beim Ulcus cruris venosum empfehlen sich zudem folgende Maßnahmen:

  • Tragen weiter Schuhe und Kleidung, keine Pediküre, keine Sauna
  • Kompressionsverbände und Kältegüsse zur Verbesserung des venösen Rückflusses
  • Bewegungstherapie zur Muskelpumpe einleiten
  • Schulung zur Schmerztherapie und Selbstbeobachtung
  • gegebenenfalls operative Krampfadern-Entfernung

Beim Ulcus cruris arteriosum können folgende Maßnahmen zur Heilung beitragen oder zumindestdie Lebensqualität des Patienten verbessern:

  • stadiengerechte Wundtherapie des Ulcus
  • Gesundheitsberatung und Aufklärung zur Minimierung der Risikofaktoren
  • Förderung der Durchblutung durch Gehtraining und Ausdauersport unter ärztlicher Kontrolle
  • Informationen zu entlastenden Maßnahmen geben: d.h. Beine in Ruhe unter Herzniveau lagern, keine Wärme- oder Kälteexposition
  • adäquates Schmerzmanagement anbieten
  • gegebenenfalls chirurgische Aufdehnung der Gefäße oder Bypasslegung

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.