Dem Schlaf ähnlicher Dämmerzustand

Gesundheitslexikon: Trance

Ein Trancezustand hat auf Körper und Geist vielfältige Wirkungen
© © 2016 Andrew Ostrovsky, Andrew Ostrovsky

30. Januar 2020 - 12:42 Uhr

Trance: zwischen Tagtraum und Hypnose

Jeder kennt den kurzen Augenblick abends im Bett, wenn der Geist gemächlich zurücktritt und der Schlaf sich langsam ankündigt. Für einen kurzen Moment fällt alles von einem ab. Dieser knappe Augenblick von Stille und Wohlbefinden lässt sich auch tagsüber und bei vollem Bewusstsein erleben. Wer aufgeschlossen ist und sich willentlich auf den aufmerksamkeitsstarken Dämmerzustand der Trance einlässt, kann eine neue Dimension seines Ichs erleben.

Was ist eine Trance?

Als Trance wird ein schlafähnlicher Zustand beschrieben, bei dem der Mensch jedoch wach und extrem konzentriert ist. Bei dem veränderten Bewusstseinszustand kommt es zu einem Absenken der "Ich-Wahrnehmung". Gleichzeitig ist der Anwender dabei stark auf etwas Bestimmtes fokussiert. Das können ein Gedanke, ein Gegenstand, ein Ton oder eine Stimme sein. Es handelt sich um eine intensive und bewusste Wahrnehmung. Eine Trance kann oberflächlich auftreten und beispielsweise das Zeitgefühl verändern (Meditation) oder aber tiefgreifende Veränderungen und sogar Halluzinationen auslösen. Mittels einer Elektroenzephalografie (EEG) lassen sich bei einer Trance veränderte Hirnwellen am Betroffenen feststellen.

Auslöser einer Trance

Um eine Trance auf natürlichem Wege auszulösen, setzt sich der Betroffene bewusst wiederkehrenden, schleifenartigen Reizen aus. Das können bestimmte Tanzschritte, Gesänge, Lichtblitze, Mantren, das Fokussieren auf ein Pendel oder Trommelklänge sein. Manchmal reichen schon monotone Geräusche - wie bei einer Autofahrt - aus. Je länger sich die Reizmuster wiederholen, desto tiefer kann eine Trance werden. Voraussetzung ist allerdings, dass sich der Betroffene bewusst und willentlich darauf einlässt. Während das Reizmotiv ununterbrochen abläuft, muss sich der Anwender darauf konzentrieren und alle anderen Umgebungsfaktoren oder Gedanken ausblenden. Trancen können ferner durch den Konsum bestimmter Drogen ausgelöst werden.

Formen der Trance

Es gibt leichte Formen, die jeder kennt. Dazu zählen beispielsweise Tagträume oder Fantasiereisen (Vorlesen). Die spirituelle Trance hingegen ist in vielen Religionen verankert. Sie dient dazu, mit Gott, Geistern oder anderen Wesen in Kontakt zu treten und sich mit ihnen zu vereinigen. Dieses Ziel verfolgen auch schamanische Trancen, bei denen verschiedene Geisterwesen beschworen werden. Die traumatische Trance hingegen wird durch die Konzentration auf einen Schmerz ausgelöst (sexueller Lustschmerz oder religiöse Selbstgeißelung). Bei der hypnotischen Trance ist das Bewusstsein aktiviert und kann von außen manipuliert werden (Nikotinentwöhnung). Daneben erleben manche Läufer eine sportinduzierte Trance, wenn die Beine "wie von selbst" laufen.

Anwendungen in der Therapie

Im Rahmen einer Psychotherapie kann die therapeutische Trance mittels Hypnose eingesetzt werden. Sie hilft Patienten, aus den gewohnten Denkmustern auszubrechen und neue Leitsätze zu verinnerlichen. Es handelt sich also entweder um eine Art äußerer Bewusstseinsprogrammierung oder um eine Form der Persönlichkeitsentwicklung. Hintergrund ist der, dass manche Menschen so in ihrem inneren Selbst gefangen sind, dass sie auch mit größtem Willen und trotz besseren Wissens nicht daraus ausbrechen können (fehlgeleitete Konditionierung). Durch eine geführte Hypnosetherapie wird bei ihnen eine Trance ausgelöst, in der sie beispielsweise krankhafte Zwangshandlungen oder neurotische Gedankenmuster ablegen sollen. Auch die Implementierung von anderen Leitmotiven ist möglich.