Gesundheitslexikon: Serotonin-Syndrom

29. November 2018 - 15:53 Uhr

Serotonin-Syndrom – der Überschuss an Glückshormonen

Glaubt man den Frauenzeitschriften, kann man von dem "Wohlfühlhormon" Serotonin gar nicht genug bekommen. Es sorgt für eine ausgeglichene Stimmung, reguliert den Hunger und steuert viele wichtige Botenstoffe, die für eine wohlige Gefühlslage sorgen. Doch wenn sich zu viel Serotonin im Körper anreichert, kann es zu ernsthaften Problemen kommen. Dann spricht man von einem Serotonin-Syndrom.

Was ist das Serotonin-Syndrom?

Serotonin ein sehr wichtiger Neurotransmitter. Es regt das zentrale sowie das periphere Nervensystem an. Serotonin ist lebenswichtig. Kommt es allerdings zu einer krankhaften Anhäufung des Hormons im Körper, spricht man von einem Serotonin-Syndrom. Es handelt sich um ein komplexes Krankheitsbild. Oft bleibt es unentdeckt, da es sich aus einer Vielzahl von kognitiven, autonomen oder neuromotorischen Defekten sowie Veränderungen im Verhaltensmuster zusammensetzt. Der Serotoninüberschuss kann nicht nur leichte Probleme verursachen, die selbst dem Betroffenen kaum auffallen, sondern auch lebensbedrohliche Formen annehmen.

Ursachen

Es gibt zwei mögliche Auslöser des Serotonin-Syndroms: Entweder wird die Krankheit durch eine bestimmte Medikamentenüberdosis verursacht oder sie ist auf negative Interaktionen verschiedener Arzneimittel zurückzuführen. So ist es üblich, depressive Patienten mit Medikamenten zu behandeln, die im Gehirn die Serotoninproduktion ankurbeln oder deren Freisetzung steigern (Tryptophan, MDMAs, Amphetamine). Werden diese Arzneimittel ohne Weiteres und gleich in hohen Dosen verschrieben, kann es zu einer akuten Serotoninansammlung kommen. Andere Medikamente wiederum hemmen den Abbau von Serotonin im Körper (beispielsweise Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer). Werden solche Medikamentengruppen miteinander kombiniert, kann es zu Wechselwirkungen kommen.

Symptome

Die Symptome teilen sich in drei Bereiche auf: Zu den autonom vegetativen Symptomen zählen beispielsweise der Anstieg von Pulsfrequenz und Blutdruck, übermäßiges Schwitzen, Durchfall, schnelle Atmung, Kopfschmerzen, ein undifferenziertes Grippegefühl sowie eine Erweiterung der Pupillen. Daneben können sich auch zentralnervöse Erregungssymptome zeigen. Dazu gehören Halluzinationen, Bewusstseinsstörungen, Koordinationsstörungen, Unruhe (nicht still sitzen bleiben können) oder verminderter Antrieb. Ebenso können körperliche Anzeichen auftreten. Diese äußern sich in gesteigerten Reflexen, Anfällen und Krämpfen, raschen und unwillkürlichen Muskelzuckungen oder einem hohen Tremor (rhythmisches Zittern).

Diagnose

Das Krankheitsbild kann noch nicht über Laborparameter (Blutbild oder Urin) diagnostiziert werden. Nur die gute Beobachtungsgabe eines Arztes kann eine Diagnose herbeiführen. Problematisch ist das Erkennen des Serotonin-Syndroms vor allem deshalb, weil die Symptome so vieldeutig und teilweise recht unscheinbar sind. So wird ein Patient gerade im Anfangsstadium bisweilen als Simulant angesehen. Die meisten Symptome treten (in leichter Form) bereits wenige Stunden nach der Einnahme der genannten Wirkstoffgruppen ein. Deshalb ist es sinnvoll, im Zweifel nochmals kurzfristig einen Arzt aufzusuchen.

Behandlung

Erkennt der Arzt die Symptome richtig und kombiniert sie zu einer korrekten Diagnose, müssen die möglichen Präparate umgehend abgesetzt werden. Dies kann allerdings zu weiteren Folgeproblemen führen, denn die Mittel wurden schließlich aus einem bestimmten Grund verschrieben. Da noch kein einheitliches Behandlungsmuster bei einem Serotonin-Syndrom besteht, geht man derzeit häufig dazu über, alle Medikamente abzusetzen und den Patienten zunächst (stationär) zu überwachen. In manchen Fällen werden hemmende Medikamente verabreicht, die wiederum den Serotoninspiegel reduzieren sollen. Auch Beruhigungsmittel kommen regelmäßig zum Einsatz.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.