Bestrahlung der Schilddrüse durch radioaktive Jodmoleküle

Gesundheitslexikon: Radiojodtherapie

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25. November 2019 - 17:00 Uhr

Hilfe bei Schilddrüsenerkrankungen - die Radiojodtherapie

Die Radiojodtherapie (RJT - auch Radioiodtherapie) wird zur Behandlung gut- und bösartiger Erkrankungen der Schilddrüse angewandt.

Was ist die Radiojodtherapie?

Mittels Radiojodtherapie werden Zellen der Schilddrüse behandelt, welche fehlerhaft und folglich Grund für Erkrankungen sind. Die Behandlungsform kann alleine oder als Zusatz zu operativen Verfahren Anwendung finden und wird in der Regel stationär durchgeführt. Kapseln mit individuell dosiertem radioaktivem Jod werden oral eingenommen. Der Wirkstoff gelangt über den Verdauungstrakt ins Blut des Patienten und dadurch zur Schilddrüse. Da die Schilddrüsenzellen Jod zur Synthese nutzen, nehmen sie dieses bevorzugt auf. Die dysfunktionalen Zellen werden sodann durch die Radioaktivität/Strahlung zerstört.

Wann wird die Radiojodtherapie angewandt?

Gutartige Formen von Schilddrüsenerkrankungen wie zum Beispiel die Überfunktion werden durch eine Radiojodtherapie behandelt. Krankheiten wie Morbus Basedow lösen Überfunktionen aufgrund einer Fehlfunktion des Immunsystems aus. Auch sogenannte heiße Knoten können mit der Therapieform Radiojod gut behandelt werden. Bösartige Schilddrüsentumore werden zumeist in Kombination mit einer Operation therapiert. Nach der Entfernung des Tumors sollen mithilfe der Radiojodtherapie die übrigen bösartigen Zellen zerstört werden. Auch bei Metastasen oder dem wiederholten Auftreten von Tumoren wird die Therapieform als OP-Alternative oder Zusatz eingesetzt.

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Wie läuft die Therapie ab?

Da während der Behandlungszeit keine Besuche gestattet sind, erfolgt die Therapie grundsätzlich stationär. Währenddessen darf die Station nicht verlassen werden, da vom Patienten eine gewisse Radioaktivität ausgeht. Obwohl diese lediglich rund 0,5 Millimeter Strahlungsradius aufweist und somit für andere Personen größtenteils unschädlich ist, muss eine tägliche Strahlungsmessung beim Patienten durchgeführt werden. Über den Behandlungszeitraum werden radioaktive Kapseln mit individueller Dosis verabreicht. Vier Stunden vor und eine Stunde nach der Einnahme muss der Patient nüchtern sein beziehungsweise bleiben. Die Entlassung erfolgt bei Unterschreitung eines Strahlungsgrenzwertes in der Regel innerhalb weniger Tage.

Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?

Die RJT stellt besonders bei älteren Patienten eine weniger riskante Behandlungsmethode im Vergleich zu einer Operation dar. Bei der Behandlung gutartiger Erkrankungen kommt es oft zu Schilddrüsenunterfunktionen, welche eine lebenslange Einnahme von Schilddrüsenhormonen zur Folge haben können. Bauchspeichel- und/oder Schilddrüsenentzündungen können ebenfalls Arten von Nebenwirkungen darstellen. Vor allem bei bösartigen Schilddrüsenerkrankungen kommen zusätzlich Magenschleimhautentzündungen und Schwellungen im Halsbereich vor. In seltenen Fällen werden darüber hinaus Funktionsstörungen des Knochenmarks konstatiert. Die Einschränkungen klingen im Normalfall allerdings wieder ab. Die Mehrzahl der Patienten spürt jedoch keinerlei Nebenwirkungen.

Was sollte man beachten und wie finden Sie den richtigen Therapeuten?

Bei der Behandlung mittels Radiojodtherapie sollten Sie eine enge und vertrauensbasierte Absprache mit Ihrem Arzt treffen. Wägen Sie die Vor- und Nachteile der Behandlungsform sowie Kombinationsmöglichkeiten mit einer Operation genau ab. Besonderes Augenmerk sollten Sie hierbei auf die Therapiestation legen, welche speziell für die RJT zugelassen sein muss. Der medizinische Schwerpunkt liegt behandlungsvorbereitend auf dem TSH-Hormon beziehungsweise -Spiegel. Dieser wird medikamentös niedrig gehalten, damit gesunde Zellen möglichst wenig radioaktives Jod und defekte Zellen vergleichsweise größere Mengen aufnehmen. Blut- und Ultraschalluntersuchungen, Szintigrafie und Festlegung der radioaktiven Menge mittels Dosimetrie sind vorbereitende Maßnahmen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.