Gesundheitslexikon: Parästhesien

29. November 2018 - 15:47 Uhr

Parästhesien – wenn sich Nerven irren

In der wörtlichen Übersetzung bedeutet der griechische Begriff "Parästhesie" so viel wie "Nebenwahrnehmung". Neurologen benutzen den Ausdruck für sämtliche Arten der Missempfindung. Sie interpretieren die Empfindungsstörungen als Hinweis auf Nervenschädigungen, wie sie oft als Symptom einer übergeordneten Erkrankung auftreten.

Was sind Parästhesien?

Wenn sich kaltes Wasser auf der Haut brennend heiß anfühlt, Ameisen über Hautareale zu laufen scheinen oder ganze Gliedmaßen einschlafen, liegen Parästhesien vor. Die Missempfindungen sind nicht nur lästig, sondern werden meist als unangenehm, beängstigend oder schmerzhaft wahrgenommen. Je nach Art sprechen Mediziner bei Parästhesien teilweise von Kausalgien, Anästhesien oder Hypästhesien. Während Kausalgien schmerzhaftes Brennen hervorrufen, vermindert sich bei Hypästhesien die Empfindsamkeit. Nicht zu verwechseln sind Hypästhesien mit Hyperästhesien, die statt für verminderte Wahrnehmung für eine Sensibilitätserhöhung stehen. Absolute Gefühllosigkeit liegt bei der Anästhesie vor. Bei der Dysästhesie steht dagegen das Schmerzempfinden im Fokus. Unterschiede ergeben sich im Hinblick auf Missempfindungen außerdem mit der Differenzierung von vorübergehenden und anhaltenden Parästhesien.

Ursachen

Grundsätzlich sind akut auftretende Parästhesien leichter einzuordnen und haben ihre Ursache oft im Zentralnervensystem. Vorübergehend akute Parästhesien in Form von eingeschlafenen Gliedmaßen sind ein relativ häufiges Ereignis und liegen meist an kurzzeitiger Blutflussunterbrechung, die zu einer Sauerstoffunterversorgung der Nerven führt. In Einzelfällen sind Missempfindungen kein körperliches, sondern ein psychisches Problem. Diese psychogene Parästhesie-Form kann als Reaktion auf psychische Traumata oder Stressbelastungen auftreten und basiert nicht auf Nervenschädigungen. Zu den häufigsten Ursachen echter Parästhesien zählen:

- Vergiftungen (u. a. Schwermetallvergiftung)

- Vitaminmangel durch Fehlernährung oder Darmerkrankungen

- Diabetes mellitus

- Multiple Sklerose

- Medikamenteneinnahme (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Buspiron u. a.)

- mechanische Schädigung (u. a. nach Operationen oder Unfällen)

- Bandscheibenvorfall

- orthopädische Erkrankungen (u. a. Engpasssyndrome)

- Durchblutungsstörungen (u. a. durch Arteriosklerose)

- Migräne

- Schilddrüsenunterfunktion

- Schlaganfall

Diagnose und Behandlung

Die Parästhesie ist lediglich ein Symptom. Durch fachmedizinische Untersuchungen wie das MRT oder den Nervenleittest ordnet der Arzt dem Symptom eine Ursache zu. Die Ursachenbehandlung steht nach der Diagnose vor allem bei akuten Parästhesien im Fokus. Sind Nerven zum Beispiel verklemmt, kann neben gezielter Bewegung im Rahmen von Physiotherapie eine Operation zur Nervenbefreiung Abhilfe schaffen. Bei Ursachen wie Durchblutungsstörungen sowie alkoholischen und diabetischen Parästhesien steht die Minimierung von Risikofaktoren im Mittelpunkt der Behandlung. Diabetikern hilft oft bereits eine Verbesserung der Blutzuckereinstellung.

Therapie bei Parästhesien

Gegen Schmerzen erhalten alle Patienten mit Missempfindungen gegebenenfalls Medikamente wie Gabapentin. Ob sich die geschädigten Nerven auf lange Sicht vollständig erholen, hängt vom Ausmaß und der Lokalisation etwaiger Schädigungen ab. Im Zentralnervensystem ist die vollständige Erholung wegen der hohen Gewebespezialisierung weitestgehend ausgeschlossen. Nerven des peripheren Nervensystems erholen sich dagegen oft vollständig, falls sich die ursächlichen Schadbelastungen dauerhaft minimieren lassen. Bei medikamentös bedingten Parästhesien muss eine Abwägung von Nutzen und Risiken erfolgen. Einige Medikamente lassen sich beispielsweise nicht absetzen, ohne dem Patienten zu schaden. Andere können wiederum durch verwandte Wirkstoffgruppen ersetzt werden, um das Risiko für fortschreitende Nervenschädigungen zu minimieren.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.