Ein Zeichen für die Schädigung der Nierenkörperchen

Gesundheitslexikon: nephrotisches Syndrom

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23. Oktober 2019 - 13:33 Uhr

Starker Eiweißverlust über den Urin – das nephrotische Syndrom

Das nephrotische Syndrom bezeichnet kein eigenes Krankheitsbild, sondern das gemeinsame Auftreten unterschiedlicher Symptome. Diese haben ihre Ursache in einer geschädigten Nierenfunktion. Besonders typisch bei einem nephrotischen Syndrom ist ein hoher Eiweißverlust über den Urin, welcher sich meist durch stark schäumenden Urin äußert. Ein nephrotisches Syndrom kann sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen auftreten.

Ursachen

Ein nephrotisches Syndrom wird durch eine Nierenschädigung ausgelöst. Die Nieren haben eine wichtige Filterfunktion im Körper. Sie säubern unser Blut von Abfallprodukten des Stoffwechsels. Dabei sorgen die Nieren dafür, dass wichtige Substanzen wie Eiweiße und Zuckermoleküle im Blut verbleiben. Darüber hinaus lenken sie den Blutdruck, indem sie den Wasserhaushalt kontrollieren. Bei einer Nierenschädigung können die Nierenkörperchen, auch Glomeruli genannt, ihre Filterfunktion nicht mehr richtig ausführen. Sie werden durchlässiger, sodass für den Körper wichtige Bestandteile verloren gehen. Das führt schließlich zur Entwicklung eines nephrotischen Syndroms. Die Nierenkörperchen können bei verschiedenen Erkrankungen beschädigt sein:

- chronisch entzündliche Erkrankungen der Nierenkörperchen (zum Beispiel membranöse Glomerulopathie)

- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)

- glomeruläre Minimalläsionen (Minimal-Change-Glomerulopathie)

- bestimmte Autoimmunerkrankungen (zum Beispiel systemischer Lupus erythematodes oder Amyloidose)

Symptome

Das weitaus wichtigste Symptom eines nephrotischen Syndroms stellt der hohe Eiweißverlust über den Urin dar. Durch den Mangel an Eiweißen, die der Körper zum Funktionieren benötigt, können weitere Beschwerden ausgelöst werden:

- Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme), die sich beim nephrotischen Syndrom in der Regel im Gesicht oder an Unterschenkeln und Füßen zeigen

- Eiweißmangel im Blut (Hypoproteinämie)

- Erhöhung der Blutfettwerte

- Bluthochdruck (Hypertonie)

- höhere Infektanfälligkeit (Schwächung des Immunsystems)

- Bildung von Blutgerinnseln (Thrombose)

Diagnose

Die Symptome für ein nephrotisches Syndrom sind meist sehr typisch und liefern erste Hinweise. Um das Syndrom zu diagnostizieren, wird eine Urinuntersuchung durchgeführt. Dafür werden bestimmte Teststreifen einige Minuten in den Urin des Untersuchten getaucht. Wenn darin abnorme Mengen an Eiweiß festgestellt werden, wird eine genauere Eiweißbestimmung aus einer Urin-Sammelprobe über 24 Stunden durchgeführt. Von einem gesunden Menschen werden an einem Tag normalerweise nicht mehr als 150 Milligramm Eiweiß ausgeschieden. Bei einem nephrotischen Syndrom kann der Wert jedoch über 3500 Milligramm liegen. Hat der Arzt schließlich ein solches diagnostiziert, wird zusätzlich eine Gewebeprobe aus der Niere entnommen, um die Ursache der Erkrankung festzustellen. Dabei wird bei einem chirurgischen Eingriff ein kleines Stück des Nierengewebes entnommen, das dann feingeweblich untersucht wird.

Therapie

Die Therapie des nephrotischen Syndroms konzentriert sich auf die Behandlung der ursächlichen Krankheit. Kann die Grunderkrankung gut behandelt werden, so verschwinden nach einer gewissen Zeit meist auch die Symptome des nephrotischen Syndroms wieder. Manche Krankheiten können jedoch nicht geheilt werden, sodass sich die Therapie hierbei auf die Linderung der Symptome konzentriert. Dies geschieht in den meisten Fällen durch Medikamente. Besonders wichtig ist bei der Behandlung das Senken des Blutdrucks, da durch einen hohen Blutdruck die Nieren noch zusätzlich geschädigt werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.