Zerlegt Fette in seine Bestandteile

Gesundheitslexikon: Lipase

Blutuntersuchung: Lipase
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07. Oktober 2019 - 13:20 Uhr

Mit dem Enzym Lipase zur schnellen Diagnose

Der Name Lipase verrät schon einiges über die Funktion dieses Enzyms: Es sorgt dafür, dass durch Wasser Lipide (lípos, griechisch für Fett) gespalten werden (Hydrolyse, Hydrolasen), wobei freie Fettsäuren entstehen. Der Körper kann Fette – egal, ob sie aus der Nahrung oder aus den Fettreserven des Körpers stammen – verwerten, wenn sie verdaut, also abgebaut werden. Trotzdem wird die Aktivität des Enzyms nicht gemessen, um die Ernährung zu beurteilen.

Es gibt nicht nur eine Lipase

Abhängig vom Ort ihres Wirkens werden verschiedene Lipasen unterschieden. Gleichzeitig weichen sie in ihrer Funktion oder ihrem Reaktionsverhalten voneinander ab. Die Lipoproteinlipase befindet sich außerhalb der Zelle und wird in der Leber gebildet. Ihre Aufgabe ist es, die als Triglycerid im Blut befindlichen Fettsäurespeicher zu spalten und damit für den Stoffwechsel verfügbar zu machen. Eine in der Zelle befindliche Variante ist die hormonsensitive Lipase. Sie zerlegt die in den Fettzellen gespeicherten Fette. Durch die Wirkung dieser Lipasen kann der Fettabbau reguliert werden. Die größte Bedeutung in der Diagnostik hat die Pankreaslipase, die in der Bauchspeicheldrüse synthetisiert wird – sie baut die Nahrungsfette ab.

Ursachen und Symptome in Verbindung mit Lipasen

Wenn auf dem Schein zur Blutuntersuchung Lipase angekreuzt ist, ist in der Regel die Pankreaslipase gemeint. Da es sich um ein Enzym handelt, das in der Bauchspeicheldrüse synthetisiert wird, geben die Werte Auskunft über den Zustand dieses Organs. Oft wird ein weiteres Enzym der Bauchspeicheldrüse parallel dazu bestimmt: die Amylase, die an der Verdauung der Kohlenhydrate aus der Nahrung beteiligt ist. Kommen Patienten mit plötzlichen, heftigen Schmerzen im oberen Bauch zum Arzt, wird er sich für eine Bestimmung der Pankreas-Enzyme (Bauchspeichel-Enzyme) entscheiden. Übelkeit, Erbrechen und Fieber sowie Druckschmerz verstärken den Verdacht.

Wie wird die Lipase-Aktivität bestimmt?

Für die Bestimmung der Lipase wird Blut (genauer: das Serum des Blutes) verwendet. Im Messansatz wird die natürliche Reaktion simuliert. Als Fettkomponente werden Substanzen verwendet, die aufgrund der Lipase-Wirkung Produkte bilden, deren Menge über eine geeignete Messmethode erfasst werden kann. Geeignet sind zum Beispiel Triolein oder Olivenöl, die nicht wasserlöslich sind. Sie führen zu einer Trübung der Messlösung, die unter Lipase-Wirkung messbar abnimmt. Beim Einsatz von speziellen Estern werden Produkte abgespalten, die in einem nachfolgenden Schritt durch Farbreagenzien bestimmt werden.

Was sagt der Lipase-Wert aus?

Normal sind Werte, die unter 60 Einheiten pro Liter (U/l) liegen, wobei geringfügige Schwankungen bei der Angabe des oberen Normalwertes durch die Messmethode bedingt sind. Am häufigsten wird die Bestimmung genutzt, um eine akute Pankreatitis (Bauchspeichelentzündung) nachzuweisen. Bereits fünf Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome steigt der Wert an und bleibt bis zu sechs Tage erhöht. Dabei kann der Anstieg dramatisch sein, ohne dass dies ein Hinweis auf eine besondere Schwere sein muss. In anderen Fällen wird eine Erhöhung nachgewiesen, obwohl die Bauchspeicheldrüse nicht direkt betroffen, sondern nur indirekt beteiligt ist: bei einem Gallengangverschluss oder Geschwüren im Verdauungstrakt. Erniedrigte Werte haben eher keine Bedeutung.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.