Gesundheitslexikon: Hospitalismus (Deprivationssyndrom)

29. November 2018 - 15:49 Uhr

Hospitalismus – die "Gefühlsmangelkrankheit"

Wer vom Deprivationssyndrom betroffen ist, leidet meist still und kann nicht richtig am Leben teilhaben. Es handelt sich um eine Erkrankung der Psyche, die in erster Linie aus Mangel an Gefühl und Menschlichkeit auftritt. Experten nutzen auch den Begriff "Gefühlsmangelkrankheit", was das Leiden sehr gut beschreibt. Betroffene legen einen langen Leidensweg zurück und benötigen tatkräftige Unterstützung.

Die Entstehung von Hospitalismus

Es gibt viele mögliche Ursachen, welche die Entstehung der Krankheit beeinflussen oder verantworten. Der Entzug von Zuwendung im menschlichen Sinne ist der hauptsächliche Faktor. Gefährdet sind daher Menschen in Haft, allein gelassene Kinder oder alte Menschen, die im stationären Bereich untergebracht sind. Der Begriff entwickelte sich aus dem Feld der Pädagogik, weil man diese Krankheit bei Kindern entdeckte. Körperlicher Kontakt, beispielsweise mittels Umarmungen in Verbindung mit Kommunikation sind für den Menschen unverzichtbar, um ein gesundes und frohes Leben führen zu können. Kinder, die im Heim oder Krankenhaus, auch Hospital genannt, aufwuchsen, fehlte es oft an Menschlichkeit. Dieses Problem ist auch heute nicht ausgeschlossen und kann in vielen Situationen auftreten.

Formen von Hospitalismus

Neben dem hier behandelten Deprivationssyndrom gibt es eine weitere Form, der infektiöse Hospitalismus. Mögliche Symptome entstehen hierbei aufgrund der menschlichen Vernachlässigung. Wird zum Beispiel ein bettlägeriger Patient im Krankenhaus nicht regelmäßig umgelagert, entstehen Druckstellen und möglicherweise Wunden. Eine weitere Gefahr stellt die Vernachlässigung der Hygiene dar, wodurch der Patient Schaden nimmt. Infektionen sind die Folge. Zudem kennt man das sogenannte Kaspar-Hauser-Syndrom, wenn einem Menschen Musik, Nahrung, Ansprache, Licht und ähnliche Grundbedürfnisse entzogen wurden. In Verbindung mit körperlicher Misshandlung (aber auch ohne) wäre der Betroffene höchst gefährdet. Sie sehen, wie wichtig ein soziales Umfeld für Säugetiere und Menschen ist, weshalb Nächstenliebe auch heute nicht unwichtiger wird.

Symptome und Behandlung von Hospitalismus

Betroffene leiden unter Symptomen wie erhöhter Krankheitsanfälligkeit, motorischer Unruhe, Wundheilungsstörungen, Gedächtnisverlust, Apathie, Wahrnehmungsstörungen oder Angstzuständen. Die Problematik kann sich in vielen Gesichtern äußern, beispielsweise in Wutanfällen und Störungen im Sozialverhalten. Liegt ein psychischer Hospitalismus vor, gibt es Wege zur Therapie. Je nach Ausmaß der Erkrankung gibt es die Psychotherapie, bei der die Ursachen mit Hilfe von aufmerksamen Gesprächen erkundet werden. Gesprächs- und Bewältigungstherapien sind wichtig, um etwaige Altlasten zu beseitigen und um ein Urvertrauen wiederherzustellen. Grundsätzlich hilft Zuwendung und idealerweise Liebe. Das können Freunde, ein Partner oder Angehörige bieten.

Soziale Bindung als Vorbeugung

Wissenschaftlicher überprüften die seelische Erkrankung an Säugetieren, die den Menschen gar nicht so unähnlich sind. Man testete den Gefühlsentzug an Affen und fand heraus, dass diese ebenso auf soziales Verhalten angewiesen sind wie Menschen. Die Hospitalismusforschung ist auch heute noch ein großes Thema, schließlich gibt es sehr viele Risikogruppen. Nicht ohne Grund arbeitet man in ambulanten und stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens mit Bezugspflege, wodurch eine Person einen zugewandten Ansprechpartner sicher hat. Ohne die soziale Anbindung verarmen Menschen nach innen und nach außen. Daher ist die geplante Hospitalismusprophylaxe Standard, egal ob im Krankenhaus, Gefängnis oder Altenheim.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.