Gesundheitslexikon: Homunculus

29. November 2018 - 15:54 Uhr

Das neuronale Modell des Homunculus

Der Begriff Homunculus findet besonders in der Neurowissenschaft zum menschlichen Körper Anwendung. Aufgrund der engen Verbindung zum Kortexsystem im menschlichen Gehirn ist die Beschreibung des Homunculus recht umfangreich. Vereinfacht dargestellt beschreibt der Begriff ein Modell, das die Ordnung der motorischen und sensorischen Systeme im Kopf beschreibt. Es geht um die Darstellung, Größe und Regelung menschlicher Sinne und Bewegung durch unser Gehirn. Das Thema bedingt eine gewisse Grundkenntnis neuronaler Aufbauten.

Was versteht man unter dem Begriff Homunculus?

Bei dem Wort Homunculus handelt es sich um eine Begrifflichkeit aus der Neuromedizin. Es stellt ein Modell dar, das versucht, die neuronale Beziehung zwischen den sensorischen Feldern im Gehirn sowie dem kortikalen Bereich zu beschreiben. Hierbei findet eine Abbildung benachbarter Körperregionen auch auf nebeneinander liegenden Kortexgebieten statt. Das jeweilige Kortexareal, unterschieden in motorisches und sensorisches, repräsentiert hierbei die somatotopische Anordnung von Efferenzen im motorischen Bereich als auch Afferenzen beim sensorischen Areal. Hieraus lässt sich schließen, dass es einen motorischen sowie auch sensorischen Homunculus gibt. Die Beschreibungsmodelle unterscheiden sich folglich in ihrer Zielrichtung, dem Aufbau und der Ausgestaltung der Areale.

Welcher Homunculus trifft welche Aussage?

Beim motorischen als auch sensorischen Homunculus handelt es sich jeweils um einen sogenannten umgekehrten Homunculus. Dies folgt aus der entgegengesetzten Anordnung der abgebildeten Bereiche im jeweiligen Kortex. Da bei beiden Modellen die Darstellung der Areale von kaudal nach kranial erfolgt, handelt es sich um eine Reihenfolge in entgegengesetzter Richtung. Der sensorische Homunculus repräsentiert die rezeptiven Felder im jeweiligen Kortex. Es handelt sich somit um die Sensoren zum Tasten oder Fühlen. Die motorischen Einheiten des motorischen Homunculus hingegen bestimmen die Steuerung von Skelettmuskeln.

Wie funktionieren die beiden Beschreibungsmodelle?

Beide Modelle stellen dar, welche Bereiche und Größen die jeweiligen Einheiten im primären Kortexsystem einnehmen. Die motorischen Einheiten im motorischen Kortex, die sensorischen Einheiten im sensorischen Kortex. Hierbei spielen allerdings nicht die Dimensionen der Einheiten (beispielsweise die Größe der zu steuernden Extremität im motorischen Bereich) eine Rolle bei der Größe ihres Darstellungsbereichs im Kortex, sondern deren Menge an Neuronen oder Sensoren. So nimmt das Gesicht im sensorischen Kortex einen vergleichsweise großen Abbildungsraum ein, da es über äußerst viele Sensoren verfügt. Ebenso der Zeigefinger, obwohl er in seiner Dimension um einiges kleiner als das Gesicht ist. Gleiches gilt zum Beispiel für Handmuskeln.

Warum wird dieses Modell genutzt?

Um die Darstellung der Areale im Gehirn nachvollziehen zu können, ist die Kenntnis um deren Ausgestaltung und die dem zu Grunde liegende Begründung von höchster Bedeutung. Nur mit dem Wissen, warum welche Areale im sensorischen oder motorischen Kortex, nach Beschreibung des jeweiligen Homunculus, sich so darstellen, lassen Untersuchungen des jeweiligen Bereiches daraus resultierende Schlussfolgerungen zu. Bestimmte Überprüfungen geben die Möglichkeit, nach einer Schädigung des Kortex, auf Grundlage des Homunculus, die zu erwartenden Symptome zu erheben. So können nach einem Schlaganfall mittels Bildvorlagen die Ausmaße und Folgen der Schäden im Hirn besser abgeschätzt werden.