Starke Körperbehaarung bei Frauen und Kinder

Gesundheitslexikon: Hirsutismus

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16. Oktober 2019 - 13:34 Uhr

Hirsutismus - zu starke Körperbehaarung bei Frauen

Glatte, makellose Haut ist angesagt. Frauen, die eine stärkere Körperbehaarung aufweisen, sind oft einem großen Leidensdruck unterworfen. Häufig ist ein hormonelles Ungleichgewicht die Ursache für zu starken Haarwuchs. In diesem Fall sprechen Mediziner von Hirsutismus.

Was ist Hirsutismus?

Ein Fall von Hirsutismus liegt vor, wenn eine Frau männliche Behaarungsmuster am Körper aufweist, zum Beispiel an der Oberlippe oder an der Innenseite der Oberschenkel. Es variiert zwar genetisch bedingt, wie viele Haare beim Menschen wachsen, und es gibt darüber hinaus ethnische Verschiedenheiten. Hirsutismus unterscheidet sich jedoch deutlich von diesen Normvarianten. Der Haarwuchs bei Frauen ist in diesem Falle krankhaft ausgeprägt und hormonell bedingt. Der Maßstab dafür, ob Handlungsbedarf besteht oder nicht, ist der Leidensdruck, den die betroffenen Frauen empfinden.

Ursachen für das übermäßige Haarwachstum

Es gibt verschiedene Ursachen, die übermäßiges Haarwachstum bei Frauen auslösen können. Denkbar ist, dass die Nebennieren zu viel des männlichen Hormons Testosteron produzieren und die Haarfollikel in der Haut sich aus diesem Grund stärker, dichter und dunkler ausprägen. Möglich ist auch, dass polyzystische Ovarien vorliegen, was ebenfalls zu einem hormonellen Ungleichgewicht führen kann. Mittlerweile weiß man, dass polyzystische Ovarien häufig mit Übergewicht einhergehen. Somit stellt Übergewicht einen Risikofaktor dar. In manchen Fällen sind Medikamente wie bestimmte Psychopharmaka für Hirsutismus verantwortlich.

Symptome bei Hirsutismus

Bei Frauen, die unter Hirsutismus leiden, wächst das Körperhaar dichter, dunkler und borstiger als bei anderen. Dies gilt insbesondere für Körperstellen, an denen normalerweise nur Männer behaart sind. Viele Patientinnen, die an Hirsutismus leiden, stören sich vor allem an übermäßigem Haarwuchs im Gesicht. Da dies dem gängigen Schönheitsideal widerspricht und makellose Haut am ganzen Körper bis hin zur Bikinizone erwünscht ist, leiden betroffene Frauen besonders stark und verstecken sich häufig. Oftmals ist zum Beispiel ein normales Sexualleben dann nicht mehr möglich.

So kann Hirsutismus diagnostiziert werden

Ein Bluttest beim Endokrinologen oder beim Frauenarzt gibt darüber Aufschluss, ob ein übermäßiger Haarwuchs hormonelle Ursachen hat. Der Gynäkologe kann zudem eine Untersuchung durchführen, um herauszufinden, ob polyzystische Ovarien vorliegen. Weitere Tests prüfen die Hormonproduktion der Nebennieren. Es ist auch möglich, dass ein Arzt eine genetische Veranlagung zum Hirsutismus feststellt. Bei schätzungsweise zehn Prozent der Frauen in Deutschland reagieren die Haarfollikel besonders empfindlich auf Testosteron. Ob es sich bei einer solchen Empfindlichkeit um Hirsutismus handelt oder sie eine andere Ursache hat, kann nur ein Arzt diagnostizieren.

Behandlung/Therapie bei Hirsutismus

Wenn Sie Ihre Körperbehaarung quält, sollten Sie den Gang zum Arzt nicht scheuen. Je eher Hirsutismus durch geeignete Maßnahmen gestoppt wird, umso besser sind die langfristigen Erfolge. Wird ein hormonelles Ungleichgewicht diagnostiziert, kann Ihnen der Frauenarzt Anti-Baby-Pillen verschreiben, die die Produktion männlicher Hormone drosseln. Allerdings reagieren manche Patientinnen darauf mit unerwünschter Gewichtszunahme. Andere Möglichkeiten sind die Laserbehandlung oder die Behandlung mittels Lichtimpulsen, die die Haarwurzel zerstören. Diese sind allerdings kostspielig (zwischen 50 und 120 Euro) und müssen mehrmals wiederholt werden. Die Krankenkassen übernehmen diese Kosten normalerweise nicht. Andere Möglichkeiten sind die Epilation, Waxing, das Rasieren oder Enthaarungscremes.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.