Zwölf besondere Nerven

Gesundheitslexikon: Hirnnerven

© David Marchal (David Marchal (Photographer) - [None], David Marchal

14. Oktober 2019 - 9:25 Uhr

Die zwölf Hirnnerven und ihre Funktionen

Als Hirnnerven bezeichnet man zwölf Nerven, die ihren Ursprung im Gehirn haben und nicht wie die anderen Nerven aus dem Rückenmark austreten. Sie kommen direkt aus dem Schädelknochen und versorgen verschiedene Regionen. Ihr Ursprung liegt in den sogenannten Hirnnervenkernen im Hirnstamm. Zusätzlich zu ihren Bezeichnungen sind die Hirnnerven von eins bis zwölf mit römischen Ziffern durchnummeriert. Mit Ausnahme des ersten und zweiten Nervs, welche als Teile des Hirns gelten, zählen sie zu den peripheren Nerven. Auch der elfte Hirnnerv stellt eine Ausnahme dar, da er teilweise aus dem Rückenmark entspringt. Alle Hirnnerven sind paarig angelegt, das heißt, es befinden sich je zwölf Stück in jeder Kopfhälfte.

Welche Hirnnerven gibt es?

Folgende zwölf Nerven werden als Hirnnerven bezeichnet:

  • Hirnnerv I: Nervus olfactorius
  • Hirnnerv II: Nervus opticus
  • Hirnnerv III: Nervus oculomotorius
  • Hirnnerv IV: Nervus trochlearis
  • Hirnnerv V: Nervus trigeminus
  • Hirnnerv VI: Nervus abducens
  • Hirnnerv VII: Nervus facialis
  • Hirnnerv VIII: Nervus vestibulocochlearis
  • Hirnnerv IX: Nervus glossopharyngeus
  • Hirnnerv X: Nervus vagus
  • Hirnnerv XI: Nervus accessorius
  • Hirnnerv XII: Nervus hypoglossus

Je nach Faserqualität erfüllen die Hirnnerven sensorische, motorische oder auch vegetative Aufgaben mit dementsprechenden Funktionen. Manche Nerven haben gemischte Fasern.

Aufgaben der Hirnnerven

Nervus olfactorius (I) ist der Riechnerv, Nervus opticus (II) der Sehnerv. Nervus oculomotorius (III) ist für Augenbewegungen verantwortlich. Nervus trochlearis (IV) ermöglicht Augenrollbewegungen. Nervus trigeminus (V), der Drillingsnerv, innerviert das gesamte Gesicht. Nervus abducens (VI) versorgt ebenfalls Augenmuskeln. Nervus facialis (VII) ist für Gesichtsmimik, Geschmack sowie für verschiedene Drüsen zuständig. Nervus vestibulocochlearis (VIII) leitet Informationen vom Ohr und vom Gleichgewichtsorgan weiter. Nervus glossopharyngeus (IX) ist wichtig für Zunge, Rachen und das Schlucken. Nervus vagus (X) gehört zum Parasympathikus und reguliert die Funktionen vieler Organe. Nervus accessorius (XI) innerviert den Hals- und Nackenbereich. Nervus hypoglossus (XII) ist für die Zungenmuskulatur verantwortlich.

Schädigung von Hirnnerven

Wenn ein Hirnnerv geschädigt ist, kommt es zu jeweils typischen Ausfallerscheinungen oder Beschwerden. Hirnnerven können bei Unfällen, Operationen oder durch Erkrankungen beschädigt werden. Manche Störungen der Hirnnerven sind reversibel, zum Beispiel die Trigeminusneuralgie. Ist ein Nerv so stark geschädigt, dass er seine Aufgabe nicht mehr erfüllen kann, bleiben die Beschwerden meist dauerhaft bestehen. An manchen Aktionen sind mehrere Hirnnerven beteiligt. Das Sprechen wird beispielsweise durch Trigeminus, Facialis, Glossopharyngeus, Vagus und Hypoglossus möglich. Fällt einer davon aus, ist die Sprechfähigkeit beeinträchtigt.

Besondere Störungen

Da jeder Nerv seine Aufgabe hat, wird bei einer Schädigung sofort die jeweilige Störung bemerkbar. Ist der erste, zweite oder achte Hirnnerv geschädigt, funktioniert Sehen beziehungsweise Riechen nicht mehr richtig. Bei Störungen des dritten Hirnnervs kann es zu Lähmungen der Augen, Akkomodationsstörungen oder einem hängenden Lid kommen. Der siebte Nerv ist häufig bei Gesichtslähmungen betroffen (Facialisparese). Schwierigkeiten beim Schlucken und Schmecken verursacht der Ausfall des neunten Hirnnervs. Wenn der zehnte Nerv geschädigt ist, treten eine ganze Reihe von Störungen an Organen auf, da er beispielsweise die Herzfrequenz und die Magen- und Darmtätigkeit regelt. Häufig kommt es bei Schädelverletzungen zur Schädigung mehrerer Hirnnerven, da alle Nerven an der Schädelbasis eng beieinanderliegen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.