Begriff aus dem deutschen Schwerbehindertenrecht

Gesundheitslexikon: Grad der Behinderung (GdB)

14. August 2019 - 9:20 Uhr

Grad der Behinderung (GdB) - was bedeutet das?

Der Grad der Behinderung ist eine Maßeinheit, die angibt, wie stark eine Person durch eine oder mehrere Behinderungen beeinträchtigt ist. Der GdB stellt das Ausmaß der körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Folgen dieses gesundheitlichen Schadens dar. Je höher der Wert ist, desto größer ist die Beeinträchtigung. Vorhandene Funktionsbeeinträchtigungen werden so berücksichtigt, wie sie sämtliche Lebensbereiche beeinflussen. Die Angabe des GdB erfolgt in Schritten von Zehnergraden zwischen 20 und 100. Liegt eine Behinderung ab dem Grad 50 vor, gilt sie als Schwerbehinderung - in diesem Fall wird auf Antrag ein Schwerbehindertenausweis ausgestellt.

Wie wird der GdB festgelegt?

Der GdB wird in der Regel vom Versorgungsamt festgestellt. Die feststellende Behörde richtet sich dabei nach bundesweit geltenden Richtlinien, den Versorgungsmedizinischen Grundsätzen". Für die Festlegung des GdB sind neben persönlichen Angaben die medizinischen Befunde von Hausärzten, Fachärzten und/oder Krankenhäusern notwendig. Wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen, entscheidet das Versorgungsamt nach eingehender Prüfung über die Höhe des GdB. Eine Zuerkennung erfolgt jedoch nicht nach der Art der Diagnose, sondern nach Dauer und Auswirkung der Behinderung auf die Teilhabe am Leben. Beim Vorliegen mehrerer Beeinträchtigungen werden diese nicht einfach addiert; es werden vielmehr die Auswirkungen in ihrer Gesamtheit beurteilt.

Wozu dient der GdB in der Praxis?

Wurde ein Grad der Behinderung festgestellt, ergeben sich einige Vorteile für die Betroffenen:

  • Grad 20, 30 und 40: Eine Behinderung liegt vor. Bei einem GdB von 30 und 40 besteht die Möglichkeit, zur Sicherung des Arbeitsplatzes einem Schwerbehinderten gleichgestellt zu werden.
  • Grad 50 und höher: Eine Schwerbehinderung liegt vor. Beim Versorgungsamt kann jetzt ein Schwerbehindertenausweis beantragt werden. Hierin werden weitere gesundheitliche Merkzeichen (beispielsweise "aG" für außergewöhnliche Gehbehinderung) aufgeführt, die zum Anspruch auf Nachteilsausgleiche berechtigen.

Außergewöhnliche finanzielle Belastungen können als Pauschbetrag ohne Aufwendungsnachweise von der Einkommensteuer freigestellt werden.

Wie kann man den GdB beantragen?

Wer einen Grad der Behinderung beantragen oder ändern möchte, muss einen Antrag ausfüllen. Formularvorlagen bekommen Sie vom Versorgungsamt selbst oder im Internet. Anschließend reichen Sie die Unterlagen beim Versorgungsamt ein, das dann prüft, ob die nötigen Voraussetzungen vorliegen. Gegebenenfalls wird noch eine medizinische Überprüfung vorgenommen, bevor dann der Bescheid mit der Post ins Haus kommt. Das Verfahren wird beschleunigt, wenn die eingereichten Behinderungen schon von einem Arzt dokumentiert worden sind. In diesem Fall können Sie vorhandene Befunde zusammen mit dem Antrag einreichen.

Lohnt sich ein Änderungsantrag des GdB?

Tritt im Laufe des Lebens eine gesundheitliche Verschlechterung ein, kann ein Antrag auf Neufeststellung (Änderungsantrag) nötig werden. Das Ziel ist hierbei, einen höheren GdB zu bekommen. Bedenken Sie dabei jedoch immer das Risiko, dass der Grad der Behinderung auch nach unten korrigiert werden kann. Sollten sich nämlich die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern, können Einzel-GdB heruntergestuft werden, wodurch sich automatisch der Gesamt-GdB verändern würde. Sollte der Antrag auf Neufeststellung oder Änderung abgelehnt werden, können Sie innerhalb von vier Wochen Ihren Widerspruch einlegen.