Erforschen, erkunden, prüfen

Gesundheitslexikon: Exploration

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15. Juli 2019 - 10:09 Uhr

Exploration in der Medizin - wenn der Arzt gezielt nachforscht

Exploration macht da weiter, wo ärztliche Anamnese ihre Grenzen hat. Bei der Anamnese erfährt der Arzt anhand standardisierter Fragen zwar die wichtigsten Krankheitsdaten, kann darauf aber noch keine gezielte Diagnostik aufbauen. Kommen bei der Anamnese erste Verdachtsmomente auf bestimmte Erkrankungen auf, so folgen gezielte Nachfragen mit dem Zweck der weiteren Abklärung. Während der Arzt die Anamnese noch nicht in eine bestimmte Richtung steuert, tut er dies bei der Exploration. Sie dient der Erhebung von konkreten Befunden und wird von zielgerichteten Untersuchungen begleitet.

Was ist Exploration in der Medizin?

Der Begriff Exploration stammt vom lateinischen Verb "explorare" für "ausforschen, erkunden" ab. Bei der Exploration (Medizin) handelt es sich um einen ärztlich gesteuerten Prozess der Informationsgewinnung. Unter Berücksichtigung der Anamnese geht der explorierende Arzt möglichen Diagnosen nach und verifiziert Verdachtsdiagnosen oder schließt sie aus. In der Allgemeinmedizin beinhaltet die Exploration meist ein Abtasten und Erforschen von Körperhöhlen mittels diagnostischer Instrumente. Ein Beispiel für exploratives Vorgehen ist die vaginale Untersuchung von Blutungen. Von der allgemeinmedizinischen Exploration ist die chirurgische Exploration zu unterscheiden. Ein explorierender Allgemeinmediziner geht im Gegensatz zu einem Chirurgen nicht invasiv vor.

Wer bedient sich der medizinischen Exploration?

Zwar ist auch die chirurgische Exploration zur Abklärung bestimmter Verdachtsmomente und zur Informationsgewinnung über die Krankheitsbildursache gedacht, bedient sich anders als die allgemeinmedizinische Exploration allerdings einem operativen Vorgehen. Die Inspektion und das Abtasten ("Palpation") von Befunden erfolgt hierbei unter der Durchtrennung von Deckgewebeschichten im symptombetroffenen Bereich. Chirurgen verschaffen sich durch diese "Präparation" direkten Einblick ins Krankheitsgeschehen. Von allgemeinmedizinischer und chirurgischer Exploration ist die psychiatrische Exploration zu unterscheiden, über die Psychologen psychopathische Erscheinungen und Persönlichkeitseigenschaften mittels qualifizierter Gesprächsführung abklären.

Wie gehen Chirurgen bei der Exploration vor?

Speziell die chirurgische Exploration ist ein vielschichtiger Prozess, der den behandelnden Ärzten viel Urteilsvermögen abfordert. Anlass zur chirurgischen Exploration geben vermeintliche Notfallsituationen wie etwa innere Blutungen. Bevor sich Chirurgen für Explorationen entscheiden, sammeln sie ausreichend Hinweise auf eine hinzureichend schwere Erkrankung, um eine notfallmäßige Gewebeeröffnung zu rechtfertigen. Die Deckschichten des betroffenen Gewebes werden daraufhin mittels Hautschnitt geöffnet, sodass der Chirurg die Beschwerdestelle direkt ansehen und abtasten kann. Die Risiken und Vorteile der chirurgischen Exploration müssen in kürzester Zeit gegeneinander und gegen weniger invasive Verfahren wie der Endoskopie oder dem CT abgewogen werden.

Warum ist Exploration auch in der Psychologie wichtig?

In der Psychologie fällt die Abgrenzung zwischen Exploration und Anamnese oft schwer, da beide Bereiche das Ziel der Informationssammlung verfolgen. Die gezielte psychologische Exploration beseitigt Unklarheiten, Lücken und Widersprüche von diagnostischen Untersuchungen und gibt Hinweise zur Testinterpretation. Sämtliche Persönlichkeitsbereiche, Einstellungen, Denkweisen und Probleme der Testperson werden untersucht. Davon zu unterscheiden ist die informierend psychologische Exploration, die einer anfänglichen Datensammlung zur Auswahl diagnostischer Verfahren entspricht. In der Regel kommen beide Explorationsarten am selben Patienten in unmittelbarer Abfolge zum Einsatz, wobei der allgemeinen Exploration der Vortritt gebührt. Überschneidungen kommen natürlicherweise vor.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.