Anthroposophische Bewegungskunst

Gesundheitslexikon: Eurythmie (Heileurythmie)

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2. August 2019 - 10:34 Uhr

Eurythmie - ins Wohlbefinden tanzen

Eurythmie ist die Kunst der Bewegung. Die Tanzform wurde vom Anthroposophen Rudolf Steiner in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelt und dient dem Wohlbefinden sowie der persönlichen Entwicklung. In den anthroposophischen Waldorfschulen ist die Eurythmie ein eigenes Unterrichtsfach. Wenn sie für therapeutische Zwecke eingesetzt wird, spricht man von Heileurythmie. Diese behandelt sowohl psychische als auch physische Leiden.

Eurythmie = den eigenen Namen tanzen?

Der Begriff Eurythmie setzt sich aus den altgriechischen Begriffen "eu" und "rhythm?s" zusammen, welche sich als "richtig" beziehungsweise "Ebenmaß" oder "Wohlklang" übersetzen lassen. Die Anthroposophie, eine Weltanschauung, die Ende des 19. Jahrhunderts von Rudolf Steiner begründet wurde, etablierte die Eurythmie als erzieherisches Element für den Unterricht von Heranwachsenden. Wenn Kinder ihren eigenen Namen tanzen können, handelt es sich in den meisten Fällen um Waldorfschüler. Waldorfschulen unterrichten nach anthroposophischen Methoden. Die Heileurythmie ist längst zu einer etablierten Therapiemethode geworden. Heute weitverbreitete Choreographien zu Musikstücken kann man im Grunde ebenso als Eurythmie bezeichnen.

Wie funktioniert Eurythmie?

Eurythmie ist durch menschliche Bewegung interpretierte und sichtbar gemachte Sprache und Musik. Verschiedenste Elemente wie Gesten, andere Bewegungen sowie Formen des Raumes und Farben kommen hierbei zum Einsatz. Schwerpunkt ist die Sprach- und Lauteurythmie, bei der die Sprache und ihre Elemente direkt in Bewegungen übersetzt werden. Im Falle des berühmten Beispiels des getanzten eigenen Namens soll durch den individuellen Ausdruck des Tänzers die eigene Persönlichkeit zur Geltung kommen. In Waldorfschulen dient diese Übung der Entwicklung der Persönlichkeit. Selbstverständlich gibt es bei der Eurythmie auch Tänze in Gruppen sowie die Interpretation jeder beliebigen Form von Sprache, insbesondere von Gedichten.

Elemente der Eurythmie

Die Choreographie oder Form einer Aufführung ist das erste eurythmische Element. Mit Taktangaben, Kostümen, Vorgaben zu Requisiten und ähnlichen Aspekten sind sie die vom Choreographen entwickelte Grundlage für eine Aufführung. Neben der Form oder Choreographie ist das zweite Element die Gebärde - die Bewegung des Körpers. Hierbei werden bestimmte Bewegungen bestimmten Elementen der Musik oder Sprache zugeordnet. Die Verknüpfung zum choreographierten Werk ist manchmal strenger und manchmal freier in den Interpretationsmöglichkeiten. Je nach Inhalt werden die Gebärden der Sprache angepasst, beispielsweise werden öffnende Gebärden wie das Ausstrecken der Arme zu Worten getanzt, die Offenheit ausdrücken.

Gesundheit durch Tanzen: die Heileurythmie

Die Heileurythmie hat zum Ziel, psychisch und physisch erkrankte Menschen durch künstlerische Bewegung zu heilen. Diese Therapieform, die in Deutschland teilweise von den Krankenkassen finanziert wird, ist eine von anthroposophischen Therapeuten begleitete Einzeltherapie. Sie findet bei verschiedensten Leiden Anwendung: Bei chronischen und degenerativen Erkrankungen des Nervensystems ebenso wie bei Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und bei Stoffwechselerkrankungen. Die Eurythmie ist auch eine beliebte Therapieform bei geistigen und körperlichen Entwicklungsstörungen sowie bei Behinderungen. Bei psychischen Erkrankungen wird versucht, durch Tanz und Bewegung innere Harmonie beim Patienten herzustellen. Zwar belegen alternativmedizinische Studien die positiven Wirkungen der Heileurythmie, wissenschaftlich anerkannt ist sie jedoch nicht.