Sozialleistung vom Staat für Menschen mit Behinderung

Gesundheitslexikon: Eingliederungshilfe

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8. August 2019 - 8:55 Uhr

Die Eingliederungshilfe unterstützt bei der beruflichen und medizinischen Rehabilitation

Die Eingliederungshilfe ist ein Instrument des Sozialrechts, das behinderten Personen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen soll. Sie hauptsächlich im zwölften Buch des Sozialgesetzbuches (SGB) geregelt. Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche wird im achten Buch behandelt. Eine stufenweise Reform durch das Bundesteilhabegesetz soll im Jahr 2017 wirksam werden.

Ziel der Eingliederungshilfe

Das vorrangige Anliegen der Eingliederungshilfe ist, den Eintritt einer drohenden Behinderung zu verhüten. Eine bereits bestehende Behinderung oder ihre Folgen sollen den Umständen entsprechend beseitigt oder gemildert werden. Außerdem ist eine Teilnahme des Betroffenen an gesellschaftlichen Belangen zu ermöglichen oder wenigstens zu erleichtern. Ebenso wichtig ist die Ermöglichung einer Berufsausübung oder immerhin einer angemessenen Tätigkeit. Auch die größtmögliche Unabhängigkeit von Pflege ist erklärtes Ziel des Gesetzes. Bedingung der Vorschrift und somit Voraussetzung zur Gewährung von Eingliederungshilfe ist allerdings, dass ihre Aufgabe erfüllt werden kann.

Was ist eine Behinderung?

Eine einheitliche Definition für den Begriff der Behinderung existiert nicht. Das zwölfte Buch des SGB verweist auf eine Begriffsbestimmung aus dem neunten Buch. Demzufolge handelt es sich bei einer Behinderung um eine Abweichung von körperlicher Funktion, geistiger Fähigkeit oder seelischer Gesundheit. Für den Laien mag in offensichtlichen Fällen die Beurteilung klar auf der Hand liegen. Tatsächlich wird fachliche Expertise gefordert sowie die Prognose, ob eine Abweichung länger als sechs Monate bestehen wird. Erst dann handelt es sich um eine Behinderung im Sinne des Gesetzes.

Welche Leistungen werden bei der Eingliederungshilfe erbracht?

Grundsätzlich werden alle Leistungen angeboten, die der Erreichung der Eingliederungsziele dienlich sind. Es handelt sich insbesondere um Leistungen zur medizinischen sowie beruflichen Rehabilitation. Die Hilfe zur Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft ist ebenso bedeutsam wie die Ermöglichung einer Schul- und Ausbildung. Auch gibt es die Hilfe zur Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen. Eine vollstationäre Pflege mit dem Zweck der Eingliederung ist möglich. Wenn das Eingliederungsziel nicht absehbar ist, empfiehlt sich die Entscheidung für eine dauerhafte Pflege.

Wer erbringt die Leistungen?

Die Antragstellung für Erwachsene erfolgt beim Sozialamt, für behinderte Kinder und Jugendliche beim Jugendamt. Eine Konsultation des zuständigen Amtes ist auch insofern unerlässlich, da die Verantwortlichkeiten für die Kostenübernahme unterschiedlich verteilt sind. Man unterscheidet nämlich zwischen Leistungsträgern, bestimmten Behörden, und Leistungserbringern, die dem Gesundheitssystem zugeordnet sind. Leistungserbringer arbeiten in der Hauptsache mit den gesetzlichen Krankenkassen zusammen. Diese übernehmen falls notwendig die Kosten für die Eingliederung.

An wen kann ich mich wenden?

Wie man sieht, ist eine umfassende Beratung notwendig, Denn insgesamt sind die Regelungen des SGB recht komplex. Sie können sich nicht nur mit anderen Rechtsnormen überschneiden, sondern erfordern auch eine Überprüfung des Einzelfalls. Daher stellt sich die Materie für einen juristischen Laien recht undurchschaubar dar. Kompetente und kostenlose Auskunft erteilten die jeweils zuständigen Ämter. Sozialamt oder Jugendamt sind Ansprechpartner, bei einer bereits bestehenden Behinderung auch das Gesundheitsamt. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales unterhält außerdem ein Bürgertelefon.