Gesundheitslexikon: Arbeitsunfall

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2. April 2019 - 11:38 Uhr

Was Sie über Arbeitsunfälle wissen sollten

Auf der Arbeit einen Nagel abgebrochen? Das ist unschön, aber ein Arbeitsunfall ist das noch nicht. Gemäß Paragraph 8 Absatz 1 SGB VII handelt es sich bei Unfällen um von außen auf den Körper einwirkende Ereignisse, in die Betroffene unfreiwillig verwickelt werden. Definitionsgemäß führen Unfälle immer zu einem Gesundheitsschaden. Ein Arbeitsunfall liegt dementsprechend immer dann vor, wenn Arbeitnehmer im Rahmen ihrer versicherungspflichtigen Berufstätigkeiten Unfälle erleiden. Wegeunfälle im Sinne von Straßenverkehrsunfällen auf dem Weg zur Arbeit, innerhalb der Arbeit oder von der Arbeit nachhause gelten für viele Versicherungsträger solange als deutliche Arbeitsunfälle, wie sie keinen Umweg umfassen.

Definition: Was ist ein Arbeitsunfall?

Sind Herzinfarkte während der Arbeit Arbeitsunfälle? Meist nicht, denn normalerweise gelten innere Krankheitsvorgänge nicht als Unfälle. Bei jeder Art des Unfalls wirkt ein äußeres Ereignis auf das Unfallopfer ein. Damit gelten innere Krankheitsvorgänge nur insofern als Arbeitsunfall, wenn sie von äußeren Umständen bedingt wurden: so im Falle von Herzinfarkten beispielsweise von Dauerstress auf der Arbeit. Zuständig für die Absicherung sämtlicher Arbeitsunfälle ist dabei die gesetzliche Unfallversicherung. Laut SGB VII verpflichten sich Arbeitgeber zur gesetzlichen Unfallversicherung aller Arbeitnehmer. Der Unfallversicherungsträger hängt hierbei von der Branche ab und kommt für alle Behandlungen und Folgebehandlungen von Arbeitsunfällen gemäß der gesetzlichen Definition auf.

Wer ist für die Behandlung von Arbeitsunfällen zuständig?

Arbeitsunfälle erfordern die Informierung eines sogenannten Durchgangsarztes. Bei diesen Ärzten handelt es sich um Fachärzte für Chirurgie mit dem Schwerpunkt Unfallchirurgie oder Orthopädie und Unfallchirurgie mit Titeln in spezieller Unfallchirurgie. Der Durchgangsarzt muss eine Zulassung von Seiten der Landesverbände Gesetzlicher Unfallversicherungen besitzen und sowohl die Behandlung von Arbeits- als auch Wegeunfällen fällt in seine Zuständigkeit. Durchgangsärzte sind nur für Fälle relevant, in denen von einer Kostenübernahme durch die gesetzliche Unfallversicherung auszugehen ist. Bei schweren Arbeitsunfällen muss die Erstvorstellung des Betroffenen nicht bei D-Ärzten erfolgen. Allerdings ist die Überweisung an Durchgangsärzte im Nachhinein trotzdem angezeigt.

Ablauf: Wie ist bei Arbeitsunfällen vorzugehen?

In der Regel haben Unternehmen eine Liste von Durchgangsärzten ihrer Branche parat. Gemäß der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung gilt es, sogar auf den kleinsten Arbeitsunfall zu reagieren. Schon einen harmlosen Schnitt melden Sie deshalb besser dem Arbeitgeber. Entwickelt sich der Schnitt im Extremfall nämlich zur Blutvergiftung, gefährden Sie bei Missachtung der Meldepflicht Ihren Versicherungsschutz. Laut § 193 SGB VII muss der Arbeitgeber dem Unfallversicherungsträger alle Arbeitsunfälle sofort mitteilen. Bei schwereren Arbeitsunfällen ist vor dieser Meldepflicht eventuell eine Notfallbehandlung oder die Verständigung eines Rettungsdienstes notwendig. Dennoch darf auch bei schweren Arbeitsunfällen die Meldepflicht inklusive der Durchgangsarztbehandlung nicht ganz in Vergessenheit geraten.

Gründe: Warum kommt es am häufigsten zu Arbeitsunfällen?

Äußere Ereignisse definieren den Arbeitsunfall als solchen. Am häufigsten entstehen Arbeitsunfälle unter anderem in Form von

- Stromschlägen

- Verletzungen durch Arbeitsgerätschaften oder Maschinen

- Verletzungen durch herabstürzende Bauteile

- Verkehrsunfällen im Sinne von Wegeunfällen

Allerdings ist auch dann von einem Arbeitsunfall die Rede, wenn Arbeitnehmer durch äußere Ursachen wie übermäßige Arbeit, Dauerstresszustände oder psychische Belastungen an ihrem Arbeitsplatz Kreislaufzusammenbrüche, Herzinfarkte oder ähnliche Krankheitsvorgänge erleiden. Entscheidend ist für die Einschätzung von inneren Krankheiten als Arbeitsunfall also, dass sie sich unmittelbar auf äußere Ursachen zurückführen lassen.