Gerinnungshemmer

Gesundheitslexikon: Antikoagulation

© iStockphoto

1. April 2019 - 14:07 Uhr

Antikoagulation - die Blutgerinnung durch Medikamente hemmen

Als Antikoagulation bezeichnet man einen Vorgang, während dem die Gerinnung des Blutes durch die Verabreichung von gerinnungshemmenden Wirkstoffen vermindert wird. Dies ist aus therapeutischen oder aus prophylaktischen Gründen notwendig. Verschiedene Erkrankungen oder Risikofaktoren bedingen die Einnahme sogenannter Antikoagulanzien.

Was ist Antikoagulation?

Bei der Antikoagulation, auch Gerinnungshemmung genannt, kommt es zur Verdünnung des Blutes. Dabei wird mit bestimmten Wirkstoffen die natürliche Gerinnung des Blutes verhindert. Als Gerinnung bezeichnet man das Festwerden das Blutes. Dies ist in bestimmten Situationen lebensnotwendig, beispielsweise bei einem hohen Schlaganfallrisiko. Das Blut wird dünnflüssig, sodass sich keine Gerinnsel bilden, die die Gefäße verstopfen und so die Blutzufuhr unterbrechen. Im Normalfall regelt der Organismus diese Gerinnung selbst. In manchen Fällen kann die Blutgerinnung jedoch derart verstärkt stattfinden, dass dies zu einer gesundheitlichen Gefahr wird. Daher bedienen sich Mediziner der Methode der Gerinnungshemmung oder Antikoagulation.

Ablauf einer Antikoagulation

Es gibt verschiedene Formen der Antikoagulation. Zunächst erfolgt eine Unterscheidung je nach Dauer der Verabreichung der Gerinnungshemmer. Bei der temporären Antikoagulation erhält der Patient das gerinnungshemmende Präparat nur für eine kurze Zeit. Dies ist der Fall, wenn ein vorübergehendes gesundheitliches Risiko besteht, beispielsweise nach einer großen Operation. Darüber hinaus kann die Verabreichung des Gerinnungshemmers über einen langen Zeitraum hinweg nötig sein. Bei andauernder Krankheit wird aus diesem Grund die sogenannte Langzeit-Koagulation verabreicht. Bei beiden Formen kommt es keineswegs zum kompletten Ausfall der Gerinnung. Die Blutgerinnung wird nur so weit gehemmt, dass bedrohliche Gerinnsel verhindert werden. Das natürliche Gerinnungssystem des Körpers wird dennoch aufrechterhalten.

Welche Gerinnungshemmer gibt es?

Die Medizin kennt verschiedene Gruppen der Antikoagulanzien. Die wichtigsten sind Heparine, Coumarin-Präparate und Thrombozytenaggregationshemmer. Heparine haben sich vor allem in der Kurzzeittherapie bewährt. Sie werden unter die Haut injiziert oder direkt in die Vene gespritzt. Die sogenannten Thrombozytenaggregationshemmer wirken am Anfang des Gerinnungsprozesses. Das bekannteste Präparat aus dieser Gruppe ist ASS, welches vorzugsweise zur Prophylaxe von Herzinfarkt und Schlaganfall eingesetzt wird. Der Wirkstoff minimiert die Ansammlung von Blutplättchen an inneren Verletzungen der Blutgefäße. Coumarin-Präparate greifen ebenfalls in den Vorgang der Gerinnung ein und hemmen diesen teilweise. Das synthetische Präparat wird der Cumarin-Pflanze nachempfunden und kann oral eingenommen werden, was es zu einem praktischen Medikament zur Prophylaxe von Thrombosen und Embolien macht.

Anwendungsgebiete

Die medikamentöse Antikoagulation erfolgt, um Gefäßverschlüsse zu verhindern. Ein solcher Gefäßverschluss wird in den meisten Fällen durch einen Thrombus oder einen Embolus ausgelöst. Als Thrombus bezeichnen Mediziner ein Blutgerinnsel, welches die Blutgefäße verstopft. Löst dieses sich und wandert durch die Gefäßwege, wird es als Embolus bezeichnet. Ein erhöhtes Risiko für einen Gefäßverschluss besteht bei einer vorausgegangenen Lungenembolie, andauernder Bettlägerigkeit oder bei einer Arrhythmie. Auch bei bestehendem Vorhofflimmern werden häufig Antikoagulanzien eingesetzt, um die Entstehung eines Herzinfarktes zu verhindern. Nach Operationen gehören Gerinnungshemmer zur üblichen postoperativen Thromboseprophylaxe.

Was sollte man beachten?

Gerinnungshemmer können Nebenwirkungen verursachen. Wird die natürliche Gerinnung des Blutes zu stark gehemmt, kommt es zu Blutungen. Da sich hieraus Komplikationen entwickeln können, sollten Risiken und Nutzen der Therapie stets vom behandelnden Arzt genau abgewogen werden. Die postoperative Thromboseprophylaxe ist allgemein anerkannt, jedoch kann sie in einigen Fällen vernachlässigbar sein. Nach einer Knie-Operation und bei bettlägerigen Patienten ist eine Prophylaxe besonders sinnvoll. Nach kleinen Operationen, die kein längeres Ausruhen erfordern, kann jedoch über die Erforderlichkeit der Einnahme eines Gerinnungshemmers nachgedacht werden. Der Arzt wird in jedem Fall abwägen, ob ein Antikoagulanz sinnvoll und nötig ist.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und Hinweise über Arzneimittel, hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt daher nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Da die Medizin sich ständig weiterentwickelt, sollten Sie immer die aktuelle Gebrauchsinformation zu Ihrem Arzneimittel sorgfältig durchlesen und Ihren Arzt oder Apotheker zurate ziehen.